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Immer öfter begegnet man heute an Seeufern einer besonderen Spezies von Tauchern, deren Ausrüstung eher an einen Raumanzug für Mondlandeunternehmen erinnert, als
geeignet erescheint für einen entspannten Tauchgang. Spricht man sie darauf an, bekommt man aber immer wieder die Antwort, dass hier nur "normal getaucht
wird", ergo keine Mondlandung und auch kein Technical Diving mit irrsinnigen Tiefen, stundenlanger Deko und Mischgas geplant ist. Was also ist die Ursache für
diese Begegnungen der "dritten Art“ ? Sind das alles Taucher, die protzen wollen? Sich abheben von der Masse? Maserati statt VW Golf ?
Nun,
schaut man hinter die Kulissen des Technical Diving, so entdeckt man Equipment, dass sich teils außerordentlich in der Optik vom normalen Sporttauch - Equipment
unterscheidet, jedoch ein und dieselbe Funktion erfüllt. Ein Tec - Jacket kann den Taucher auch nur austarieren und an die Oberfläche befördern, Mondlandungen gelingen
auch hiermit nicht. Eine Akkutanklampe mit Goodman - Handle (Lampenkopf - Handgriff) kann auch nur des Tauchers Umgebung erhellen, mehr nicht.
Beschäftigt man
sich dann mit den einzelnen Artikeln genauer, so wird man aber rasch konstruktive Unterschiede feststellen. So sind die meisten Tec - Jackets
zweischalig aufgebaut, was einen wesentlich höheren Sicherheitsfaktor im Gebrauch darstellt, da die Blase nicht gleich zerstört wird, wenn man mit Ecken und Kanten, etwa in einem Wrack, in Berührung kommt, sondern nur die Außenhülle beschädigt wird. Des weiteren sind durch diese Bauweise leicht eigene Reparaturen möglich. Cordura® * gibt es in Tec - Tauchbasen und die Innenblase kann oft mit einem simplen Fahrradflicken repariert
werden. Tec - Jackets sind in der Regel Wings (Luftkammern, die wie Flügel am Rücken des Tauchers sitzen) in modularer Bauweise. Modulare Bauweise bedeutet, dass
die einzelnen Komponenten des Jackets vom Taucher individuell zusammengesetzt werden können. Der Tec – Taucher wählt die Art des Auftriebskörpers (Wing –
Form, Volumen), die Art der Begurtung (oft ein durchgehender Gurt mit aufgezogenen D-Ringen und Metallgurtschnalle, an dem auch Zubehörtaschen befestigt werden
können) die Art der Backplate (ungepolsterte Rückenplatte aus Alu oder Stahl). Die Zusammenstellung eines Tec – Jackets aus Einzelkomponenten hat auch den
Vorteil, dass bei einem Defekt nur ein Teil des Gesamtsystems ersetzt werden muss, was einen enormen Preisvorteil ausmachen kann. Und da wären wir auch schon beim
Anschaffungspreis, der mittlerweile je nach Hersteller auch nur unwesentlich höher ist, als bei einem handelsüblichen Mittelklasse - Jacket. Das kann also beim Kauf
eines neuen Jackets durchaus bedacht werden. Ein wichtiges Argument der international mobilen Sporttaucher sollte man hier aber auch ansprechen - die
Reisetauglichkeit. Natürlich knacke ich mit einem Tec-Wing, idealerweise mit einer Stahl-Backplate bestückt, keine Minimalgewichts-Rekorde. Ich kann aber mit ein wenig
Geschick auch dieses reisetauglich herrichten. Für Flugreisen ist durchaus eine Alu - Backplate anzuraten. Taucht man das Jacket normalerweise mit V-Weight (einem in
den Falz der Backplate eingelassenem V-förmigen Bleiguss - Stück), so sollte man sich auf Reisen ausnahmsweise von diesem sehr komfortabel zu tauchendem Detail
verabschieden und auf einen herkömmlichen Bleigurt oder eine bequeme Bleiweste zurückgreifen und diesen mit angemietetem Blei vor Ort bestücken.
