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Der Test des Digitalkamera INTOVA im UW-Gehäuse wurde zur Chefsache erklärt, weil UnterWasserWelt im Laufe der letzten 24 Monate
verschiedene UW-Fotosets für Praxiserprobungen vorlagen, die TUSA / TABATA ins Sortiment zu übernehmen plante. Ziel des Vertriebs war es ein digitales UW-Kameraset
anbieten zu können, das im Preis – Leistungsverhältnis deutlich punktet und für den Tauchsporthandel eine ideale Ergänzung des Angebots darstellt. Zugegeben, wir
waren vielleicht etwas unfair die INTOVA im Süßwasser zu testen, doch die Zeit drängte und Pooltests allein sind nicht unsere Sache. Was beim Test herauskam,
überraschte uns denn doch.
Was man in einem höheren Preissegment im Fotohandel nur einzeln erstehen kann, bietet das INTOVA – Set komplett, erstmals
auf der renommierten Messe Photokina 2006 in Köln vorgestellt, , bestehend aus einer digitalen Fotokamera mit 6 Millionen Pixel Auflösung und einem alle Funktionen
übertragenden UW-Gehäuse aus transparentem Polycarbonat. Kalkuliert mit einem unverbindlichen VK von € 299,- passt das Set nicht nur gut in die Angebotspalette
des Tauchsporthandels, Kamera- und Gehäusewunsch können so gleich auf einmal erfüllt werden. Die unvermeidliche Frage steht natürlich sofort im Raum – taugt
denn ein so günstiges Set wirklich etwas oder ist es nur ein Eyecatcher im Regal zwischen Atemreglern und Computern? Nun, man muss sich natürlich im klaren sein,
dass solche Kamerasets deutlich höherpreisigen Angeboten nicht den Rang ablaufen können, dafür werden sie nicht konzipiert. Zielgruppe sind Taucherinnen und
Taucher, die ihre Erlebnisse über und unter Wasser mit einem digitalen Kamerasystem festhalten wollen, das nur eine minimale Auseinandersetzung mit der Aufnahmetechnik
abverlangt und in den üblichen Einsatzgebieten der Tropen des Mittelmeers spontan zu sehr befriedigenden Bildergebnissen führt.
Dass wir die INTOVA in einen See mit Sichtweiten von etwa 4 Metern mitnahmen, dort größere und kleinere Motive aufnahmen, dabei auch in Kauf nehmend, dass diese
Bildergebnisse mit denen aus tropischen Tauchgründen niemals konkurrieren werden, könnte man als unfair bezeichnen. Doch zu unserem Erstaunen schlug sich derart
herausgefordert der fotografische Newcomer unter diesen extremen Bedingungen wacker.
Die Kamera
Der volle Name lautet INTOVA IC 600. Klein und
handlich, jedoch mit trotz der kompakten Maße gut zu bedienenden Tasten, macht sie auf Anhieb einen guten Eindruck. Das Programmwahlrad an der Oberseite bedient sich
mittlerweile eingeführter Symbole, die man intuitiv zu deuten versteht. Der Auslöser arbeitet zweistufig, auf sanften Druck werden Schärfe und Belichtungsdaten des
aktuellen Motivs gespeichert, so kann man die Kamera etwa auch auf das eigentlich beabsichtigte Motiv auszurichten, sollten die richtigen Werte für Helligkeit und
Schärfe nicht in der standardmäßig angemessen Bildmitte liegen. Die Auslösung erfolgt, wenn man den Auslöser ganz drückt. Ein grün eingerahmtes Messfeldsymbol im
Monitor zeigt an, dass der Schärfepunkt gefunden wurde, rot signalisiert, dass der Autofokus zu keinem Ergebnis kam. Für die UW-Fotografie interessiert uns nur die
am Programmwahlrad einstellbare Belichtungsfunktion „P“ - Programmautomatik, alle anderen können bei entsprechenden Motivvorgaben über Wasser eingesetzt
werden, inkl. der einfachen Videofunktion, die qualitativ für eMail – Botschaften ausreicht. Die Programmautomatik steuert die Belichtungszeit, Blende und
greift zusätzlich in die Einstellung der Grundempfindlichkeit der Kamera ein. Manuelle Einstellungen von Blende und Belichtungszeit sind nicht vorgesehen,
