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Man glaubt es kaum, dass es zum Reiseziel Korsika im Bekanntenkreis Meinungen gibt wie „richtig teuer“, „ohne Französischkenntnisse kommst du nicht weit“
oder „die fahren wie bekloppt“. So manche mögen solche Vorurteile wohl leider abschrecken, überhaupt einen Urlaub auf Korsika ins Auge zu fassen, mich aber macht
genau so etwas besonders neugierig, gebe ich doch recht wenig auf Gerüchte und bilde mir gern selbst ein Urteil! Erste Recherchen und Kontaktaufnahme zur „Maison de la
France“ in Frankfurt und zu Hélène Fertin-Rolland von der „Agence du Tourisme de la Corse“ versprachen jedenfalls eine interessante Reise.
Korsika ist sicherlich kein Ziel für Touristen, denen es genügt zwei Wochen Urlaub lediglich am Strand, im Hotelrestaurant und der nächst gelegenen Bar zu verbringen.
Korsika sollte man sich Stück für Stück erarbeiten - auf die Haut kommen lassen - und erwandern; die bewegte Geschichte dieser Insel bietet für Interessierte jede
Menge spannender Ausflugziele. Allein die Anreise gestaltet sich ein wenig umständlich -, aber der Weg ist das Ziel! Glücklich, wer in der Saison einen
Charter-Direktflug erwischt hat. Üblich sind Flüge etwa mit Air France, mit dem Nachteil in Paris Flieger und Flugplatz wechseln zu müssen. Eine elegantere Variante
ist der Flug mit dba bis Nizza um dort mit einer der kleineren Propellermaschinen der CCM (Compagnie Corse Méditerranée) nach Korsika zu hüfen. Hier muss am Flughafen
Nizza das Gepäck ausgecheckt und zum Weiterflug wieder aufgegeben werden. Da Terminal I (Abflug/Ankunft großer Maschinen) nicht direkt mit dem Terminal II
(Abflug/Ankunft kleiner Maschinen) verbunden ist, sollte der bereitstehende Bus am Ausgang von Terminal I genutzt werden, der im Turnus von 5-10 Minuten verkehrt.
Zu beachten ist bei Flügen mit Linienmaschinen wie eben auch der CCM oder der Air France, dass keine freie Beförderung von zusätzlichem Sportgepäck gibt. Bis 20
kg pro Person kann ohne Aufpreis mitgenommen werden. Charterflieger haben andere Konditionen und bieten in der Regel Sportgepäck bis zu 30 kg zusätzlich an, wenn dies
bei der Buchung des Flugs angegeben wird. Tauchausrüstungen sollten daher ganz oder teilweise vor Ort ausgeliehen werden. Wer – verständlicherweise - mit
der eigenen Tauchausrüstung seinem Hobby frönen möchte, sollte unter Umständen mit dem eigenen Fahrzeug anreisen. Der Weg führt dabei inklusive Überfahrt mit der
Fähre, etwa ab Genua, Livorno, Nizza oder Savona bis Ile Rousse, Calvi oder Bastia auf Korsika. Für Details lohnt sich die Anfrage bei der Maison de la France, die
stets reisewichtige Daten und Infos maßgeschneidert liefern kann.
