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Der im Zweijahrestakt ausgetragene UW-Fotowettbewerb des VDST wurde im Oktober 2008 zum 29. Mal veranstaltet. Diesmal war der
Austragungsort am Stechlinsee gewählt worden, dort mussten sich die Teilnehmer in 10 Kategorien beweisen. Fotografische Heldentaten waren rar und fanden sich erstaunlicherweise erst im Bildangebot der hinteren Plätze.
Dia- und Digitalfotografie waren in diesem Live –Wettkampf noch „gleichberechtigt“ vertreten, ob es sich in zwei Jahren immer noch in analoge
und digitale Teilnehmer spaltet, mag bezweifelt werden, denn Äpfel können nicht mit Birnen verglichen werden. So ist aber knallhart die Output – Situation
analoger und digitaler Fotos zu beschreiben. Das ist auch der Grund, warum UnterWasserWelt seit Jahren seine hochkarätigen UW Leserfotowettbewerbe allein digital
fotografierenden Teilnehmern öffnet. Auf jeden Fall mussten sich in einem technisch absolut ungleichen Wettkampf zwei völlig unterschiedliche Aufnahmemedien
miteinander messen, die auf Seiten der Digitalfotografie unfertige Ergebnisse der Jurierung vorzulegen abnötigten. Ein analog produziertes Bild ist in sich stets
ein fertiges Ergebnis, ein digitales Bild unter Wasser aufgenommen ist in 99% der Fälle unfertig. Das liegt bereits an der nicht zu vergleichenden Kontrastverarbeitung
zwischen digitalen und analogen Techniken und dem auch nicht vergleichbaren Kontrastumfang, da gibt es eine Menge mehr Details, die verdeutlichen, dass die
Wettbewerbsbedingungen von ernüchternd geringer Sachkenntnis geprägt waren. Größtes Augenmerk wurde auf die Verhinderung von digitalen Betrugsversuchen gelegt, da
dachte man akribisch an das Formatieren der Aufnahmechips und das Verbot via WLAN Bilddaten zur Jury zu übermitteln. Großzügig gab man sich indessen, was das
Grafikformat betraf, in dem man die Wettbewerbsbilder zur Jurierung zu akzeptieren bereit war. Dass das JPG – Bild herzlich begrüßt wurde, schmeichelt fast, dass
man aber auch bereit gewesen war Fotos im unbearbeiteten RAW – Format zu akzeptieren, das lässt laut aufschreien und nach der digitalen Kompetenz des Fachbereich
visueller Medien beim VDST fragen. Meine Damen und Herren der Kommission, es sollte irgendwann einmal als Hintergrundinformation angekommen sein, dass eine im RAW
– Format abgespeicherte Bilddatei lediglich Rohdaten enthält, die von der Kamerasoftware nicht verändert wurden und erst in der Nachbearbeitung die Chance
bieten, sich dem Look von analogen Negativ – oder Diaaufnahmen gegenüber fair zu behaupten. Wussten Sie das wirklich nicht oder wollten Sie da einem kleinen
analogen Hardlinerzirkel irgendwie, irgendwo den Rücken stärken? Ganz ehrlich, so verlockend kostengünstig die digitale Fotografie auch sein mag, man muss nicht
ständig neue Filme kaufen, keine Entwicklung bezahlen und nicht dauernd in den Fotoshop laufen um Filme abzugeben und abzuholen, das Know How aus den
„Originalaufnahmen“ das herauszuholen, was in den Daten versteckt ist, verlangt aber umfassende Grundlagenkenntnis und Zeit, am PC das dann allseits wohlwollend
betrachtete Bild zu finishen. Was von den Digitalfotografen in diesem Wettbewerb verlangt wurde, könnte man mit diesem Beispiel verdeutlichen: Die Dias der
Analogfotografen würden mit einem vorgehaltenen Cyanfilter beurteilt werden... Der geharnischte Protest klänge noch lang über den Stecklinsee... Über die Website www.visuellemedien.vdst.de/index.html erreichen Sie den Bereich, in dem die
