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Seit Sonntag, 18. März 2007, wird entsprechenden Presseberichten zufolge ein 46-jähriger Taucher vermisst, der im Verlauf eines
Ausbildungsspecials „Tieftauchen“ nicht mehr die Oberfläche erreichte. Rettungstaucher und und auch ein Tauchroboter (ROV) wurden bei der Suche eingesetzt. Erst
am Donnerstag kamen nun auch örtliche Tec - Spezialisten zum Einsatz.
Aktuelle Recherchen vor Ort bestätigen nun die ersten Meldungen, dass es sich um einen
Realschullehrer aus Burgau handelt und nicht, wie von uns kurzfristig gemeldet um eine 22-jährige Taucherin. Zum Ablauf des Ausbildungstauchgangs kann gesagt
werden, dass bei 33 Metern Tiefe ein Teilnehmer der vierköpfigen Ausbildungsgruppe dem Tauchlehrer, drei Schüler und ein begleitender Taucher, ein Problem
signalisierte, worauf der Aufstieg eingeleitet wurde. Im weiteren Verlauf des Aufstiegs hat der Burgauer aus ungeklärten Gründen den Kontakt zur Gruppe verloren. Erst
an der Oberfläche wurde sein Fehlen festgestellt. Ohne dem Ergebnis weiterer Untersuchungen vorgreifen zu wollen, dürfte der Faktor Stress im Gesamtverlauf der
Geschehnisse eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Unterhalb 20 Metern Tauchtiefe herrscht im Starnberger See Dunkelheit, eine gerade für relative
Tauchanfänger gewöhnungsbedürftige Situation. Im Zusammenspiel mit der Kälte, das Wasser hat eine Temperatur von 4°C, sind technische Probleme - Vereisung des
Atemreglers – wie auch persönliches Fehlverhalten und dem entsprechend menschlichen Versagen als Unfallursache denkbar. Obwohl ungewöhnlich doch
verschiedentlich bereits dokumentiert, könnte auch eine Stickstoffnarkose (Tiefenrausch) in Betracht gezogen werden, der durchaus auch bei Tauchtiefen oberhalb 40
Metern beobachtet wurde. Frauen sind im übrigen von diesem Phänomen öfter betroffen. Psychische wie auch aufgrund von Vereisung aufgetretene Problemfaktoren können
später nicht mehr schlüssig rekonstruiert werden, einzig das dauerhafte Versagen einer Ausrüstungskomponente oder ein vom Tauchgangverlauf provoziertes Risiko
(Missachtung von Dekompressionsstufen). Die Suche nach dem vermissten Taucher wurde mit insgesamt 50 Helfern der Berufsfeuerwehr München, der DLRG und der
Wasserwacht durchgeführt, unterstützt von zwei Hubschraubern. Schließlich wurde bei einer zweiten Suche auch ein Tauchroboter eingesetzt. Da die tauchenden
Rettungskräfte Pressluft als Atemgas einsetzen, ist der Suchradius an der Unfallstelle, deren Grund erst bei etwa 72 Metern beginnt, stark eingeschränkt. Vor Ort
tätige Unternehmen, die technische Tauchgänge mit Mischgas durchführen, wurden aus unbekannten Gründen nicht in die Rettungsaktion eingebunden. Erst
am Donnerstag , 4 Tage nach dem Unfall, wurden die örtlichen Fachleute hinzugezogen, die am Nachmittag des 22. März einen ersten Tauchgang unternahmen.
Gegenüber der Augsburger Allgemeinen äußerte sich der Rechtsanwalt des verantwortlichen Tauchlehrers, dass an dem Kurs nur drei Schüler teilgenommen hätten, obwohl
laut Vorschrift bis zu 8 Schüler erlaubt seien. Demzufolge läge keine Pflichtverletzung vor. Wir meinen, dass der allgemeine Hinweis auf eine mögliche Gruppenstärke
von bis zu 8 Tauchschülern im Fall von extremen Tauchgängen im Süßwasser von wenig Sachkenntnis geprägt ist, denn das, was einzelne Verbände hier als Maximum vorgeben,
muss immer in Anhängigkeit der besonderen Bedingungen eines Tauchplatzes verstanden werden. Das zitierte Reglement ist kein Freibrief für die Umsetzung solcher
Vorgaben an jedem erdenklichen Tauchplatz.
Starnberger See - Tauchgang an der Steilwand
Nicht nur für Taucher aus dem
Einzugsgebiet München ist der Starnberger See, hier das Ostufer um Allmannshausen, von besonderem Interesse. Man erreicht ab etwa 18 Meter Tiefe eine Steilwand, die je
nach Einstiegspunkt auf 72 Meter Tiefe abfällt. Bis zur Kante der Steilwand führt eine moderat abfallende Kiesfläche, weitgehend ohne optische Reize. Das
grünliche Wasser des Sees überdeckt die Szenerie der Unterwasserlandschaft mit einer eigenen Ausstrahlung, die auf Taucher, die erstmals hier ins Wasser gehen, nicht
zwingend eine positive Wirkung hat. Auch die Größe des Sees kann in Taucheleven einen emotionalen Einbruch bewirken wie auch die Tatsache, dass bei
entsprechendem Wind die Wasseroberfläche fast schon Bewegung zeigt, wie man es nur von einem Meer erwarten würde. Das Wasser
ist gemäßigt planktongesättigt, das heißt, die Sichtweiten sind im Winterhalbjahr etwa bis 5 Meter anzusetzen bis in Tiefen von 15 Meter, darunter können auch 30 Meter
erreicht werden, doch hier herrscht bereits Dämmerung und danach folgend Dunkelheit und nur starke Lampen können einen kleinen Ausschnitt dessen beleuchten, was zur
Orientierung dient. Um unter solchen Bedingungen sicher zu tauchen, müssen zwei getrennte, kaltwassergeeignete Atemreglersysteme an einzeln absperrbaren Ventilen
angeschlossen sein, ein Trockentauchanzug ist der klassische Kälteschutz, die Bedienung eines Jackets muss geläufig sein und eine wirksame Lichtquelle hat die
unmittelbare Umgebung zu beleuchten. Die leicht negativ, sich also nach innen zurückziehende Steilwand im Starnberger See ist aus weichem Gesteinsmaterial
gebildet. Greift man in die vermeintlich steinharte Wand wird man davon überrascht, dass diese bei entsprechend nachdrücklicher Berührung nachgibt. In Spalten und
Höhlen der Steilwand wohnen Aalrutten. Gelegentlich trifft man ab 30 Meter Tauchtiefe auf kleine Schwärme von Renken.
Für die Münchner Tauchschulen ist der
Starnberger See das „Hausgewässer“. Da das Befahren der Ostuferstraße im Bereich Allmannshausen nur Anliegern gestattet ist, bewegt man sich mit seinem Fahrzeug
hier in einer kritischen Grauzone. Im Winterhalbjahr ist es in der Regel kaum problematisch an den wenigen, als Parkplatz ausgewiesenen Buchten entlang der ufernahen
Straße das Fahrzeug abzustellen um von dort aus die wenigen Meter bis zum Ufer zurückzulegen – mit angelegtem Tauchequipment. Im Sommer wird stark
kontrolliert, wer keine Zufahrtsgenehmigung vorlegen kann, wird schmerzlich zur Kasse gebeten. Die wenigen uferparallelen Parkplätze wären ohnehin nur in den
frühen Morgenstunden frei.
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