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Ein schweres Geschütz fährt Poseidon mit dem von UnterWasserWelt getesteten Bundle auf: POSEIDON BeaSea W100 Power Wing mit Backplate
BeaSea und Harness „semicontinous loop“ – ein puristischer Auftriebsriese hoher Qualität. Die Zielgruppe eines solchen Wings liegt deutlich
bei fortgeschrittenen Sporttauchern, die regelmäßig auch heimische Gewässer aufsuchen und im Umfeld von Tec - Tauchern.
Angesichts der
qualifizierten Zielgruppe verzichten wir bei unserer Zusammenstellung einzeln zu bestellender Komponenten auf „überflüssigen Schnick-Schnack“ wie Polsterungen,
genähter (und dadurch die Größenvariabilität limitierender) Harness, Taschen und weiterer wahlweisen Teile. Wohlgemerkt, wer Zubehörtaschen für Masken, Messer und
dergleichen benötigt, kann diese ordern und leicht auf die Harness fädeln. Dies eben ist der große Vorteil modular aufgebauter Auftriebssysteme. Auch sind verschiedene
Harness - Varianten möglich, vom komplett durchlaufenden Bandmaterial (continous loop) bis hin zu komfortabel gepolsterter Harness Sport. Jeder kann sich seine
persönliche Konfiguration nach den Anforderungen geplanter Tauchgänge zusammenstellen, all das unter Einsatz robuster Technik und strapazierfähiger Materialien.
Zusätzliche Polsterungen bedingen allerdings auch einer zusätzlichen Menge an Blei und so zeigen wir uns hier einmal sparsam. Mit Erfolg, denn das POSEIDON BeaSea W100
Power Wing mit Backplate BeaSea und Harness semicontinous loop bedarf bei einem angesetzen Doppel 7 Tauchgerät lediglich zwei Kilogramm zusätzlichen Bleis, trotz
Trockentauchanzug mit Unterzieher mittlerer Stärke. Hintergrund dieser Überlegung ist, bestens austariert bei optimalem Tauchkomfort bei minimalem Materialaufwand
unterwegs zu sein, denn das gesamte Tauchequipment ist schließlich nicht nur aus dem Auto zu wuchten, sondern auch noch bis ans Wasser zu transportieren. Hier lohnt
sich die sparsame Rechnung allemal.
Sicher kann darüber gestritten werden, ob es wirklich nötig ist, mit einer solch stattlichen Wingblase zu tauchen. Oft wird
hier gerade von DIR Tauchern eine äußerst minimalistische Schiene gefahren. Es mag sein, dass knapp 80 lbs Auftrieb selbst für größere Doppelgeräte üppig sind,
bedenken wir aber den „worst case“, beispielsweise eine out-of-air Situation des Tauchpartners, so kann es sicher nicht falsch sein, eine solch gewaltige
Auftriebsreserve mit sich zu führen. Im Buddyteam sollte das Equipment jedes einzelnen so ausgelegt sein, dass eine Hilfestellung ohne eigene Gefährdung jederzeit
möglich ist.
Betrachten wir die Einzelkomponenten einmal genauer.
POSEIDON BeaSea W100 Power Wing In der Außenblase befinden
sich eingearbeitete Bungees, bei POSEIDON sogenannte „Clam Retract TM“, die dafür sorgen, dass die in der Blase befindliche Luft zügig entweicht, ohne dass die
sonst meist außen umlaufenden Bungees eine Gefahr des Verhängens (beispielsweise beim Wracktauchen) darstellen. Der Inflator ist aus gummiummanteltem Edelstahl
gefertigt, was bewirkt, dass dieser Abtrieb hat. Am langen Faltenschlauch hängt der Inflator somit in fast jeder Tauchlage stabil und griffbereit vor der Brust des
Tauchers – ein nicht zu verkennender Sicherheitsaspekt. Oberhalb des Faltenschlauchs befindet sich lediglich ein „Ellbogen-Inflator“, da beim Technischen
Tauchen auf überflüssige Fehlerquellen (etwa nicht funktionierende Ventile) bewusst verzichtet wird.
Der Auftrieb beträgt stolze 79,3 lbs / 36kg / 353 N, max. 2
x 22 Liter Stahlflaschen laut Herstellerangabe können hiermit sauber austariert werden. Die Außenblase des Power Wing besteht aus strapazierfähigem 1000 DEN Ballistic
Nylon. Sollte dennoch ein Leck in der PE-Blase sein, so lässt sich dieses je nach Größe selbst mit Flickmaterial oder mit ein paar Tröpfchen aquashure leicht
reparieren. Im Extremfall wird die Innenblase komplett getauscht. Ein erheblicher Vorteil gegenüber herkömmlichen, oft einschaligen Tariersystemen.