Ergebnisse der Kamera Louis Boutan 2008 zu betrachten sind. Für Insider sind die Namen zumeist bekannt, es gab keinen Erdrutsch bei neuen Talenten, für die der VDST
vielleicht auch keine Heimat bieten kann. Ob die Fertigkeiten einer Fotografin, eines Fotografen in 10 Kategorien tatsächlich zu einem schlüssigen und
nachvollziehbaren Ergebnis in der Kür der Gewinner führen, scheint die publizierte Auswahl der Platzierungen 1 – 10 zu widerlegen. Konrad Dorschen auf Platz 10
schuf mit den Bildnissen des Hechtnachwuchs vor rotem, durchleuchteten Blattwerk hervorragende Bilder, die Krebsimpressionen sind einwandfrei und das Model in der
halbnahen Einstellung gegen die Wasseroberfläche ist im Lichtspiel der Sonne schön gestaltet. Gab es da vielleicht Wiederstände, ihn nach weiter vorne zu punkten,
nachdem seine anderen Bilddateien auch punkten, wie der dynamische Hecht oder das Model mit roter Lampe im Fenster über den Wasserpflanzen? Deren einzelne
Beispiele gäbe es mehr, die belegten, dass man nicht ein Portfolio aus 10 erzwungenen Kategorien mit 72 Aufnahmen produzieren kann. Peinlich sind im Portfoliozwang
eine Reihe von Fotos, die - und hier soll keine Überheblichkeit zum Ausdruck kommen – normalerweise gleich im Abfallkorb landen. Zurück zu den Wurzeln,
eine Auswahl von Themen vorgeben, die Wettbewerbsfotografen entscheiden sich für 3 der 10 Möglichkeiten und können dann eher auf Höchstleistung hin arbeiten. Und
zukünftig nur noch Digitalaufnahmen im RAW – Format, die einer angepassten Spezialentwicklung im Analogbereich ähnlich zum digitalen Endresultat führen. Reine
Analogfotografen können ja in einer Retrokategorie antreten – ja, man muss dem Wandel in der Fototechnik endlich offen ins Auge sehen. Was die 29.
KLB an Output generierte, sollte man nicht als das werten, als was es scheint – als die schwächelnde Höchstleistung dessen, wozu die platzierten
Fotografinnen und Fotografen zu leisten in der Lage wären. Die realitätsfernen Vorgaben des Wettbewerbs brachten in vielen Fällen unfertige Bilder in die
Veröffentlichung, die flau, unscharf wirkend, unausgeglichen im Kontrast und farblich verwaschen abgeliefert werden mussten. Dass aber kurioserweise in einigen
Portfolios schlicht langweilige, schlecht gestaltete und schärfetechnisch problematische Bilder für eine insgesamt vordere Platzierung nicht hinderlich waren,
befremdet. Die Qualität der Wettbewerbsfotografen ist doch wesentlich größer und kann sich international sehen lassen. Um das im eigenen Land deutlich zu machen,
bedarf es kreativer Kräfte in der Sachabteilung visueller Medien, die weiß, wie digitale Fotografie funktioniert, dass die Entwicklung der RAW – Bilder am PC
geschieht und nicht in der Dunkelkammer und dass man analoge Bilder nach dem Moment der Belichtung mit digitalen Bilddateien nun wirklich nicht gleich stellen kann.
Die aktuellen Platzierungen verzerren die Fähigkeiten der Fotografen und entmutigen nur, anstatt zu motivieren.
Aus unserer Sicht hat die KLB den Banken
gleich massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Es muss ein Neuanfang gemacht werden, der den respektablen Leistungen der bereits bekannten Fotografinnen und Fotografen und
des bitter nötigen Nachwuchs, der sich in einem Verein immer seltener findet, gerecht wird. Der VDST muss progressiv nach außen gehen und das Thema UW - Fotografie,
ein publizistisches Schlüsselthema, mit dem auch die Frage der Zukunft des VDST verbunden ist, zur Chefsache machen.
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