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Einige der wichtigsten Eiablageplätze von Loggerhead Meeresschildkröten (Caretta Caretta – unechte Karettschildkröte) befinden sich in Florida, genauer gesagt im Brevard
County, einem Küstenstreifen südlich von Cape Canaveral, entlang Cocoa Beach. Genau dort wohnt Gaby Douglas, die USA – Korrespondentin von UnterWasserWelt und erlebt die
schwierige Situation der Schildkrötenkinder selbst, die nach dem Schlüpfen nicht den Weg ins Meer finden.
Die Menge der Schildkrötengelege in Brevard County nimmt in
erschreckendem Maß ab. Von ihrem Höchststand im Jahr 1998, es wurden 34.596 Nester gezählt, sind 2003 nur noch 22.944 Nistplätze gefunden worden. Nach den drei verheerenden
Wirbelstürmen im Jahr 2004, die auch eine Menge von Gelegen ins Meer spülten, waren letztlich 15.678 Nester lokalisiert worden. Allein ein Viertel der weltweit verbreiteten
Loggerhead Meeresschildkröten legt ihre Eier in dieser Region, so schätzen Wissenschaftler die Situation. Jährlich pumpen Gruppen von Wildlife – Beobachtern Millionen US
– Dollar in die Kassen von Brevard County, bis zu 1500 Freiwillige nehmen jeden Sommer an Aktionen der Gesellschaft zum Schutz der Meeresschildkröten (Sea Turtle
Preservation Society – www.seaturtlespacecoast.com ) teil und es gibt Wartelisten, um an einem dieser Programme teilnehmen zu können. Man ist sensibilisiert in
dieser Region und weiß um eine Kernproblematik. Meeresschildkröten schlüpfen in der Regel nachts und orientieren sich am Wiederschein des Sternen- oder Mondlichts auf dem Wasser
um die Richtung in ihr Lebenselement zu finden. Dort, wo es heller ist um sie herum muss das Meer sein, das müssen sie erreichen, möglichst geradlinig um den auch am Strand
lauernden Fressfeinden keine Chance zu lassen. Strenge Vorschriften wurden örtlich erlassen, in Cocoa Beach kostet es bis 100 US $ Strafe, wenn aus Privathäusern in der
Nistzeit Licht auf den Strand fällt. Und das wird von Privatleuten durchaus ernst genommen. Ungeachtet dieser Vorschriften gelangen aber ständig eben geschlüpfte
Meeresschildkröten auf den Minutemen Causeway und werden von Fahrzeugen getötet. Im Schnitt wurden so seit dem Jahr 2000 jährlich mehr als 1000 Schildkrötenbabys etwa nur an der
Rampe zwischen dem Coconuts- und Beach Shack Restaurant aufgelesen und ins Wasser gebracht. Schuld daran hat die Stadtverwaltung von Cocoa Beach, die eigentlich selbst der
schlimmste Missachter ihrer eigenen Vorschriften ist, denn sie lässt die für die Schildkröten gefährlich helle Beleuchtung zu. Fast alle der 330 im Zuständigkeitsbereich der
Community befindlichen Straßenlampen entlang des Minutemen Causeway sind Fallen, die die frisch geschlüpften Meeresschildkröten statt zum Atlanischen Ozean zur Atlantic Avenue
locken. Nicht wenige Tiere beenden dort ihr Leben unerwartet im Profil von Autoreifen. Biologen wissen, dass Schildkrötenbabys ihre gesamte Energie benötigen um das Meer zu
erreichen um dann nach 15 Meilen vor der Küste im Seegras erste Nahrung zu finden. Folgen sie den falschen Lichtern verlieren sie die nötige Lebensenergie beim mühevollen Weg über
die Dünen beim Versuch die hellen Straßen zu erreichen. Sie verenden dann an Erschöpfung, unter Autos, durch Fressfeinde oder in der Hitze des Tages.