Nun zur
Akkutanklampe. "Wozu brauche ich so etwas..." wird sich so mancher Sporttaucher fragen, "meine Handlampe bringt es auch auf eine knappe Stunde
Leuchtdauer". Nun keine Frage, das ist an sich ausreichend für einen Tauchgang. Tauche ich allerdings nachts und muss ich mich bei Dämmerung fertig machen um dann
bei Dunkelheit unsicher durch das Gelände zu tappen, so ist es wohl als äußerst komfortabel zu bezeichnen, wenn eine Akkutanklampe (die auch über Wasser verwendbar
sein sollte) schon für den Weg ins Wasser nutzen kann, ohne befürchten zu müssen, dass die Tauchzeit mit entsprechend einkalkulierter Sicherheitsreserven im Akku
nur von kurzer Dauer ist . Die meisten Tanklampen haben eine weit höhere Brenndauer als Handleuchten, oft sogar über mehrere Stunden hinweg. Mit dem Goodman - Handle
kann ich problemlos den Lampenkopf auf den Handrücken befestigen und habe trotz allem beide Hände frei. Die Griffweite kann man sogar auf die Größe der eigenen Hand
einstellen, was dem Komfort sehr entgegen kommt. Das Gewicht der Akkus liegt auf dem Rücken, an der Flasche und nicht in der Hand. Ein weiterer Pluspunkt also für die
Tanklampe. Aber für den Fall der Fälle sollte eine zweite Lampe zur Reserve in der Jackettasche verstaut sein, denn ein Leuchtmittel kann ausfallen, ein Akku sich
verabschieden. Eine kleine Lampe mit LED`s bestückt bringt eine erstaunliche Leuchtkraft, lange Brenndauer, ist technisch unkompliziert und wenn sie mit Batterien
betrieben wird praktisch lebenslang einsetzbar. Tec -Taucher gehen nir mit nur einer Leuchte ins Wasser...
Trockentauchanzüge
sind mittlerweile ja schon kein wirkliches Tec-Dive-Equipment mehr, nachdem auch Sporttaucher den großen Vorteil des Trockentauchens für sich erkannt haben. Es gibt allerdings auch hier Anzüge, die sich durch spezielle Ausstattungen, etwa Beintaschen oder besonders robuste Ausführungen von den herkömmlichen unterscheiden. In der Anzugtasche kann griffbereit eine Reservemaske verstaut sein, ein Sicherheitsplus, das auch ganz normalen Sporttauchgängen gut zu Gesicht steht. Vor der Kaufentscheidung sollte man die Fragen beantwortet haben, ob man einen Neoprenanzug oder einen Konstantvolumenanzug tragen möchte und wie der Reißverschluss verläuft. Wer sich gerne ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein anzieht, der muss darauf achten, dass der Reißverschluss vorne, über die Brust hin zur Schulter verläuft. Bei Reißverschlüssen, die am Rücken von Schulter zu Schulter führen, ist eine helfende Hand notwendig. Während Neopren – Trockentauchanzüge bei moderaten Wassertemperaturen auch ohne wärmenden Unterzieher getragen werden können, ist bei Konstantvolumenanzügen (Anzugmaterial ähnlich einer Schlauchboothülle) immer ein Unterzieher nötig.
Bei den Atemreglern
gibt es den wesentlichen Unterschied, dass kaltwassertaugliche Regler auf dem Markt zu erhalten sind und Regler, die diese Zertifizierung nicht haben, da sie nur für „Warmwasser“ (mindestens +15° C) geeignet sind. Nun, wer im heimischen Gewässer unterwegs ist, darf nicht an der falschen Ecke sparen und muss zum hochwertigen Kaltwasser - Regler greifen. Um den Luftdurchsatz in der ersten Stufe besser zu verteilen und das Reglersystem bei Kaltwasserverwendung sicherer zu gestalten, sollte ein zweiter hochwertiger Regler an einer eigenen ersten Stufe und einem getrennt absperrbaren zweiten Flaschenventil angeschlossen sein.
Manche Tec - Taucher hängen sich einen Reserveregler zum Beispiel um den Hals, andere lassen diesen an einen zwei Meter langen Schlauch baumeln!? Verkehrte Welt?
