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Außenseiter mit hohen Qualitäten
Soll man in der heutigen Zeit noch eine anloge UW-Kamera kaufen, wo doch alle Welt vom digitalen
Rausch befallen ist? Sea & Sea war zumindest mutig genug, eine neue Fotokamera für anspruchsvolle Gelegenheitsfotografen auf den Markt zu werfen. Um Jahre zu spät
oder gerade richtig? Herbert Frei gibt Antwort auf eine Frage, die immer wieder gestellt wird.
Analoge UW-Kameras scheinen ihre Götterdämmerung ad
hoc zu erleben. Der Markt dieser Fotogeräte bricht geradezu ein. Nicht, weil sie über Nacht schlecht geworden wären, es ist einfach trendy digital zu fotografieren.
Die Ergebnisse sind eher zweitrangig. Schließlich kann man den Speicher wieder leer räumen, wenn es einen dazu gelüstet und die Bilder gar zu grausig geworden sind.
Das geht mit der analogen Motormarine III nicht. Hier hat man es mit einem Gerät zu tun, das einen fotografisch etwas fordert. Man sollte schon wissen, welchen
Einfluss die Blende hat und wozu die Verschlusszeit da ist. Aber ist das heute noch schick und wichtig? Geht die Welt der UW-Fotografie nicht eher in eine Richtung, wo
sich Nichtwissen mit dem Stolz auf eine nicht erbrachte Leistung vereinigt? Die Käufer der MM III sind zumindest andere Leute. Wer sich diese UW-Kamera zulegt,
will mehr als nur abdrücken. Und er will auch mehr als bloße Erinnerungen vom Meeresgrund mitbringen. Richtig belichtet und halbwegs ordentlich gestaltet sollten die
Bilder schon sein. Schließlich drückt die MM III das Girokonto eines Normalverdieners an des Rand des Dispokredits. Und auch die Filme, vorwiegend rasiermesserscharfe
Dias, wollen mehr als nur heruntergeknipst sein. Echte UW-Fotografie heißt das Credo dieser Kamera, die in ihrer Gesamtheit wohl einzigartig dastehen dürfte.
Vermutlich die letzte ihrer Art. Ein Fossil mit unglaublichen Leistungsqualitäten und einem Equipment, dass man die Engel im Himmel singen hört, selbst wenn man in der
Hölle wohnt.
Konzept
Echte Amphibienkameras sind selten. Gebaut werden sie im Prinzip nur noch vom japanischen Hersteller Sea & Sea.
Bemerkenswert mag sein, dass alle amphibischen Kameras analog, also mit Film, arbeiten. An die Produktion einer echten Digital - Amphibienkamera hat sich aus diversen
Gründen noch kein Hersteller getraut. Bis auf eine Ausnahme: Die Digitalkamera Aquapix DX-3100 mit 3,1 Megapixel versucht vorerst als einzige auf dem wasserdichten
Sektor Fuß zu fassen. Gegen die Bildqualität der MM III ist sie hingegen ohne Chance. Wer unter Wasser auf extreme Schärfe und Farbintensität Wert legt und eine
kleine und leichte Fotogerätschaft mit hohem Ausbaupotential sucht, kommt zur Zeit an der Motormarine III nicht vorbei. So intensiv und angestrengt er auch suchen mag.
Firmenphilosophie ist das fest eingebaute Basisobjektiv, das Leckagen und Montageirrtümer an dieser Stelle konstruktionsbedingt verhindert. Über die Weitsicht und
Cleverness der Japaner kann man nur staunen. Die gehäuseintegrierte Optik ist ein 1:3,8/20 mm Weitwinkel, das auch überwassertauglich ist. Mit diesem Objektiv, welches
über einen ergonomisch an der Frontseite sitzenden Entfernungseinstellhebel mit einem Schwenk von unendlich auf 0,6 m eingestellt werden kann, bekommt der Käufer eine
wunderbare und praxisorientierte Brennweite bereits in der Grundausstattung mitgeliefert. Schade nur, dass Sea & Sea sich nicht von der alten Rechteckblende
verabschiedet hat. Diese passt eigentlich nicht mehr in das moderne Konzept dieser Kamera, weil damit die optischen Reserven der Linsen nicht voll genutzt werden
können. Die ganze Kamera macht einen hochwertigen und stabilen Eindruck; so ganz anders als die alte MM II-EX, bei der man nie so richtig wusste, wann und wo eine
undefinierte Leckage auftreten wird. Eingeschaltet wird die MM III über einen Drehhebel am Auslöseknopf, der so stramm geht, dass ein versehentliches Aktivieren, etwa
in der Reisetasche oder im Koffer kaum möglich ist. Mit dem Einschalten der Kamera erscheinen auch die Hinweise auf dem oberseitigen Display über Batteriezustand,
Bildanzahl, eingelegten Film und der Verschlusszeit. Wird der Rückdeckel geöffnet und wieder geschlossen, obwohl sich noch ein Film in der Kamera befunden hat, fängt
das Bildzählwerk wieder bei eins an zu zählen. Das Blendenrad, von 3,8 bis 22, kann mit dicken Handschuhen bedient werden. Eine höhere Lichtstärke als 1:3,8 ist
nicht erforderlich, weil es sich um keine SLR handelt, durch deren Objektiv man das Bild beurteilen muss. Der externe Sucher ist groß und übersichtlich, diverse
Leuchtdioden informieren über den Belichtungszustand und die Blitzbereitschaft eines montierte Blitzgerätes. Logisch und sinnvoll ist es, an der MM III den speziellen
Viewfinder zu verwenden. Dieser im Zubehörschuh zu befestigende externe Sucher ist dem kameraseitigen Sucher deutlich überlegen. Sein großes Bild mit den Markierungen
für das 20 mm Weitwinkel für Unendlich und 60 cm sowie für den 15 mm Weitwinkelkonverter ist ein bedeutsames Hilfsmittel für eine kreative und sichere
Bildgestaltung. Die Verschlusszeit wird über einen Druckknopf auf der Kamerarückseite eingestellt. Alle Verschlusszeiten von 1/250 s bis 1/15 s sind
synchronisationsfähig, können folglich uneingeschränkt mit einem dazu passenden externen Amphibienblitz (mit Nikon TTL) oder Systemblitz (Typ Nikon) betrieben werden.
