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Seit seiner Entdeckung hat das Inselreich um Tahiti die Besucher aus dem fernen Europa verzaubert. 1789 haben Fletcher Christian und
Konsorten Herz, Kopf und Ehre verloren und Captain Bleigh und ihrem König die Bounty geraubt, nicht etwa um sich zu bereichern, sondern sie wollten nicht mehr weg aus
dem Paradies. Bis heute ist Tahiti ein Traumziel für Fernwehleidende geblieben, dennoch hält sich der Besucherstrom von 250’000 Gästen pro Jahr auf Polynesiens
Hauptinsel und dessen Hauptstadt Papeete in Grenzen.
Nach unserer Ankunft in Tahiti, von Neuseeland kommend, griffen wir zunächst tief in die Tasche,
mieteten ein Auto gemietet und fuhren rund um die Insel, um nichts von ihrer landschaftlichen Pracht zu verpassen. Vor der Rückreise besuchten wir auch noch die Insel
Morea, die uns fast besser gefallen hat. Der Hauptgrund unserer Reise war jedoch eine Tauchsafari.
Nach einem regenfreien und zwei Regentagen ging die Reise mit
dem Flugzeug nach Fakarava auf den Tuamotus Inseln, wo uns das Schiff, die Tahiti Aggressor, erwartete. Das Tauchschiff pendelt von Fakarava über eine Distanz von 150
Seemeilen entlang der Atolle Toau und Apataki nach Rangiroa. Von dort startet der Rückflug nach Tahiti - nach 6 Tauchtagen mit 22 Tauchgängen. Für die nächste
Gruppe fängt die Tauchkreuzfahrt in Rangiroa an und endet in Fakarava. Die Tuamotus erlangten in den 80er und 90er Jahren eine traurige Berühmtheit durch die
unsinnigen Atombombentests der französischen Machthaber, die dem internationalen Ansehen des Inselreichs eine böse Delle zugefügten. Das Gebiet von Französisch
Polynesien ist zwar so ausgedehnt wie ganz Europa, aber man muss sich die Situation einmal bildlich machen: Man wohnt etwa in Berlin und Wahnsinnige lassen bei Rom 160
Atombomben platzen... Nachdem das Testatoll Moruroa unerwartet (!) zerbrochen war, zogen die Militärs einfach ins nächste Atoll weiter. Ein unglaublicher
Tiefpunkt menschlicher Zivilisation wurde hier manifestiert. Einem Wunder gleich ist der Rest des Paradieses, der immer noch zum Schönsten zählt, was ein
tauchender Tourist erleben kann. Die 30 Meter lange Tahiti Aggressor zählt zur obersten Luxusklasse. Das Schiff wurde für komfortabelstes Tauchen in USA
konstruiert und 1997 in Betrieb genommen. Seit 2002 befindet sich die Aggressor in den Tuamotus. In großzügigen Doppelkabinen sind die 16 Gäste untergebracht, alle mit
eigener Toilette und Dusche. Eine weitere Doppelkabine hat nur 2 Kojen und ist deshalb etwas preisgünstiger. Getaucht wird ausschließlich vom 10 Meter langen
Beiboot (Skiff) aus, das sich am Heck des Mutterschiffes auf einen hydraulischen Arm befindet. Die Flaschen und Ausrüstungen befinden sich auf dem Beiboot, das im
Prinzip ein ausgewachsenes Tauchboot ist. Das Boot mit den Tauchern wird mittels Hydraulik zu Wasser gelassen und nach dem Tauchgang zum Mutterschiff gehoben.