Belichtungskorrekturen können schnell über + / - Tasten in 1/3 Schritten bis maximal 2 Blenden durchgeführt werden. Das Layout der Funktionstasten auf der
Rückseite, neben dem großformatigen 2,4“ TFT Monitor mit 112.000 Pixel Auflösung, entspricht den sich herausgebildeten Standards digitaler Kompaktkameras. Die
Blitzfunktionen und die Umstellung des Autofokus auf Motive im Nahbereich werden direkt geboten. Auf einen optischen Sucher hat man zugunsten des großen Monitors
verzichtet, unter Wasser hätte er ohnehin keine Bedeutung. Über die Kamera- und Blitzbereitschaft informiert noch eine mehrfarbige Leuchtdiode auf der Rückseite. Die
Brennweite des optischen dreifach – Zoom reicht von 5,5 bis 16,5 mm, übersetzt auf das analoge Kleinbildformat entspricht die kürzeste Brennweite einem leichten
Weitwinkel von 34 mm, die längste Brennweite einem Portraitobjektiv mit 102 mm. Je nach Brennweite variiert die größte Blendenöffnung von 2,8 beim Weitwinkel und 4,8
bei Teleeinstellung. Die zusätzlich angebotene digitale Zoomfunktion nutzen wir grundsätzlich nie, da hier lediglich ein Ausschnitt des vom Chip erfassten Bildes
wiedergegeben wird, mit entsprechender Qualitätsminderung. Bei abgeschalter Kamera fährt das Objektiv teleskopartig zurück, die Frontlinse schützt ein Lamellevorhang
Die Stromversorgung übernehmen 2 Mignonzellen, Größe AA mit je 1,5 V oder entsprechende NiMH – Akkus. Unter normalen Umgebungstemperaturen reicht
ein Batteriesatz für bis zu 100 Aufnahmen. Ein interner Speicher mit etwa 16 MB kann Bilder und Videos aufzeichnen, besser man steckt eine zusätzlich zu beschaffende
SD-Speicherkarte mit wenigstens 256 MB in das Kartenfach, dann können in bester Auflösung schon mal bis zu 82 Aufnahmen gespeichert werden. Der eingebaute Blitz
kann ab 50 cm Motivanstand eingesetzt werden, beim Weitwinkel reicht er dann bis etwa 3 Meter, bei Teleeinstellung bis 1,5 Meter, bei der
Standardempfindlichkeitseinstellung der Kamera von 200 ISO / ASA. Manuell kann man die Empfindlichkeit von 64, 100, 200 und 400 ISO / ASA auswählen.
Das Gehäuse
Vieles deutete darauf hin, dass es aus dem Werk des wohl größten Herstellers transparenter Polycarbonatgehäuse FANTASEA stammt würde. Dieser
beliefert auch alle führenden Digitalkameralabels mit Gehäusen und verfügt über eine umfangreiche Produktpalette, die in großen Stückzahlen weltweit Tauchgänge
begleitet, was mengenbedingt erklärt, warum so erfreulich günstige Kalkulationen möglich sind. Doch weit gefehlt, das Gehäuse zur INTOVA wurde vom Kameraanbieter
selbst entwickelt und FANTASEA fragte aktuell bei INTOVA an, ob das Gehäuse nicht auch für sie aufgelegt werden könnte. Alle gefedert gelagerten Durchführungen
machen einen soliden Eindruck, der großformatige Verschlussmechanismus mit Sicherungsschieber gegen ungewolltes Öffnen des Gehäuses gefällt. Die Gehäusehälften sind
mit einem Scharnier verbunden, das einen Stift aus rostfreiem Edelstahl enthält. Im Rückdeckel dichtet ein schwarzer O-Ring, im vorderen Gehäuseteil ist ein
transparenter O-Ring mit größerem Durchmesser zur zusätzlichen Sicherung eingelegt. Die Kamera wird einfach in das Gehäuse eingelegt, man muss dazu nur die
Durchführung des Mode – Einstellrads an der Oberseite etwas anziehen. Sie liegt nun auf weichen Kunststoffnoppen auf. Mehr ist nicht zu tun. Ein schwarzer
Gummitubus vor dem Objektiv dient zusätzlich als weiche Fixierungsauflage und reduziert Reflexionen vor dem Objektiv, ein den Monitoreinblick umgebender Gummirahmen im
Gehäusedeckel erfüllt dort entsprechende Aufgaben. Das Kameraauge schaut durch ein Planglas, was die Brennweite unter Wasser um 1/3 verlängert, das bedeutet, unter
Wasser hat die kürzeste Brennweite der Kamera keine Weitwinkelwirkung mehr sondern entspricht einem „Normalobjektiv“ in Bezug auf analoge
Kleinbildkameras.