Mein Weg führt mich als erstes zur 1492 gegründeten Stadt Ajaccio, die nahe eines der vier
Flughäfen Korsikas liegt. Ajaccio ist die Geburtsstadt Napoléons und um ihn kommt man wohl auch kaum herum, erkundet man die Stadt zu Fuß oder mit dem Auto. Kaum eine
Straßenecke ohne Napoléon, ob Cafe, als Mitbringsel im Souvenir-Shop oder aber als Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Musée Napoléonien im Rathaus oder aber auf dem
Löwenbrunnen des Place Maréchal-Foch. Ajaccio hat Flair, nicht nur Napoléons wegen. Boutiquen und Kaffees laden zum Shoppen und verweilen ein, Verkäufer bieten auf
Märkten Handwerkskunst und Kulinarisches der Insel feil. Touristisches für jeden Wunsch wird geboten, aber es herrscht allgemein zurückhaltende Freundlichkeit;
aufdringliches Gehabe, wie man es oft in anderen Touristenorten im Mittelmeer erlebt, wird man hier nicht antreffen. Wen der Hunger plagt, der kann in einem der
zahlreichen Restaurants am Hafen einkehren. Hervorragenden Fisch gibt es im Restaurant „Le Beau Rivage“ an der Route des Iles Sanguinaires ein wenig außerhalb
des Stadtkerns mit traumhaften Blick auf das Meer. Versuchen Sie doch einmal die korsische Fischsuppe, die man mit Zutaten wie geröstetem Brot, Knoblauchzehen, Käse
und Rouille gereicht bekommt und deren ortsüblicher Verzehr für Newcomer vermutlich erst einmal erklärungsbedürftig sein dürfte. Ein netter korsischer Kellner wird Sie
sicherlich in den Umgang mit dieser kulinarischen Köstlichkeit einweisen. Obwohl es in der geschäftigen Hafenstadt auf den ersten Blick nicht danach aussieht, hier
wird auch getaucht! Ausgehend von einem kleinen Seiten-Hafen mit Trockendock, in dem der „Tauchclub Corsica Diving“ unter der Leitung von Christophe Lafond sein
Domizil hat, geht es mit dem Boot zu kleinen vorgelagerten Felsen und Inselchen. Hier wird an zerklüfteten Felsen getaucht; es bieten sich dem Auge farbenprächtige
Schwämme und dichter Gorgonienbewuchs an Steilwänden und Überhängen. Die Gegend ist reich an Fisch und so kann man tags bestaunen was abends wohl gerichtet und
schmackhaft gewürzt den Teller ziert. Weiter geht es am nächsten Tag. Ich plane eigentlich eine Natur-Wanderung im Fôret ď Aitone zu dem kleinen See Piscine
Naturelle in der Nähe des Städtchens Evisa, zu der es mit dem Mietwagen von Ajaccio aus in Richtung Norden geht. Die Strecke ist kurvenreich und allein in reinen
Kilometern rechne ich mit einer kompletten Tagestour. Weit gefehlt, meine Wanderung muss ausfallen! Der Weg von Ajaccio nach Evisa ist dermaßen wildromantisch und
abwechslungsreich, dass vor lauter Staunen und Fotografieren die Zeit quasi auf der Strecke bleibt. Feuerrote Felsen aus Granit in der Optik von Kleckerburgen, die
wahllos von Kinderhand an den Strand gebaut wurden, säumen die Straße und erheben sich markant aus dem türkisen Meer, malerische kleine Buchten reihen sich wie auf
einer Perlenschnur aufgezogen an der gesamten Westküste aneinander, die Natur ist einzigartig und abwechslungsreich. Wer nicht die gleiche Straße der Küste entlang
zurück nehmen möchte, kann alternativ über Land fahren; ein GPS mit gutem Kartenmaterial ist übrigens für unternehmungslustige Reisende angebracht. Der kommende Tag
führt mich in den Süden. Von Ajaccio ausgehend kann man auf dem Weg zur südlichsten Stadt Korsikas gleich ein wenig korsisches Flair und Geschichte schnuppern. Den
ersten Halt lege ich in Filitosa ein. Filitosa ist die bedeutendste prähistorische Ausgrabungsstätte Korsikas; auf hügeligem Gelände finden sich hier bis zu 8.000
Jahre alte Kultstätten und Behausungen aus Granit, sowie Steinskulpturen, sogenannte Menhire. Anwählbare Spracherklärungen in Deutsch, Französisch, Englisch und
