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Mit allradgetriebenen Fahrzeugen machen wir uns auf den Weg. Mitten in Deutschland. „Anders kommt man nicht zur sagenhaften
Naabquelle“, versichert unser Führer. Er muss es wissen, schließlich liegt der Quelltopf auf seinem Grund und Boden. An einer Furt müssen wir halten. Der
Untergrund ist schon bedenklich schwammig. Die Sonne knallt wie ein Brennglas vom Himmel, Mückenschwärme lauern im Unterholz. Das kann ja heiter werden.
Von der
Furt bis zur Naabquelle sind es gut und gerne fünf Kilometer quer durch den Wald. Durch einen Wald, der eher einem Dschungel gleicht. Überall riesige Farne, gefallene
Baumriesen, feuchtes Moos, Bruchholz und Dornengestrüpp. Der Ursprung der Naab ist weitab der Zivilisation, von Unkundigen so gut wie nicht zu finden. Und das merkt
man. Hierher kommen außer Marder, Fuchs und Has, einigen Rehen und Schwarzwild keine anderen Besucher. Wir befinden uns in der bayerischen Oberpfalz nahe dem Ort
Tirschenreuth und doch hat man hier das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Der uns entgegensprudelnde Quellbach mit seiner sagenhaften Transparenz lässt ahnen, was für
ein Wasser uns erwartet.
Beschwerlich ist der Weg ins Paradies. Hinzu kommen das Tauchgepäck, die Kameras, der Bleigurt und Myriaden von Schnaken und Bremsen.
Am Amazonas dürfte es kaum schlimmer sein. Als sich der Wald lichtet, liegt ein Kleinod vor uns. Die mysteriöse und geheimnisvolle Naabquelle, von deren Existenz man
nicht einmal etwas aus bayerischen Landschaftsbildbänden erfährt, darin getaucht haben soll noch nie ein Mensch vor uns. Gibt`s das in einem Land mit über 80 Millionen
Einwohnern, mitten in Europa? Wir können den Anblick kaum fassen. Die Farbe des Wassers gleicht einer eigenartigen Zusammensetzung, ist türkis, blau, grün oder einfach
eine Mischung aus all diesen Colorierungen.
Als ich im Trockentauchanzug in die eiskalten Fluten gleite, öffnet sich meinen Augen ein riesiger Quelltrichter
mit bizarren Pflanzen und versunkenen Bäumen. Die Sicht beträgt gut und gern 50 m, am Seegrund sprudeln Quellen, Forellen zischen durch das Wasser, Flussbarsche,
Döbel, eine Goldforelle, Rotaugen und Hasel ziehen schwarmbildend durch den Kessel. In der Uferzone springen Frösche hinein und heraus, Muscheln und Schnecken
bevölkern die Pflanzenstängel, im hinteren Teil des Quellsees liegt eine Biberburg wie eine Insel in der Zeit. Deutscher Urwald wie es ihn nur noch selten gibt.
Märchenhafter Fluss
Die Naab wird aus mehreren Zuflüssen gespeist, die alle irgendwelchen großen oder kleinen Quellen entspringen Wirklich tauchen kann man aber nur in dem als
Seeweiher oder Fichtelsee bezeichneten Quelltopf bei Tirschenreuth. Schon seit langen ist die gesamte Naab (vom Ober- bis zum Unterlauf) ein Naturschutzgebiet, in dem
Tauchen verboten ist. Die in diesem Artikel präsentierten UW - Aufnahmen waren nur machbar im Rahmen eines Filmprojektes über die Naab, zu dessen Durchführung es für
das Filmteam und den Standfotografen Ausnahmegenehmigungen gab. Wer in der Naab tauchen will, muss also dokumentarische oder ökologische Gründe nachweisen. Diese etwas
restriktive Behandlung von Tauchanträgen hat der Naab bis heute ihr unverwechselbares und urtümliches Gesicht bewahrt und sie zu einem aus biologischer Sicht
unverwechselbaren Kleinod gemacht. Auch Motorbootfahren ist untersagt, lediglich Angeln ist erlaubt.
Der Fischreichtum der Naab ist Legende. Waller von über 2
m Länge, Nasenschwärme, Flusshechte, Zander, Forellen, Barben, Karpfen und Schleien wechseln mit Quappen, Rotfedern und Laubenschwärmen. An den Ufern der Naab leben
Eisvögel, Biber, Störche und viele Entenarten. Raubvögel wie den Milan kann man sichten, Edelkrebse und die überaus seltenen Flussperlmuscheln finden. Die Naab ist ein
einziges großes Biotop, wie man es in Mitteleuropa nur noch selten findet. So gilt das Umfeld der Naab als größtes Orchideenrefugium Deutschlands. Und wo der Fluss zur
Legende wird, ranken sich Geschichten und Sagen. Noch immer soll in der Naab ein Fisch „halb Karpfen halb Hecht“ mit Goldenen Schuppen umherschwimmen. Wem es
gelingt ihn zu fangen, findet in ihm den Schlüssel zu einer Schatztruhe, die zwischen Pfreimd und Naabburg verborgen sein soll..
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