|
Zwei Millionen Pixel trennen die aktuell vorgestellte SeaLife DC1000 von der noch lieferbaren Vorgängerin DC800, die wir im August 2008 auf den Malediven dem Praxistest
unterzogen. Die DC1000 durfte ihre Leistungen aber nicht in tropischen Meeren unter Beweis stellen. Im Schnorchelbereich und ohne Weitwinkel war ein wohl temperierter Pool gewählt
worden, für den Outdoortest mit Weitwinkelvorsatz ein kalter See mit 12°C Wassertemperatur. Die Bildergebnisse haben uns dann aber doch erwärmt.
Immer wieder erreichen unsere Redaktion die Anfragen nach der
geeigneten Einsteigerkamera, die den Geldbeutel nicht zu stark in Anspruch nimmt und dennoch Entwicklungspotential hat, sollte die UW-Fotografie zum neuen Hobby werden. Mehr
und mehr kristallisiert sich bei unserer Antwort ein Trend heraus, der das SeaLife – System bevorzugt ins Gespräch bringt. Warum, werden Sie fragen, dies als wichtige
Gründe: Auch wenn viele digitale Kompaktkameras der großen Labels mit einem Unterwassergehäuse ausgestattet werden können, fehlt im Programm zumeist das pfiffige Zubehör zum
akzeptablen Preis, das muss bei Fremdherstellern zugekauft werden. Da erreicht man schnell die Kostengrenze sinnvoller Weiterentwicklung. Da wäre noch der Spezialist Sea&Sea,
doch der Preis liegt höher und das neueste Modell sollte eher von engagierteren Fotografen in die Hand genommen werden, die über den Einstieg in die Fotografie generell schon
hinaus sind. Nicht allein aber auch orientiert an den praxisnahen Lösungen für die UW-Fotografie und attraktiv kalkuliert, hat sich SeaLife in den letzten Jahren ein
Alleinstellungsmerkmal herausgearbeitet. Wie bei allen SeaLife – Entwicklungen ist der Hintergrund des Konstrukteurs als aktiver Taucher und UW-Fotograf dafür
ausschlaggebend. Wie stets begleitet ein Modellzuwachs auch ein Update im Bereich der Auflösung, der Name deutet es an, die DC1000 zeichnet Bilddaten mit einem 10 Megapixel
– Sensor auf. Damit bewegt sie sich in der Oberklasse kompakter Digitalkameras. Prints in Postergröße oder Ausschnittvergrößerungen lassen sich nun in noch besserer Qualität
anfertigen, schwindet das Licht, setzt Bildrauschen erst später ein.
Die Kamera an Land
Handlich, schlank, im Westentaschenformat begleitet die DC1000
Fotoexkursionen über Wasser. Die Anordnung der Bedienelemente kann man fast als klassisch bezeichnen. Sie haben sich in den letzten Jahren, auch im Wettbewerb, so als ergonomisch
bestplatziert und funktionell belegt herausgestellt. Der Fünffach - Zoom von 37 – 185 mm (vergleichbar 35mm Kleinbildkamera) beginnt mit einem mäßigen Weitwinkel,
stößt jedoch in echte Telebereiche vor, ideal als Reportagekamera, mit der man auch weiter entfernte Motivdetails bildfüllend aufzeichnen kann. Zusätzlich kann das Zoom
auf digitalem Weg nochmals 5-fach verlängert werden. Das geht aber stets zu Lasten der Auflösung und sollte auf Einzelfälle beschränkt bleiben. Mit 2,7 Zoll Bilddiagonale gibt
sich der helle und kontrastreiche Monitor als gelungenes Kontrollzentrum. Eingeblendete Symbole zu allen möglichen Einstellungen und Betriebszuständen lassen sich gut ablesen.