Bequemer geht es nicht mehr. Zudem warten nach jedem Tauchgang frisch gewaschene, warme Handtücher auf die verwöhnten Gäste. Auch der Tauchbetrieb wird auf dem
höchsten professionellen Niveau abgewickelt. Es gibt 4 Taugänge pro Tag, beginnend mit dem ersten Tauchgang um 7:00 Uhr. Frühstück gibt es bereits ab 6:00 Uhr. Das
Revier lässt keine sicheren Nachtauchgänge zu. Die 4 Tauchgänge reichen auch vollkommen, denn die Oberflächenzeit sind ohnehin sehr knapp, um beim 4. Tauchgang die
Nullzeiten einzuhalten. Nitrox - Taucher haben da eindeutige Vorteile und weniger Probleme mit der Nullzeit.
Vor dem ersten Tauchgang im Kanal des Fakarava
Atolls gab es eingehende Instruktionen, wie die starke Strömung am Besten zu überleben sei. Wir wurden wie ein Christbaum mit Riffhaken und Sicherheitsgadgets
dekoriert, einschließlich eines Spiegelchens und natürlich einer Signalboje. Das Herzstück der ultimativen Sicherheit ist das persönliche EPIRB (Emercency Position
Indicating Radio Beacon) der Firma ACR, USA, das nach Aktivierung die genaue GPS-Position des abgetriebenen Tauchers an das Boot übermittelt. (Tauchunternehmen im
Roten Meer und den Malediven sollten sich ein Beispiel nehmen.) Was war der Sinn der Übung? Wir wollten die Haie sehen, je mehr je lieber, und wir wurden nicht
enttäuscht. Im Verlauf der Woche sichteten wir über 500 Haie, meistens Graue Riffhaie, die von einem Spezialisten an Bord akribisch genau in einer Statistik erfasst
wurden. In der Lagune wurde zunächst bei einem Checktauchgang die Ausrüstung und Tarierung geprüft. Das Wasser war erstaunlich klar und der Testtauchgang
entwickelte sich zu einen netten Erlebnis. Neben den farbenfrohen Falter- und Kaiserfischen sahen wir eine große Perlenauster, (Pinctada margaritifera) nicht
überraschend, denn die Tuamotus sind das Zentrum der Zucht der wertvollen schwarzen Perlen. Die Polynesier haben die delikate Kunst von den Japanern gelernt, welche
den Schmuck für über 100 Millionen US $ pro Jahr importierten. Die Perlenzucht ist eine ideale Industrie für die lokale Bevölkerung.
Alle Tauchgänge
sind Drift- oder Kanaltauchgänge, sofern es die Richtung der Strömung vom offenen Ozean in das Atoll zulässt. Bei umgekehrter Tide ist es nicht möglich in den
Kanälen zu tauchen. In dieser Situation wird am Außenriff, in der Nähe des Kanaleinganges, aber noch im Strömungsschatten getaucht. Alle Tauchgänge werden geführt und
von drei Tauchprofis begleitet. Das klingt nach Kindergarten, ist es aber nicht, denn die Situation und Sicherheit erfordern gute lokale Kenntnisse. Die extreme
Strömung, mit bis zu 7 Knoten, ist furios. Das heißt, dass bei 45 Minuten Tauchzeit, mit einer „moderaten“ Strömung von 5 Knoten, immer noch eine Strecke von
über 6 km zurückgelegt wird! Während dem Dekostop von 3 Minuten sind es zusätzliche 450 Meter. Im Kanal wird nicht geschwommen, sondern eher geflogen. Selbst im
Strömungsschatten flattern die Taucher wie Fahnen im Wind und es ist manchmal schwierig einen starken Brocken zu finden, der den Riffhaken zu halten vermag.
Die natürlichen Kanäle in die Atolle sind alle ähnlich geformt. Man taucht im offenen Meer ein gutes Stück seitlich vom Kanaleingang möglichst zügig auf 30 Meter ab.