Praxis
Vor dem Einbau der Kamera stellt man das Modusrad am besten gleich auf die Funktion
„Programmautomatik“ (P), denn man kann zwar die Programme auch am Modusrad des Gehäuses verändern, doch man sieht erst an der entsprechenden Anzeige im Monitor,
was man gewählt hat, der direkte Einblick ist an dieser Stelle durch den Mitnehmer des Modusrads versperrt. Das Einsetzen der Kamera ist ein Kinderspiel. Für das
Einlegen eines kleinen Trockenmittelbeutels (Silikagel), der das Beschlagen der Gehäuseinnenwandung beim Einsatz bei geringen Wassertemperaturen oder im feuchtwarmen
Tropenklima verhindern soll, bleibt etwas Platz links oberhalb des Monitors, doch aufgepasst, dass hier nichts in die Dichtsitze der O-Ringe eingeklemmt wird, denn
dann fällt der Fotospaß buchstäblich ins Wasser. Die optischen und technischen Möglichkeiten des Kamerasets können am besten in gutsichtigen Gewässern punkten,
denn die Brennweitenverlängerung hinter dem Planglas das Gehäuses lässt im klassischen Süßwasser mit beschränkten Sichtweiten kaum die Aufnahme eines Tauchers von der
Kopfhaube bis zur Flossenspitze zu. Außerdem würde das alles vom integrierten Blitz auch nicht zufriedenstellend ausgeleuchtet werden. Doch ob Tropen oder
Baggersee, für Fotosysteme wie das der INTOVA liegen die Motive (bei entsprechender Sichtweite!) entweder einige Meter vor der Kamera, also dort, wo auch die
Blitzgeräte weit teurerer Systeme auch keine Wirkung mehr erzielen würden oder im relativen Nahbereich, den das integrierte Blitzlicht zu beleuchten und die Farben im
Motiv zu entfesseln in der Lage ist. Die Bedingungen in unserem Härtetest ließen durch die Eintrübung des Wassers maximal 1,5 Meter Entfernung zum Motiv zu, in Kauf
nehmend, dass die Platzierung des Blitzreflektors nahe dem Objektiv die Schwebeteile anstrahlt, was den Kontrast im Bild deutlich vermindert. Doch wir wollten wissen,
wie der Autofokus (automatische Schärfe) und die Belichtungssteuerung (Wirkung des umgebenden Lichts) reagieren. Und es erstaunte uns denn doch, dass die bekanntlich
allgemein sensible Autofokussteuerung sicher ihr optimales Ziel fand. Wissend darum, dass die Belichtungssensoren gerade bei Süßwassermotiven die Blende bzw. die
Belichtungszeit zu großzügig bemessen, hatten wir die Belichtungskorrektor manuell auf – 0,7 gesetzt und lagen genau richtig. Natürlich ließ der
Testlauf in 8°C kaltem Wasser nicht zu ein farbenfreudig bekleidetes Schnorchelmotiv zu belichten, doch dafür bot der schwarze Trockentauchanzug des Models weitere
bildtechnische Hürden genug um erkennen zu können, dass die Elektronik der Kamera auch hier erstaunliche Fähigkeiten bereit hält. Viele UW-Fotos mit
Kameras der Kompaktklasse werden im Nahbereich produziert. Dem kommt natürlich die Möglichkeit der INTOVA entgegen, dass der Autofocus entsprechend eingestellt werden
kann. Allerdings muss man sich auch immer klar sein, dass Motive näher als 50 cm vom integrierten Blitz zu stark beleuchtet werden, was zur Überbelichtung führt. Und
– je mehr man sich einem Motiv nähert, um so mehr weicht der Ausleuchtwinkel des Blitz vom Motiv ab. So kann man mit der Weitwinkeleinstellung kein auch nur
teilweise ordentliches Bild mit Blitz im Nahbereich produzieren, verlängert man die Brennweite jedoch auf die längste optische Einstellung, kann man ¾ des Motivs mit
dem eingebauten Blitz erfassen. Lediglich ¼ im linken unteren Bildviertel wird abgeschattet, weil hier das Objektiv der Kamera in den Lichtfluss hineinragt. Das sind
aber Probleme, die alle Kompaktkameras teilen. Wir empfehlen Nahaufnahmen unter Lichtverhältnissen, die die Zuschaltung des internen Blitz erfordern, mit längster
optischer Brennweite zu machen, dann wird das Motiv nicht aufgrund der Blitzintensität überbelichtet und die Abschattung des Blitzlichts hält sich in Grenzen. Nach
den praktischen Aufnahmetipps bleiben nur noch Fragen zum allgemeinen Handling des Systems unter Wasser offen. Im Süßwasser strebt die INTOVA gemäßigt in Richtung
Oberfläche, im Meer kann es ein deutlicher Wesenszug sein. Die am Gehäuse zu befestigende Handschlaufe bietet hier einen guten Schutz vor Verlust.
Fazit
Der Einstieg in oder das unbefangene Interesse an der UW-Fotografie kann mit dem INTOVA UW-Kameraset deutlich vereinfacht werden, mit einem bemerkenswerten
Preis / Leistungsverhältnis.
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