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Der „Ladykiller“ unter den Apnoesportlern zeichnet ein gefühlvolles Bild seiner Persönlichkeit, erlaubt den Lesern Dinge zu erfahren, die zu hinterfragen man erst nach
einer längeren Lektüre gewagt hätte. Offen und ohne Distanz schildert Pelizzari seinen Weg, der ihn zum Apnoesport führte. Mit entscheidend für seine erfolgreiche Karriere war
sein Wehrdienst, der ihm genügend Zeit ließ in den Gewässern vor Elba zu trainieren.
Voller Bewunderung schildert er seine Begegnungen mit Jaques Mayol, dem Altmeister
des Tieftauchens ohne Atemgerät, erzählt, wie er mit den legendären Feuerwehrtauchern der Insel trainierte und schließlich mit Teilen der Crew aufs Meer hinausfuhr, die bereits
Mayol unterstützt hatte. Dem Leser wird bewusst, dass neben der persönlichen Faszination des ungezwungenen Aufenthalts unter Wasser auch ein diszipliniertes Training notwendig
ist um schließlich in allen drei Apnoedisziplinen bemerkenswerte Weltrekorde zu markieren. Nahe gehen die Erinnerungen Pelizzaris, die er zu jedem Rekordtauchgang bewusst
festgehalten hat um sich selbst darüber klar zu werden, was mit ihm ab dem Moment des Abtauchens in unglaubliche Tiefen geschieht. Er ist sich im Verlaufe seiner Karriere auch
nicht zu schade einen alten Rekord nachzustellen, den im Rahmen einer Ankerbergung ein griechischer Taucher 1913 nur mit Badehose bekleidet und einem Stein als Abstiegshilfe
ausgerüstet, „unfreiwillig“ aufgestellt hatte. Nach intensivem Training tauchte Pelizzari 1998 100 Meter tief, ohne Anzug, ohne Flossen, nur mit einem 7 kg schweren Stein
als Abstiegsgewicht. Zurück an die Oberfläche musste er sich mit eigener Kraft bringen. Auch sein Verhältnis zu Pipin scheut er nicht anzusprechen, ist doch bekannt, dass
dieses lange Zeit nicht als besonders gut bezeichnet werden konnte. Bei den Dreharbeiten zum Film „Oceanmen“, in dem Pelizzari und Pipin eine gewichtige Rolle spielen, sind
sich die beiden Protagonisten am Set bewusst so gesteuert nie begegnet. Allerdings bleibt Umberto Pelizzari dem Leser eine plausible Hintergrundsschilderung schuldig, die das
gespannte Verhältnis beider Tiefenrekordjäger transparent gemacht hätte. Erst der tragische Tod von Audrey Mestre, Pipins Frau, im Verlauf eines Weltrekordversuchs, bewirkt eine
zurückhaltende Annäherung der beiden. Immer wieder erscheint Jaques Mayol in den Kapiteln und es wird klar, welchen großen Einfluss dieser auf Pelizzari hatte, der, der ihm
riet beim Training auf Uhr und Tiefenmesser zu verzichten um den Kopf frei zu haben für das Gefühl auf sich allein gestellt unter Wasser zu sein. Der Freitod von Mayol, der
nach dem Tod seiner Frau zu schweren Depressionen neigte, erschüttert Pelizzari sehr und er benötigt einige Zeit sich mit dieser Situation abzufinden. Ein Wanderer zwischen den
Welten, der überall auf den Meeren dieses Planeten nach den Erfahrungen im Apnoetauchen sucht, erklärt sich Umberto, der doch stets auf seine Insel Sardinien zurückkehrt um
interessierten Schülern in seiner Akademie das Tauchen mit angehaltenem Atem lehrt.
Fazit
„Schwerelos in blauer Tiefe“ zeichnet ein sehr nahes jedoch
nicht zu sehr in die Tiefe der Persönlichkeit von Umberto Pelizzari eindringendes Bild eines sympathischen Apnoesportlers. Es vermittelt seine Erfahrungen auf dem Weg zu seinen
spektakulären Rekorden und danach zu einem Leben, das ihn als Apnoe – Lehrmeister mit wirklich weltweiter Erfahrung ernährt. An manchen Stellen ist die Übersetzung aus dem
Französischen etwas ungenau, wohl auch, weil spezifisches taucherisches Hintergrundwissen fehlt. Wer generell ein Anleitungsbuch für Apnoetechniken sucht, würde bei dieser
Publikation nicht entsprechend bedient.
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