Schon beim Abtauchen begrüßten uns einige neugierige Grauhaien. Dank der klaren Sicht konnte man bald die abfallende Wand erkennen. Dann ging es der Wand entlang
in Richtung Kanaleingang, wo die Strömung zunahm und die Haie im Blauen zu sehen waren. Manchmal waren es „nur“ 30, 40 Tiere, aber an mehreren Stellen
konnte man sie nicht mehr zählen. Leider war der Abstand doch zu groß, um die Szenen fotografisch eindrucksvoll umzusetzen. Nach etwa 15 Minuten löst man den Riffhaken
und es geht im Flug durch den Kanal zur nächsten Attraktion. Am Kanalende oder auch am Eingang zur Lagune, es kommt auf den persönlichen Betrachtungswinkel
an, vertieft sich der Meeresboden. In der quer durch den Kanal gebildeten Absenkung hat sich ein Korallenriff gebildet, das aber fast nicht zu erkennen ist, denn
es ist mit einem riesigen, dichten Schwarm von Schnappern (Lutianus gibbus) und Soldatenfischen (Myripristis melanosticta) zugedeckt. Darüber und im Schwarm kreuzen
etwa 6 Grauhaie, die unmissverständlich die unerwünschten Makrelen aus ihrer Speisekammer weisen. Ein Bild für Götter! Ein besonders Erlebnis bietet der
Tehere Kanal im Apataki Atoll. Auf halben Weg in die Lagune öffnet sich der Kanal. Es sieht aus wie ein großer Kreisverkehr. Im Kreisel befinden sich bis zu 120
prächtige, voll ausgewachsene Grauhaie. Sie drehen pausenlos ihre Runden und lassen sich dabei in der Strömung frisches Wasser durch die Kiemen sprudeln. Wir
beobachteten das Schauspiel für eine Weile am Riffhaken hängend, währendem die Strömung etwas nachließ. Auf ein Zeichen des Tauchführers schwammen wir in Richtung
Kreiselmitte und ließen uns von der Strömung erfasst mit den Haien treiben. Die Tiere öffneten den großen Kreis, den ihre Leiber bildeten und wir waren mitten drin.
Rund um uns nichts als Haie! Wir schwebten, mit Schmetterlingen im Bauch, wie ein Brautpaar, das nach der Trauung aus der Kirche kommend durch das Ehrenspalier des
Sportvereins schreiten muss.... Ein einmaliges Erlebnis der absoluten Spitzenklasse! Zu dumm, dass wir auf Rat der Tauchleitung die Kamera nicht mitgenommen
haben. Allerdings hatte dabei ein wagemutiger Profi mit seinem Amphibico Videogehäuse teures Wasser des Ozeans aufs Schiff mitgebracht.
Die Tauchgänge am
Außenriff sind etwas weniger Spektakulär. Haifütterungen sorgen für Action, und ermöglichen es Nahaufnahmen von den Haien zu schießen, um damit die unwissenden
Nachbarn zu beeindrucken. Am Tauchplatz Silverado werden auch ein gutes Dutzend der wunderschönen und selten gewordenen Silvertips (Carcharhinus albimarginatus)
angelockt. Zur großen Freude beobachteten wir an den meisten Tauchplätzen eine gute Anzahl der orangerot fluoreszierend, leuchtenden Flammenkaiserfische (Centropyge
loricula). Diese werden von den Aquarianern so heiß geliebt, dass sie anderswo längst ausgerottet sind.
Fazit
Wir waren unter 16 Amerikanern die
einzigen Europäer an Bord. Gute Englischkenntnisse sind neben Taucherfahrung zu empfehlen. Schönheit und Luxus hat seinen Preis. Um ehrlich zu sein: Es ist richtig
teuer, möglicherweise der teuerste Tauchplatz weltweit Am Ende steht die Frage, ob es das viele Geld wert war. Die Antwort in der Landesprache von Französisch
Polynesien: Non, je ne regrette rien! Wir bereuen nichts! Wenn wir es uns leisten könnten, würden wir nächstes Jahr wieder nach Tahiti reisen, aber nicht im
Februar, während der Regenzeit. Ach ja, ab etwa US $ 2700,- p.P. in der Doppelkabine kann man eine Woche Traumtauchen
realisieren...
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