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Paradiesvögel, Urwaldbewohner und einsame Küstenstreifen, Irian Jaya hat unter wie über Wasser Geheimnisvolles zu bieten. Eine
Destination, wie sie weiter kaum von Europa entfernt sein könnte. Herbert Frei war zwei Tage mit Flugzeug, Auto und Schiff unterwegs, dann konnte er in unbekannten
Gefilden abtauchen.
Wenn von Irian Jaya die Rede ist, versuchen viele Gesprächspartner krampfhaft zu orten, wo dieses Land denn wohl liegen mag. Irian Jaya
ist indonesisch und bedeutet „Glorreiches Irian“. Mit dieser Bezeichnung versuchte der indonesische Staat, die weit entfernte Provinz zumindest sprachlich an
sich zu binden. Irian Jaya ist der indonesische Teil von Papua-Neuguinea. Die einheimische Bevölkerung lehnt diesen Namen aber ab und bezeichnet ihr Land als
West-Papua oder schlicht als Papua, was heute auch von Indonesien und der Staatengemeinschaft weitgehend akzeptiert ist. Neuguinea ist nach Grönland die zweitgrößte
Insel der Erde und ein Taucherparadies, denn hier leben Fische und Korallenarten, die man anderswo vergeblich sucht. Die Wachstumsdichte ist enorm, die Artenvielfalt
sensationell. In Irian Jaya hat beispielsweise VDST-Präsident Prof. Dr. Franz Brümmer ein Grundstück am Meer erstanden, wo er in den nächsten Jahren Meeresforschung
betreiben will. Studenten und Hobbytaucher rennen ihm seitdem die Bude ein. Jeder will dort tauchen, forschen und fotografieren. Einer der heillos Begeisterten hat
sich spontan bereit erklärt, regelmäßig den Strand zu säubern, wenn er nur mal mit darf.
Unruheherd
In Westpapua herrscht zur Zeit augenscheinlich
etwas Ruhe, aber das kann sich schnell wieder ändern. Die unabhängige Befreiungsbewegung OPM (Organisasi Papua Medeka) hat jahrzehntelang einen verbissenen Kampf gegen
die indonesischen Eindringlinge geführt, die West-Papua 1961 mit Fallschirmjägern und Bodentruppen annektierten und die Bevölkerung durch Terror, biologische
Kriegführung und Transmigration (Abwanderung der Papuas und Zuwanderung von Indonesiern) zum Aufgeben zwingen wollten. Was freilich misslang. Der Kampf
Indonsiens gegen die OPM ist ein geheimer Krieg, der von der internationalen Staatengemeinschaft bewusst nicht wahrgenommen wird. Seit 1965 starben in Gefechten um das
gewaltsam angeeignete Westpapua Tausende von Einwohner und vermutlich ebenso viele indonesische Soldaten, die oftmals gar nicht wussten, warum und gegen wen sie
kämpfen sollten. Der Krieg um Irian Jaya gehört zu den vergessenen Konflikten der Menschheit, die nicht in das Bewusstsein der westlichen Urlauber, Weltreisenden und
Fernsehkonsumenten vorgedrungen ist. Es ist aber auch als Tauchtourist wichtig zu wissen, wie die politischen Verhältnisse in einem Land sind, auch wenn man davon
nicht betroffen ist. Indonesien verweigert den Einwohnern von Westpapua seit über 40 Jahren die grundlegenden Menschenrechte. Das ist der eigentliche Grund des immer
noch anhaltenden Widerstandes. Trotzdem: Man kann in Westpapua bzw. Irian Jaya unbesorgt tauchen, kein Einheimischer und kein Aufständischer wird einem etwas tun.
Die Menschen dort wollen aber, dass wir unsere Augen vor dem ausgeprägten Rassismus und der Brutalität des kolonial geprägten Regimes in Jakarta nicht verschießen. Wer
gegen den Krieg im Sudan, für Bosnien oder den Kosovo auf die Straße geht, kann das auch für Westpapua tun.