Bei den Verschlusszeiten 1/30 s und 1/15 s erscheint im Display ein Verwackelungshinweis in Form eines Kamerasymbols. Mit der Betätigung des Verschlusszeitenknopfes
wird die grüne Displaybeleuchtung aktiviert. Drückt man den Verschlusszeitenknopf ca. 5 Sekunden erscheint im Display das Kürzel AE (Auto Exposing). Gemeint ist
damit eine automatische Belichtung mit einer vorgegebenen Blende. Im Prinzip handelt es sich hier aber um eine Pseudo – Zeitautomatik - Funktion. Gemessen wird
das Umgebungslicht nämlich mit dem links vom Basisobjektiv installierten CDS - Fotosensor. Damit funktioniert die AE- Zeitautomatik aber nur mit dem 20 mm
Basisobjektiv; sie ist unwirksam, wenn ein Konverter vorgesetzt wird. Eine echte Zeitautomatik mit TTL - Belichtungsmessung durchs Objektiv ist es deshalb nicht. Schön
wäre gewesen, man hätte die Zeitautomatik auch mit dem 15 mm Weitwinkelkonverter verwenden können. Etwas an Indianerspiele erinnert das Ziellicht, ein
kleiner Scheinwerfer neben dem Basisobjektiv. Was dieses Feature genau sein soll, ist etwas unbestimmt. Als echte Pilotlampe ist es zu schwach, weil es ausschließlich
von den beiden Mignonzellen der Kamera gespeist wird. Und als Pilotlicht braucht man es nicht, denn die MM III ist eine Sucherkamera und keine SLR. Bleibt als
möglicher Grund noch das Anleuchten von Objekten, damit man deren Farbe erkennen kann. Generell gilt: Das in der MM III integrierte Ziellicht kann bei Nachttauchgängen
nicht als Pilotlampe verwendet werden. Eingeschaltet wird das Ziellicht mit Betätigung des links an der Kamerarückseite hervorstehenden T – Light - Knopfes
(T-Light = Target-Light). Dann erscheint auf dem grün beleuchteten Display in der rechten oberen Ecke das Sybol TL. Wird jetzt der Auslösknopf leicht gedrückt,
leuchtet das Ziellicht auf. Schalten Sie das Ziellicht nur ein, wenn wirklicher Bedarf besteht, denn das Licht zieht Energie aus den Batterien, dass es eine wahre
Freude ist. Deshalb sollten Sie auch immer die Displayanzeigen auf das TL - Symbol kontrollieren. Beim Fotografieren würden Sie unter Umständen einen ganzen Tauchgang
nicht bemerken, dass bei jedem Drücken des Auslöseknopfes auch das Ziellicht aufleuchtet. Geöffnet bzw. verschlossen wird die MM III mittels eines
Schnappschieberverschlusses wie man ihn auch am Vorgängermodell MM II-EX verwendet hat. Da der Verschluss etwas stramm sitzt, ist eine Grundsicherheit gegen
versehentliches Öffnen gegeben. Der im Rückdeckel sitzende blaue Haupt - O-Ring besteht aus Silikon und darf nur mit dem von Sea & Sea gelieferten O-Grease
eingefettet werden. Die Blitzbuchse befindet sich linker Hand, ist fünfpolig und entspricht der Origina l- Nikonos TTL - Blitzbuchse von Nikon. Wenn der Film zu Ende
ist, spult sich der Film automatisch zurück. Für manuelle Rückspulungen muss man mit der Kugelschreiberspitze einen kleinen, silbrigen Knopf auf der Rückseite drücken.
Symbol o>>!
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