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Apnoe (sprich Apnö), die Kunst des atemlosen Tauchens, gewinnt immer mehr Anhänger. Meistens sind es Schnorchler, die einmal den Kick der Tiefe
erleben wollen oder aber Genusstaucher mit ordentlicher Kondition, die ohne Geräteballast an Riffen und Steilküsten abtauchen wollen. Auch bekannte UW-Fotografen bedienen sich
dieser Tauchtechnik, wenn sie Wale und Delfine fotografieren oder auch in Gebieten ihre Aufnahmen machen wollen, wo Tauchen verboten, aber Schnorcheln erlaubt ist. Nicht zuletzt
gilt Apnoe wegen seiner gerätelosen Technik als die umweltfreundlichste und umweltschonendste Tauchtechnik. Übergepäck am Flughafen? Das kennen Apnoeisten nicht.
Die Geschichte des Apnoe begann im Grunde genommen schon vor dem 2. Weltkrieg, als Amerikaner und der legendäre Unterwasserforscher Hans Hass an der Cote D`Azure beim Speerfischen
viele Meter tief tauchten und für die damalige Zeit sehr lange (über 2 min) unten blieben. Urgesteine der Szene waren die Apnoeisten Enzo Maiorca (Italien) und Jacques Mayol
(Frankreich), die sich erbitterte Gefechte um die größte Tiefe lieferten. Die beiden wurden zu Vorbildern der Mitwirkenden in Luc Bessons grandiosem Film „Im Rausch der
Tiefe“. Enzo Maiorca beschreibt die Sucht nach der Tiefe ohne Atemgerät mit dem Wusch wieder nach oben zu kommen. Rekorde, die sich mit dem Aufsuchen großer Tiefen
beschäftigen, sind immer eine Gratwanderung zwischen Leben und Tod. In der Tiefe beginnt der Kampf um die Rückkehr ins Leben, das Ringen um die Atemluft, die Sehnsucht nach der
Sonne. Echte Apnoeisten sind hochtrainierte Sportler, Ausnahmeathleten und mitunter auch etwas verschroben und esoterisch angehaucht. Den Extremen unter ihnen sagt man sogar nach,
dass sie eine ausgeprägte Sehnsucht nach Tod und Stille haben und am liebsten für immer auf dem Meeresgrund bleiben würden...wenn sie Kiemen hätten. Apnoeisten sind
physiologische Phänomene. Eigentlich dürften die meisten von ihnen nicht mehr leben, denn nach Auffassung von Medizinern in den 70er Jahren, hätte bereits eine Tiefe von 50 m zum
Tod führen müssen. Die Lunge verkleinert sich durch den Wasserdruck (6 bar) überproportional, Blut sollte angeblich in diesen Hohlraum fließen und das Ende einleiten. Dem ist wohl
nicht so. Denn mittlerweile liegt der Apnoe-Tiefenrekord in der Extremdisziplin „No Limit“ bei 172 m, gehalten von Herbert Nitsch. Unglaubliches vollbrachte jüngst bei den
Damen Tanja Streeter. Sie steigerte die absolute Tauchtiefe mit variablem Gewicht (Aufstieg mit eigener Flossenkraft) auf unfassbare 122 m. Noch immer kann die Medizin darauf
keine schlüssige Antwort geben. Und auch die Athleten nicht. Sie bereiten sich jahrelang mit Joga und Konzentrationsübungen auf den Tag X vor. Den Rekord im statischen Zeittauchen
hält der Deutsche Tom Sietas mit 8 min 58 s. Diese Zahl muss man zweimal lesen, um sie zu kapieren. Welchen Weg die Apnoe-Rekorde gehen werden, ist unklar. Apnoegeschichte
schrieb der 34 jährige Patrik Musimu, Sohn einer Belgierin und eines Afrikaners am 30. Juni 2005 bei der ägyptischen Insel Abu Ramada. Er füllte seine Sinushöhlen mit Wasser, um
den Druckausgleich zu umgehen und ließ sich mit einem Schlitten auf sensationelle 209 m hinabtragen. Nach 3 min 45 s hat er den tiefsten Apnoetauchgang der Geschichte hinter sich
gebracht. In der Freitauch-Szene wird diskutiert, Ärzte bezweifeln seine Theorie, aber der Computer, ein Suunto D9 war unbestechlich. Er musste jedoch nach dem Event in eine
Klinik eingeliefert werden – er zeigte Symptome eines Dekounfalls. Apnoe soll aber nach dem Weltverband der Apnoeisten AIDA nicht nur als
Rekorddisziplin verstanden werden, sondern als Freizeitsport, mit dem man sich die Schönheiten des Meeres elegant und geräuschlos ertaucht. Das im Kosmos-Verlag erschienen
Buch, ISBN -13: 978-3-440-10457-6, ist eine Mischung aus Bildband und Krimi. Ein Thriller, den man vor Begeisterung in einer Nacht durchlesen kann. Oder an einem regnerischen
Sonntag.
Autor: Robert Margaillan Titel: Apnoe - mit einem Atemzug in blaue Tiefen Verlag: Kosmos Preis: € 29,90 ISBN: 3-440-10457-5
Abbildungen: 250 Farbfotos Ausstattung: Gebunden mit Schutzumschlag Umfang: 144 Seiten Format: 26 cm x 28 cm Erscheinungsdatum: September 2005
www.kosmos.de
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