Historie
Vermutlich wurde Westpapua
bereits im 7. Jahrhundert von Händlern aus Sriwijaja, dem heutigen Sumatra, aufgesucht. Auf der anderen Inselseite erreichten die Chinesen das heutige Neuguinea etwa
zur selben Zeit. Alte Metall- und Keramikgegenstände, die man an den Küstenregionen fand, deuten jedenfalls auf eine frühe Besiedelung hin. Zwischen dem 14. und 15.
Jahrhundert mussten die Eingeborenen von Westpapua etliche Überfälle des Sultans von Tidore erdulden. Ziel dieser Überfälle waren der Sklavenhandel und die Jagd nach
dem geheimnisvollen Paradiesvogel. Erst 1527 wurde Neuguinea von den Europäern entdeckt. Es war der portugiesische Abenteurer und Seefahrer Jorge de Meneses, der
als erster von einer riesigen Insel in diesem Teil der Welt berichtete, ohne aber eine genaue Vorstellung von Westpapua und der Größe diese unbekannten Landes zu
haben. In den folgenden Jahren erzählten portugiesische und spanische Entdecker immer wieder von dieser geheimnisvollen und riesigen Insel am Ende der Welt. Im Jahre
1546 gab ihr der Seefahrer Ortes de Retes den Namen Neuguinea. Auch die Holländer machten sich auf den Weg und knüpften 1597 erste Kontakte mit den Bewohnern von
Westpapua, die aber nicht immer friedlich verliefen. Im Jahr 1605 landete der holländische Seefahrer Willem Janz auf der Insel und verlor im Kampf 6 Männer. Die
Holländer versuchten in den darauffolgenden Jahren ihren Einfluss auszubauen und den Gewürzhandel an sich zu reißen. Die Holländer festigten 1714 ihre Präsenz in
Westpapua, um diesen Teil der Insel dann 1828 in einem Abkommen mit England ganz zu übernehmen. Die Siedlungen wurden ausgedehnt bis zum 141. Breitengrad, dem
heutigen Jayapura. Dann fand man Öl und es begann das Jahrhundert der Ausbeutung. Mit der Gründung der Royal Dutch Shell im Jahre 1907 wollte man verhindern, dass
die amerikanischen Ölgesellschaften Caltex und Standard Oil of New Jersey weiter nach Papua eindrangen. Des weiteren legten die Holländer Strafkolonien und
Gefangenenlager für javanische Rebellen an. Die Besetzung Westpapuas durch die niederländischen Eindringlinge ging nicht ohne Aufstände anheim. Immer wieder lehnten
sich die Eingeborenen gegen Zwangsmaßnahmen und Rekrutierungen für den Straßenbau auf. Die Widerstände in der Bevölkerung hielten auch an, als 1942 die Japaner
einmarschierten. Denn anders als es sich die Papua vorgestellt hatten, kamen die Japaner nicht als Befreier, sondern als Unterdrücker, die mit beispielloser Brutalität
alle Freiheitsgelüste zermürbten. Als wirkliche Erlöser wurden dann 1944 die Amerikaner begrüßt, als diese Westpapua von den Japanern befreiten. Der Weg Westpapuas
in die Unabhängigkeit hat sich bis heute nicht erfüllt. Als Spielball der Großmächte wurde es buchstäblich an Indonesien verkauft, obwohl die Bevölkerung den
Anschluss an das Riesenreich nicht haben wollte. Ursprünglich sollte Westpapua wie Neuguinea zum großen Staatenbund von Melanesien gehören, es kam aber anders.
Indonesien erhielt 1963 von der UNO das Land Westpapua vorläufig bis zu einem klärenden Referendum zugesprochen. Indonsiens Diktator Suharto dachte aber nicht im Traum
daran, Westpapua je wieder aufzugeben. Diese kompromisslose Haltung Indonesiens führte schließlich 1965 zur Gründung der Widerstandbewegung OPM, die bis heute aktiv
tätig ist und den Kampf für ein freies und unabhängiges Westpapua keineswegs aufgegeben hat.
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