Keineswegs. Es mögen unterschiedliche Ansichten zu diesen speziellen Konfigurationen herrschen, wichtig ist, dass man sich mit seiner sicher fühlt und diese auch blind
beherrscht. Auch dem Tauchpartner sollte diese individuelle Gerätekonfiguration geläufig sein. Eine zweite Stufe an einem langen Schlauch macht durchaus Sinn, hat man
erst einmal selbst die Erfahrung mit den eigentlich viel zu kurzen Oktopusschläuchen seines Tauchpartners machen dürfen. Die handelsüblichen 85 Zentimeter Länge, im
Notfall eventuell auch noch durch falsche Schlauchführung verhakt, können da verdammt kurz sein. Hier in einem bequemen Abstand nebeneinander herzutauchen stellt einen
nicht zu unterschätzenden zusätzliche Sicherheitsfaktor dar, denn ein Taucher, der sich auch in einer Notsituation wohl fühlt, gerät kaum in Panik. Und den Oktopus
an einem Gummiband um den Hals hängen? Nun, trotz ausführlichstem Buddycheck ist es oft nicht wirklich einfach, den Oktopus des Tauchpartners zielsicher ausfindig zu
machen, noch dazu, wenn man ihn dringendst benötigt! Hängt dieser aber gut sichtbar am Hals, braucht man den Regler nur noch leicht aus der Gummischlaufe zu ziehen und
niemand kommt in Bedrängnis.
Ein oft und natürlich im falschen Moment auftretender Systemfehler ist ein gerissenes Fersenband. Der mögliche Verlust
einer Flosse kann durchaus zum ernsten Problem werden einen Tauchgang sicher zuende zu bringen. Tec – Spezialisten haben deshalb so genannte Spring –
Straps entwickelt, Edelstahlfedern, die anstatt der herkömmlichen Fersenbänder an den Geräteflossen montiert werden. Diese können nicht reißen, sitzen immer straff auf
der Ferse, ein Flossenverlust ist mit dieser Technik nahezu unmöglich. Federwegsbegrenzungen verhindern ein Überdehnen der Federn, ein Kunststoffüberzug schont das
Neoprenmaterial am Füßling oder Trockenboot.
Wären da noch die immer beliebter werdenden, aber immer mehr Zündstoff für Diskussionen liefernden Tauchcomputer
. Der alte Hase, der noch mit Tabelle seinen Tauchgang absolviert hat, wird Tauchcomputer mit verschiedenen Geweben, Tiefenstopp, Vibrationsalarm,
Blinklichtern und vieles mehr vielleicht für sinnlose Spielerei halten. Jedoch sollten wir nicht vergessen, wer alles mit so einem Tauchcomputer unterwegs ist. Auch
der frischgebackene Anfänger würde seinen Tauchgang gern gesund absolvieren, möchte aber auch die Reize seines gerade erst erlernten Hobbys genießen. Ein
Tauchcomputer, der ihn deutlich an die im Kurs mit der Tabelle kennen gelernten Grenzen und Zeiten erinnert, ist hier ein wesentlicher Sicherheitsfaktor. Tiefenstopps
kann ich natürlich auch ohne Computer machen, nur wer hält sich dann im Endeffekt wirklich daran? Erinnert mich aber der Rechner, so wird ein ignorieren zumindest mit
ein wenig schlechtem Gewissen "belohnt". Das Tiefenstopps eine deutliche Verringerung von Mikrobläschen im Blut bewirken, ist unter Mithilfe von Tec - Divern
nachgewiesen worden.
Fazit
Ja, wir profitieren von den Erfahrungen, die Extremtaucher erarbeitet haben, teils unter Einsatz des eigenen Lebens. Warum also nicht ab und zu den "harten
Jungs" über die Schulter schauen und für sich das heraussuchen, was einem praktisch und sinnvoll erscheint, denn letztendlich machen wir irgendwie alle das
gleiche - wir genießen eine für uns lebensfeindliche aber phantastische Welt unter Wasser!
* Stichwort Cordura® Extrem widerstandsfähiges Kunststoffgewebe, das in unterschiedlichen Fadenstärken gewoben wird und damit unterschiedlichen Belastungen stand
hält und unterschiedliche Härtegrade (weich bis starr) aufweist. Verwendet bei Rucksäcken, Koffern, Outdoorbekleidung, Schuhen, Militärischen Ausrüstungsteilen und
natürlich bei Tauchjackets. >>> zurück zum Text
Anbieter Tec – Equipment (Auswahl) http://divetec.de/ www.v4tec.de/
www.omsdive.com/
www.aquatool.com
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