Italienisch erläutern auch dem geschichtlich weniger Bewanderten Details zur Anlage, Lautsprecher berieseln die Besucher unterwegs mit mystischen Klängen. Von Filitosa
geht es weiter nach Süden in die wohl „korsischste aller korsischen Städte“, Sartene. Hier verspürt man ein ganz eigenes Flair in den engen Gassen des sich an
den Berg schmiegenden Ortes. Sartene ist es auch, wo man alljährlich die Bußprozessionen am Karfreitag erleben kann, wo aber auch blutigste Fehden ihre Spuren
hinterließen. Der kurvigen Küstenstraße nach Süden folgend gelangt man schließlich nach Bonifacio, einer Stadt, die von Verkehrs- und Parkplatzkollaps, über erlesenen
Luxusjachten bis hin zu kitschig-romantischen Felskulissen alles zu bieten hat! Bonifacio unterteilt sich in die Unter- und die Oberstadt. Die Unterstadt, das ist
hauptsächlich der Hafen, mit Bars, Hotels und Restaurants; die Oberstadt ist der historische Altstadtkern, der romantisch auf einem fast freistehenden Kreidefelsen
gebaut ist. Hier gehen die Häuser meist in direkter Linie in die senkrecht abfallenden Felswände über. Böse Zunge behaupten, dass dies die Stadt mit den wenigsten
Ehestreitigkeiten ist, denn was einmal aus dem Fenster fällt, fällt lang... In engen, schattigen Gassen finden sich auch hier kleine Restaurants und Bars, es muss
nicht immer der Gastronom an der touristischen Hauptpromenade sein! Ein kleiner Tipp am Rande: Am Hafen rechterhand entlang Richtung Bonifacio Oberstadt, vorbei an der
„Touri-Meile“ gibt es das Restaurants „Les 4 Vents“, in dem sich abends die korsischen Geschäftsleute zum Essen und zum Smalltalk treffen und auch
hier gilt wie weltweit die Faustregel: Wo Einheimische essen gehen, da kann es nicht schlecht sein. Dies bewahrheitet sich auch in diesem von liebenswerten
Zwillingsschwestern geführten Lokal. Bonifacio lohnt es zu erkunden; von der Unterstadt kommend erhebt sich im Vordergrund markant die „Grand Bastion“ (Bastion
der Genuesen) von der aus man einen herrlichen Blick über die Kreidefelsen zu beiden Seiten der Stadt sowie den fjordähnlichen Hafen hat. Weiter der Straße entlang dem
Fjords folgend kommt man zur Zitadelle und zum „Place Bir Hakeim“ und im Anschluss zum „Cimetière Marin“. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf
den Leuchtturm von „Capo Pertusato“ und bei guter Sicht bis nach Sizilien. Nicht nur die sich auf dem Kreidefelsen erhebende Oberstadt riecht förmlich nach
Verteidigung, auch der Fjord war clever vor möglichen Angriffen geschützt; quer durch den Fjord verlief eine Stahltrosse unterhalb der Wasseroberfläche, mit der
Schiffen die Einfahrt unmöglich gemacht werden konnte. Korsika war hart umkämpft und oft von Eroberern besetzt. Phokäische Griechen aus Kleinasien hatten hier ihren
Stützpunkt für den Mittelmeerhandel, Römer nutzten Korsika als strategische Basis im Krieg gegen die Punier, Vandalen zerstörten Aleria. Ihre Herrschaft wurde von den
Byzantinern und anschließend von den Langobarden abgelöst. Langjährige Streitigkeiten und Kriege zerren Korsika förmlich zwischen Genua und dem französischen
Königreich hin und her, selbst der westfälische Abenteurer Theodor von Neuhoff wird 1736 für kurze Zeit erster und einziger König von Korsika. Auch England streckte
erfolgreich die Hand nach Korsika aus; 1790-1796 war die Insel englisches Vizekönigreich. Vertieft man sich ein wenig in diese bis heute bewegte Geschichte Korsikas,
so kann man der stolzen, aber durchaus liebenswerten Mentalität der Korsen durchaus Verständnis entgegenbringen.
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