Puristen können auf den grafischen Dialog verzichten und nur das Motiv am Bildschirm beurteilen. Kenner schalten sich noch ein Fensterchen mit dem Histogramm zu, zur Überprüfung
der Helligkeitsverteilung und Belichtung. Nur wenige Augenblicke benötigt die DC1000 nach dem Einschalten, um für Aufnahmen zur Verfügung zu stehen. Der neue Easy Setup Mode
kommt Anfängern oder Gelegenheitsfotografen entgegen, in nur drei Schritten wird durch die Einstellungsebenen geführt. Wie stets wählen wir als Format für die Bildaufzeichnung
die größtmögliche Einstellung, hier also 3648x2736 Pixel, So bleiben genügend Reserven für Ausschnitte oder hochwertige Prints. Die Auslöseverzögerung bei gut beleuchteten und
kontrastreichen Motiven ist recht kurz, sie liegt bei etwa 1/10 Sekunde. Dafür macht der Speichervorgang des großen Bildformats dem Computer etwas mehr Arbeit, für einen kurzen
Zeitraum bleibt der Bildschirm dunkel und zeigt dann für einen Moment das aufgezeichnete Bild. Möchte man schneller zum nächsten Schuss kommen, muss man die Auflösung reduzieren
und eine normale SD –Speicherkarte gegen eine schnellere SDHC – Karte tauschen. Empfohlen wird eine 4 GB-Karte, die Software der Kamera kann jedoch bis 16 GB
verwalten. Der interne Speicher mit 29 MB Kapazität hat eher marginale Bedeutung, ein Überbleibsel des von der Kamerasoftware nicht benötigten Platzes. Fotos werden im Dateiformat
jpg aufgezeichnet, Videos (mit Ton) – Größe 640x480 oder 320x240 Pixel – als avi. Diese Videofunktion ist ein nettes Gimmick für einen YouTube Spot oder eine eMail. Am
TV-Schirm hinterlassen die Szenen keinen bleibenden Eindruck. Im Landmodus regelt die Belichtungsautomatik die Aufnahmezeiten zwischen 1/10 Sekunde und 1/1500 Sekunde. Manuelle
Belichtungskorrekturen sind generell in 1/3 – Schritten um 2 Blenden plus/minus möglich. Auf dieses Feature kann man direkt auf Tastendruck zugreifen. Der
Autofocus stellt im Weitwinkelbereich ab 5 Zentimeter, im Telemodus ab 35 Zentimeter scharf. Einen Verwackelungsschutz hat die DC1000 nicht integriert. Aus 5 Presets wählt man
nach Bedarf einen geeigneten Weißabgleich, ein manueller Abgleich ist ebenso möglich, wie der vollautomatische. Wer der Kamera das Denken überlassen möchte, kann aus 11
Szenemodi eine dem Motiv angepasste Voreinstellung zuordnen. Natürlich belichtet die Kamera auch manuell oder mit „normaler“ Automatik. Von 64 bis 1600 ISO/ASA ist
der Empfindlichkeitsbereich ausgelegt.
Die Kamera unter Wasser
Warum die DC1000 mit einem Objektiv ausgestattet wurde, dessen Stärke aufgrund der langen
Brennweite über Wasser zu sehen ist, liegt wohl an der Verfügbarkeit dieses Zulieferteils am Markt. SeaLife fertigt Objektive und andere Komponenten natürlich nicht selbst und
orientiert sich an den Angeboten der Zulieferindustrie, die technisch, qualitativ und preislich zum Produkt passen. So ist das Objektiv mit einer Anfangsbrennweite von 37 mm ein
Rückschritt zum 28er des Vorgängermodells DC800, ergibt sich jetzt hinter dem optischen Planglas des Gehäuses eine Brennweite von knapp 50 mm, von Weitwinkelwirkung also keine
Spur mehr. Allerdings kann am Gehäuse der DC1000 nun wieder der Weitwinkelvorsatz SL970, gefertigt aus 3 Hochleistungslinsen, verwendet werden, der die Brennweite um 50% auf
gut 24 Millimeter verkürzt. Das ging bei der DC800 nicht. Jetzt hat man also wieder ein echtes Weitwinkelfeeling unter Wasser. Mit 4 Weißabgleich – Presets kompensiert
die DC1000 manuell den Farbverlust in unterschiedlichen Tiefen (bis 8 Meter, über 8 Meter) in grünem bzw. blauem Wasser. Diese Presets nutzt man bei manueller Steuerung der
Kamera. Alternativ kann man auch die 4 Unterwassermodi wählen, die neben dem speziellen Weißabgleich auch auf die Belichtung einwirken. Zusätzlich gibt es zur Flachwasser –
Farbkorrektur nun neu den Schnorchelmodus. Diese elektronischen Farbfilter haben sich bei früheren Tests recht gut bewährt, benötigen aber zur besten Farbentfaltung eine hoch
stehende Sonne, deren Licht in die Tiefe dringt. An bedeckten Tagen wirkt sich der Effekt nicht so deutlich aus. Das alles funktioniert nur ohne zugeschalteten Blitz und ist für
Totalen gedacht, die man ohnehin nicht mit eigenem Licht beleuchten könnte.