Backplate BeaSea Die Edelstahl - Backplate hat ein Gewicht vom 2,5 Kilogramm, somit kann man auch diese in die persönliche
“Blei-Rechnung” einfließen lassen. Die Kanten sind sauber gearbeitet. Kein Regelfall, denn bei den vermeintlich preiswerten Backplates mangelt es oft an
der Qualität des Stahls oder aber an der Verarbeitung. Rasch durchgescheuerte Harness sind die Folge. Schlitzungen und Bohrungen sind selbst für individuelle
Konfigurationen reichlich vorhanden und dürften keine Wünsch offen lassen. Da die Backplate relativ gerade mit nur geringer Krümmung und ohne nennenswerten Falz
verläuft, ist es nicht möglich, eingegossenes Blei direkt auf die Platte zu geben, hier sollte also bei Doppelgeräten auf das gute alte V-Weight zurück gegriffen
werden.
Advanced Harness semicontinous loop Die Harness, die in diesem Test beurteilt wird, ist bewusst puristisch, ohne aber auf Komfort zu
verzichten. Polsterungen, Taschen, all das lassen wir hier außen vor. Jedoch ist es nicht jedermanns Sache, sich in eine fix eingestellte Harness zu
zwängen. Spätestens beim Auslassventil des Trockenanzugs wird es knifflig. Hier kommt der Vorteil des semicontinous loop zum Tragen. Mögliche Fehlerquellen wie
bei üblichen Fastexschnallen werden weitestgehend vermieden. Lediglich am Brustgurt, an der linken Seite des Schultergurts, befinden sich je eine Fastexschnalle. Die
linke Fastexschnalle erleichtert das Ausziehen des Gerätes, ohne sich schlimmstenfalls das Auslassventil des Trockis abzuscheren. Erhältlich ist die Harness in den
Größen XXS - XXL. Grundsätzlich wird sie in voller Länge geliefert und dann selbst gefädelt und individuell gekürzt. Dies sollte selbstredend nur unter Kontrolle mit
angezogenem Anzug plus Gerät geschehen. Wechselnde Unterzieher sind zu beachten und gegebenenfalls Reserven einzurechnen. Fädelt man die Harness ohne
Gurtstopper am Bauchgurt, so kann diese Anpassung dann jeweils beim Anziehen geschehen.
Praxis In der Praxis zeigt sich das BeaSea W100
Power Wing, wie es sich für ein Wing gehört, das selbst höchsten Ansprüchen technischer Taucher gerecht werden muss. Der Inflator befüllt zügig die Blase, die
Auslassventile lassen schnelles, aber auch feinfühliges Tarieren im Flachbereich zu. Ist die Harness gut angepasst, zwackt und drückt nichts. Durch den Schrittgurt
werden auch schwere Doppelgeräte spurgerade am Rücken gehalten. Zusätzliches Trimmblei ist nicht nötig, da keinerlei Polsterung für ungewollten Auftrieb bzw. falsche
Trimmung sorgen. Der immer wieder heftig diskutierten, wingtypischen Neigung nach vorn kann man leicht durch eine andere Technik entgegen wirken, in dem man sich
leicht auf den Rücken legt. Wer vorher bereits Wings getaucht hat, führt dies vermutlich schon automatisiert durch. Da aber Freiwasseraufstiege mit dieser Art von
Equipment wohl eher selten sind und die hauptsächlichen Kunden in den Reihen der Süßwassertaucher zu suchen sind, dürfte dieses Thema nicht wirklich relevant sein.
Ist die Harness wie oben beschrieben ohne Gurtstopper montiert, so kann durch Anziehen der Bauchgurte die Länge der Tragegurte reguliert werden. Wechselnde Anzüge bzw.
unterschiedliche Unterzieherstärken, je nach Witterung und Tauchgang, sind hier also nicht mehr durch mehrere Jackets zu beantworten (bei den meisten Jackets ist der
Spielraum der Größen durch die Art der Begurtung relativ gering).
Fazit Der vordergründig höhere Preis hat seine Berechtigung. Hochwertige
Materialien und gute Verarbeitung sind auf Langlebigkeit ausgerichtet, austauschbare Komponenten ersparen eine komplette Neuanschaffung, sollte sich das Tauchverhalten
oder Einsatzgebiet ändern. So sollte man den Faktor Lebensdauer und Flexibilität in seine Preis – Leistung - Berechnung mit einbeziehen.
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