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Liebe Tauchbasenbetreiber und Safaribooteigner!
Sicherlich habt ihr nach grober Schätzung eurer Bilanzen festgestellt, das es sich um ein recht
lukratives Jahr gehandelt hat.
Jammert nicht, Lügen haben kurze Beine, oder soll ich die ein oder andere Basis in „Pinocchios-Diving–World“ umbenennen ?
Eure Boote werden immer
schneller, luxuriöser und größer. Und auch der Service an uns Kunden wurde besser, die Konkurrenz schläft ja nicht!
Was mich und viele andere Taucher (und somit Kunden) dennoch nachdenklich macht, ist die
Tatsache, dass sich die meisten Tauchbasen nicht wirklich um das Leben und die Gesundheit ihrer Kunden zu sorgen scheinen: Hurghada, drittes Wochenende im November 2004: vier Tote, 3 x 2 Taucher abgetrieben,
viertes Wochenende im November 2004: Ein Toter! Mögliche Hochrechnung auf ein Jahr - 1:100. Das ist eine recht beängstigende Statistik, oder? Nur zum Vergleich: Würdet Ihr in ein Krankenhaus gehen, von dem Ihr
wisst, das dort jeder 100. Patient stirbt?
Wie viele Unfälle und vermisste Taucher gab es im Jahr 2004?
Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht, denn wer macht sich schon sein eigenes Geschäft
kaputt? Auch ein Fernsehspot der Regierung würde sich schlecht machen, wenn in der hier gefilmten Korallenlandschaft etwa. eine vier Wochen alte Taucherleiche treibt.
Sind es wir, die sicherheitsintoleranten
Taucher, tiefengeil und überheblich, oder seid Ihr es, die Basenbesitzer, Tauchlehrer und Guides, die für uns eine gewisse Fürsorgepflicht haben und diese vielleicht nicht richtig wahrnehmen?
Es reicht nicht,
das man uns Frottebademäntel und –schlappen à la „Kempinski“ zur Verfügung stellt, tut doch endlich was für unsere Sicherheit! Tiefenlimit, Kontrolle der Tauchcomputer, Sicherheitsleinen usw. sind im
heutigen Sicherheitstandart nicht mehr ausreichend. Investiert doch in Zukunft nicht nur in Klimaanlagen und weiteren nicht sicherheitsrelevanten Luxus (wie z.B. Espresso- u. Eismaschinen), sondern öffnet euren
geistigen Horizont für modern Sicherheitsmaßnahmen wie z.B. Taucherortungsgeräte (z.B. „ENOS“)
Ignoranz habt ihr ja schon dieses Jahr hinlänglich bewiesen, als man euch diese Geräte vor Ort vorstellen wollte. Ich war selbst Tauchergast und konnte mich von der Qualität und der Funktion dieser Technik
überzeugen. Ich fragte den Hersteller, wo denn die Basenbesitzer blieben um sich zu informieren, denn zu meinem Erstaunen und zu meiner Betroffenheit glänzten die meisten durch Abwesenheit.
Viele
Tauchsportfreunde und auch ich können nur hoffen, dass eine andere, höhere Instanz, eurem Gleich- und Hochmut bald ein Ende setzt.
Achim Herbst Solingen CMAS Tauchlehrer eMail
Anmerkung der Redaktion Es liegen mittlerweile die Zahlen für die Monate September und Oktober 2004 vor, man spricht in gut informierten
Kreisen von insgesamt 27 Toten bei Tauchgängen und beim Schnorcheln - in zwei Monaten. Neben den betroffenen Basen und Safarianbietern liegt es auch im Interesse des ägyptischen Staates, dessen Einnahmen im
Umfeld des Tauchtourismus größte Bedeutung haben, dies nicht an die Öffentlichkeit zu tragen. Für die Suche vermisster Taucher und Schnorchler (meist abgetrieben) startet ein Hubschrauber erst nach Hinterlegung
einer größeren Geldsumme als Vorabgarantie für die entstehenden Kosten, weil die Staatskasse Ägyptens leer ist. Aus diesem Grund entscheiden sich die für die Taucher Verantwortlichen nur in seltenen Fällen für die
Alarmierung der Luftrettung, man fürchtet die Kosten nicht erstattet zu bekommen und man scheut die damit verbundene Bürokratie.
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