Das Gehäuse
Es gibt nur wenige Unterschiede zum Gehäuse zur DC800. Am deutlichsten
zeigen sich die vergrößerten Gummiflächen, die das Rutschen vermeiden sollen. In der Hand und abgelegt am Tisch ist das vorteilhaft. Fast alle Funktionen lassen sich durch
gefederte Taster von außen Bedienen. Nur die Schiebetaste für die Umschaltung von Video- auf Fotomodus und Ansicht des Bildspeichers wurde wieder eingespart. Unter Wasser gelangt
man daher nur indirekt über die Menuesteuerung in den Videomodus. Wie gewohnt legt man die Kamera einfach nur in den Body ein, eine Patrone mit Trockenmittel Silikagel findet
dabei in einer Aussparung unter der DC1000 platz. Der Dichtungsring ist groß dimensioniert, zuverlässig zieht der verriegelbare Verschluss den Rückdeckel ans Vorderteil.
Weitere Details siehe Testbeitrag zur DC8000 sealife_dc800
Der Blitz
Optional ist das System mit dem Blitz SeaLife Digital Pro Flash 961 aufzurüsten. Zwei
Blitze können über ein Glasfaserkabel angesteuert werden. Je nach Know How wird die Blitzbelichtung automatisch gesteuert, die manuelle Bedienung ist jedoch auch möglich.
Weitere Details in unserem Testbeitrag digitalblitz_seallife_961
Praxis
Wie erwartet und
bei SeaLife schon gewohnt, sind die Inbetriebnahme der Kamera und der Einbau ins Gehäuse kinderleicht. Zunächst wurde im Pool in Schnorcheltiefe ohne Weitwinkel gearbeitet. Die
Brennweitenverlängerung macht schon deutliche Abstände zum Motiv, etwa dem Schnorchelbuddy erforderlich um wenigstens eine halbe Figur abbilden zu können. Bei klarem Wasser
bereitet das optisch kein Problem. Der eingebaute Blitz tut sich aber hier schwer, so dass Motive im Nahbereich eher von seinem Licht profitieren. Ganz anders sieht es dann im
kalten See aus. Jetzt wurde die DC1000 mit dem Weitwinkelvorsatz bestückt, den man lediglich auf den Port kräftig aufpresst. Das kann man über wie unter Wasser machen. Jetzt kommt
man auch an größere Motive näher ran, der kleine Blitz der Kamera bekommt seine Chance und belichtet zuverlässig. Wirksam funktioniert die Trockenmittelpatrone und verhindert das
Anlaufen des Gehäuses. Allerdings führt der Weitwinkelaufsatz im kürzesten Weitwinkelbereich des Kameraobjektivs zu Vignettierungen, um diese zu eliminieren, muss man die
Brennweite minimal verlängern. Die Helligkeit des Monitors lässt die Motive auch in Konkurrenz zum Tageslicht gut beurteilen. Während der Auslöser eine große
Druckfläche bietet, ist die Taste für die Power zu verspielt ausgelegt, Finger in dicken Trockenhandschuhen fummeln hier herum. Die rückseitigen Tasten der Kamerasteuerung lassen
sich dagegen auch im extremen Umfeld unseres Tests gut handeln. Der Lithium – Ionen – Akku der Kamera erweist sich als Langläufer, den selbst niedrige Temperaturen
nichts anhaben können. Mit den Bildergebnissen selbst sind wir sehr zufrieden. Autofocus und Belichtungsautomatik arbeiten zuverlässig, manuelle Belichtungskorrekturen, die
diverse Motive stets verlangen, werden direkt und sicher durchgeführt. Selbst der interne Blitz erstaunt uns im Zusammenspiel mit dem Weitwinkelvorsatz und entsprechend verkürzter
Aufnahmeentfernung.
Fazit
SeaLife bietet mit der DC1000 für 499,- Euro ein Einsteigersystem im herausragenden Preis – Leistungsverhältnis.
Legt man noch 99,- Euro drauf, hat man das Weitwinkel mit im Paket. Ausbaufähig mit bis zu wie Blitzgeräten, wächst das System schnell über ein Einsteigermodell hinaus.
|