Offizielle der Stadt verweisen auf mögliche Sicherheitsprobleme, werden sie daraufhin angesprochen die Lampen abzuschalten. Das Licht der augenblicklich verwendeten Brenner,
so genannte Cobra Heads, in den Straßenlampen kann nicht abgeschattet werden. Dies wäre möglich mit einem Brenner des Typs Globelike, die Umrüstung beliefe sich aber auf 80 US $
je Lampe. In Zusammenarbeit mit der Florida Power & Light Company versucht man das Problem zu lösen und überlegt, welche der 330 Straßenlampen umgerüstet werden müssten. Sandy
Sanderson, ein Sprecher der Community, unterstreicht den Willen der Verantwortlichen, den Ansprüchen der Turtlebabys gerecht werden zu wollen, thematisiert aber in erster Linie
die Sicherheit der Anwohner. Dem gegenüber fordern Offizielle des Staates Florida die Stadt auf die 11,50 Meter hohen Lichtmasten entlang des Minutemen Causeway auf 4 Meter
abzusenken, damit deren Licht nicht den Strand erreicht. Außerdem sollen die Leuchtmittel gegen Brenner ausgetauscht werden, deren Lichtfarbe auf die Schildkröten weniger
anziehend wirkt, wie Niederdruck – Sodium oder rotes Neon. In einem Schreiben vom 5. August 2005 fordert die Florida Fisch- und Wildtierschutz –
Kommission die Stadt auf die Dünen, die die Strände von der Bebauung trennen, zu bepflanzen um so weiteres Licht abzuschatten. In der Zwischenzeit geht das Drama um die
fingergroßen Schildkrötenbabys weiter. Mehr als 70 Tiere wurden in den vergangenen zwei Nächten nur an der Rampe beim Beach Shack Restaurant von Männern eines Reinigungstrupps der
Stadt in Sicherheit gebracht. Nicht alle konnten gerettet werden, einige waren bereits Opfer der Straße geworden. Nancy Yates, Mitarbeiterin der Sea Turtle Preservation Society
kennt die Probleme seit Jahren und ist sichtlich verärgert über die Art und Weise, wie Cocoa Beach mit der lange geläufigen Situation umgeht. „Jeden Sommer haben wir die gleichen
Probleme,“ sagt sie, „und eigentlich müsste diese Stadt mit gutem Beispiel vorangehen.“ Was noch gar nicht angesprochen wurde, auch die Tulip Avenue und die Third
Street North gehören gerade in diesem Jahr zur Problemzone in der Eiablagezeit, die vom 1. Mai bis 1. November gerechnet wird. Die Veränderungen der letztjährigen
Hurricanes sind zudem enorm. Die Dünen, durch den Sturm an vielen Stellen höher geworden, setzen die zur Eiablage an Land gekommenen Schildkröten einer stärkeren Lichteinwirkung
aus. Auf der Suche nach einer geeigneten und geschützten Eiablagestelle werden die Tiere kaum mehr durch die von den Stürmen stark ausgedünnte Vegetation aufgehalten. Von den
Bundesbehörden bezahlt, wurden nach den Hurricanes die Dünen sanft ansteigend wieder hergerichtet. Diese benutzen die Schildkröten nun als Rampen um auf die Straßen zu
gelangen oder in die Gärten der Anwohner. In dieser Saison wurden erwachsene weibliche Meeresschildkröten auf dem parallel zur Küste entlang führenden Highway A1A gefunden und in
privaten Pools. Zumindest in der Bestrafung von Lichtsündern macht Cocoa Beach nun Nägel mit Köpfen, nachdem die entsprechenden rechtlichen Instrumente ja erst vor 12 Jahren
beschlossen wurden. Die Betreiber einer Tankstelle südlich von Cocoa wurden wegen Verletzung der Beleuchtungsauflagen mit 8.000 US $ abgestraft. Kurz nachgerechnet, diese Summe
würde bereits die schildkrötenfreundliche Umrüstung von 100 Straßenlampen bezahlen.
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