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STARTSEITE PRAXIS Praxis Inhalt Rotes Meer: Welcher Tauchanzug
© Michael Goldschmidt / UnterWasserWelt

by Robby Schropp 5.07

Robby Schropp © UWW

Robby Schropp hat sich als verantwortungsvoller Tauchausbilder in der Region Allgäu und am Roten Meer einen Namen gemacht. Seit vielen Jahren engagiert er sich für höchste Qualität bei Ausbildung, Tauchschulbetrieb und Tauchsafaris. Man trifft ihn im Jahresverlauf überwiegend in Hurghada oder auf einem der Safariboote, die er für sein Label iQ on Tour zu den schönsten Tauchzielen des Roten Meers auf den Weg bringt. Seine Erfahrungen rund um das Tauchsportgeschehen in Ägypten vermittelt er den Lesern von UnterWasserWelt in seinen Praxistipps. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual

und zu wissen welche Wahl dann letztendlich auch die Richtige sein wird, ist nicht immer einfach. Und die Entscheidung den richtigen Neoprenanzug für den bevorstehenden Urlaub zu treffen stellt viele Taucher immer wieder vor innere Konflikte.


Verunsichert durch die Vielzahl der auf dem Markt angebotenen Anzüge und der dazugehörigen Werbung taucht immer wieder die Frage nach dem richtigen Neopreanzug auf. Reicht ein 3 mm Anzug oder ist der 5 mm Anzug doch besser? Und kann ich einen 7 mm Anzug gänzlich für meinen Urlaub im Süden ausschließen?
Sicherlich lockt das bequeme An- und Ausziehen eines 3 mm Anzuges und nicht selten ist das der Grund, warum sich ein Taucher für den dünnen Anzug entscheidet. Auch farblich ist das Angebot bei Tropenanzügen natürlich einzigartig. Nur allzu oft erlebe ich, wie gerade diese beiden Kriterien die Taucher verleiten sich für den „dünnen Anzug“ zu entscheiden. Ob sie damit aber während ihres Urlaubes auch glücklich werden hängt von ganz anderen Umständen ab.
Von Reiseprospekten oder Veranstaltern vorgeschwärmte Wassertemperaturen von 28° - 30° Celsius lösen in jedem Europäer ein „Wonnegefühl“ bis hin zu Brunftschreien aus. Kaum vorstellbar in derart warmen Wasser zu frieren. Doch wie sieht denn die Realität neben dem Wunschdenken tatsächlich aus?
Wir leben mit einer Körpertemperatur von ca. 36,5 Grad. Diese Wärme braucht unser Körper mit seinem vegetativen Nervensystem um reibungslos funktionieren zu können. Darum ist das erklärte Ziel auch beim Tauchen sicherzustellen, dass unsere Körpertemperatur möglichst bei diesem Wert gehalten werden kann.
Bereits kleine Abweichungen davon lösen großes Unbehagen aus. Dies gilt sowohl bei einer Veränderung der Temperatur nach unten als auch nach oben. Die Verschiebung nach oben kennt nahezu jeder aus der Zeit einer Erkältung mit Fieber, einer ganz normalen Abwehrreaktion des Körpers. Die Veränderungen nach unten sind hingegen nur teilweise nachzuvollziehen. Neben all den medizinischen Aspekten einer Unterkühlung bis hin zum Bewusstseinsverlust kennt jedoch jeder das Gefühl zu frieren.
Wasser leitet die Wärme wesentlich schneller und intensiver aus dem menschlichen Körper ab als Luft. Das haben wir alle bereits im ersten Tauchkurs gelernt. Darum schützt sich der Taucher durch einen Neoprenanzug vor dem Wärmeverlust. Die Einstufung eines Neoprenanzugs nach seiner ausgewiesenen Stärke ist hierbei allerdings nur teilweise richtig. Denn es kommt ausschließlich auf die Qualität des Neoprens an. Von außen nicht sicht- und spürbar entscheidet allein die Menge der pro cm² im Gummi eingeschlossenen Mikrobläschen aus Luft über die Isolationsfähigkeit des Anzuges. Somit ist die Wärmeempfindung des einen 3 mm Anzug unter Wasser nicht gleich der eines anderen Anzuges gleicher Materialstärke. Was darüber hinaus alles noch aus werbetechnischen Gründen an technologischen Wunderleistungen bei der Beschreibung eines Anzuges aufgelistet wird ist nicht immer glaubhaft nachvollziehbar.
Einen äußerst wichtigen Punkt darf man aber bei der Wahl des richtigen Anzuges niemals außer Acht lassen, und da sollte jeder Taucher sehr ehrlich zu sich selbst sein: Wie viele Tauchgänge stehen denn während des Urlaubs tatsächlich an? Es ist immer wieder festzustellen, dass am Urlaubsbeginn jeder Taucher glücklich ist mit seinem Anzug. Doch nach zwei bis drei Tagen mit mehreren Tauchgängen täglich ist klar erkennbar, dass der Taucher zu frösteln beginnt und nach weiteren zwei Tagen sogar frierend aus dem doch so warmen Wasser steigt.
Der Grund hierfür liegt darin, dass das Wasser dem Körper trotz des Schutzes durch den Anzug Wärme entzieht. Dieser Wärmeverlust addiert sich über die Menge der unter Wasser zugebrachten Zeit auf und kann auch bei wirklich warmen Wetter an der Oberfläche nicht mehr so schnell ausgeglichen werden. Und somit wird der beim ersten Tauchgang so „warme“ Anzug mit jedem weiteren Tauchgang das Frieren nicht mehr verhindern können.
Sicherlich gibt es Taucher die schneller oder weniger schnell frieren. Ausnahmen bestätigen im Leben grundsätzlich die Regel. Aber Fakt ist nun mal, dass auch wir unsere Gesundheit respektieren und schützen sollten. Und hierzu gehört eben nun mal dass wir unseren Körper nicht durch ständiges Frieren (Unterkühlung) schädigen.
Aus diesem Grund hat sich über jahrzehntelange eigene Erfahrung und Beobachtung von hunderten von Tauchern ganz klar herauskristallisiert, dass sich ein 5 mm Anzug während der Sommermonate (Mai bis Oktober) bestens bewährt hat. Für Taucher, die leicht zum Frieren neigen, sogar ein 5 mm Halbtrockenanzug. Und für den Spätherbst und Winter darf es ohne Scheu ein halbtrockener 7 mm Anzug sein. Und auch hier wiederum für die Kollegen, die es gerne angenehm warm haben, sogar ein Trockentauchanzug
Und noch ein Tipp: Ein besonders hoher Wärmeverlust findet über die Kopfhaut statt. Und diesen Bereich schützen wir in den „so warmen Gewässern“ meistens nicht!

Abschließend noch mein Rat. Mit einem wirklich passenden Anzug und etwas Übung beim An- und Ausziehen kann man die ganze Konzentration der Überlegungen lediglich auf den Sinn und Zweck eines Neoprenanzuges richten – und das ist nun einmal nicht zu frieren und die Tauchgänge genießen zu können.

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