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Jochen Reitner vom Tegernsee ist ein Taucher der ersten Stunde. Nur, dieser Satz stimmt leider nicht mehr. In einem ersten Interview, das
ich mit Jochen 1990 führte, war sein einziger Wunsch: „Ich möchte gesund bleiben, dass ich auch noch in 20 Jahren in den See springen können und ein paar gemütliche
Tauchgänge machen.“ Jochen Reitner vom Tegernsee war ein Taucher der ersten Stunde muss es heißen, denn das Schicksal hat ihn hart getroffen.
Für
Jochen war der Weg ins Wasser nie sehr weit. Im Sternzeichen Fisch 1940 geboren waren es nur drei Schritte von der Haustüre in den Tegernsee, in der Ortschaft Rottach
Egern. Schon während seiner Lehrzeit zum Automechaniker, die er in München absolvierte, begann er erste Tauchexperimente, indem aus Kriegsbeständen übrig gebliebenes
Material umfunktioniert wurde. Pressluftflaschen rekrutierte man aus U-Boot – Hinterlassenschaften, Zweischlauchregler wurden selbst gebaut und ohne Finimeter,
Tiefenmesser oder Uhr ging es in die Tiefe. Aus heutiger Sicht war das schadlose Überleben dieser abenteuerlichen Experimentalphase von großem Glück begleitet. Ohne
je eine kommerziell organisierte Tauchsportausbildung genossen zu haben, die es damals ohnehin noch nicht gab, wurde Jochen später zum ersten Einzelmitglied im VDST ,
Mitgliednummer 0001. Wie viele Tauchgänge Jochen in den Jahrzehnten seiner Tauchsportaktivitäten absolvierte, kann ich nicht genau beziffern, einige Tausend kommen
da zusammen. Viele davon begleitet von Foto, Film und Videokameras, Was er mit dem Verkauf von Fotos und Filmen einnahm, wurde sofort in neues Equipment investiert,
altes sofort verkauft. So hatte sich keine große Sammlung von Tauchsportrelikten bei ihm angesammelt. Nur eines seiner ersten Tauchermesser, das längst verhökert
worden war, bekam er von einem Freund zum 50. Geburtstag als Geschenk überreicht, er hatte dessen Verbleib ausfindig gemacht und es zurückgekauft. Im Elternhaus am
See führte Jochen den vom Vater eingerichteten Bootsverleih weiter, seine Frau Edith betreute dessen kleinen Andenken und Zeitungsladen im selben Gebäude. Weil er
ein unweit seines Bootsstegs befindliches Seerosenfeld unter Wasser liebevoll betreute und im Frühjahr die jungen Triebe von Schlick und Algen befreite, damit sie sich
zu prächtigen Pflanzen entwickeln konnten, wurde Jochen, den in der Umgebung ohnehin jeder kannte, in der Tauchsportpresse als „Unterwassergärtner vom Tegernsee“
bekannt. Das Thema griff seinerzeit sogar das Bayerische Fernsehen auf und widmete ihm einen gut zehnminütigen Magazinbeitrag. Durch meine Vermittlung wurde Jochen,
der Selfmade – UW-Kameramann sogar eine zeitlang immer wieder für Produktionen der ARD und privater Fernsehsender engagiert. Wenn ihn seine Drehreisen auch zu
vielen exotischen Zielen der Weltmeere führten, seinem über Jahrzehnte besuchten Urlaubsort auf der Insel Elba blieb er treu. Walti Guggenbühl betrieb dort die SUBEX
– Tauchbasis, die Jochens Tauchaktivitäten im Mittelmeer unterstützten. Immer im November, wenn die Sommersaison am Tegernsee beendet war und alle Verleihboote
aus dem Wasser geholt und für den Winter hergerichtet worden waren, ging es mit Frau und Hund für drei Wochen nach Italien. Seine wirklich liebenswerte Frau Edith
tauchte nicht, ließ ihrem „Jochi“ aber auch im Urlaub alle Freiheiten. Am Vormittag ruderte ihn ein alter Fischer hinaus und Jochen absolvierte lange Tauchgänge
mit dem 10-Liter Doppelgerät, alle alleine. Über das einfache, kleine Glück legte sich völlig unerwartet ein tiefdunkler Schatten, Edith erkrankte an einer
besonders aggressiven Form von Krebs und verstarb nach nicht allzu langer Zeit. Jochens Frau war die stille, bescheidene Managerin seines kleinen Ladens, des
Haushalts, im Grunde aller interner Belange, während Jochen sich um den Bootsverleih, das Tauchen und die Foto- und Videoproduktion kümmerte. Ediths Tod bekümmerte
Jochen so sehr, dass er selbst binnen kurzer Zeit schwer erkrankte. Das Tauchen und alles, was damit im Zusammenhang stand, war von heute auf morgen kein Thema mehr.
Unwiederbringlich. Gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage musste Jochen den Bootsverleih aufgeben und führte in eingeschränktem Rahmen den kleinen Andenkenladen
weiter, stark gezeichnet von einer rapide verschlechterten Sehkraft. Und dann der völlige Zusammenbruch, ein schwerer Schlaganfall ließ Jochen einige Zeit
unentdeckt in seinem Haus liegen, bis er zufällig von einem Freund gefunden wurde. Das war das endgültige aus für Jochens eigenständiges Leben. Monatelang lag
er nahezu bewegungsunfähig in seinem Krankenbett, bis ihn intensive Reha - Maßnahmen so weit wieder herstellten, dass er zumindest hin und wieder in einem Rollstuhl
aus dem Zimmer im Pflegeheim gefahren werden kann. Er ist halbseitig gelähmt, kann den linken Arm nur wenig bewegen und das Sprechen beschränkt sich auf ein paar
Worte. Er versteht alles, kann sich aber nicht mehr dazu äußern. „Ja, nein,“ das ist ihm möglich, wenn eine Frage so an ihn gestellt wird, dass das als Antwort
reicht. Seine Sehrkraft ist noch weiter geschwunden. Der einst so fröhliche, kraftvolle und ideenreiche Mensch ist zu einem zutiefst bedauernswerten Häuflein Leben
reduziert worden. Aber wir müssen nun weiterdenken und handeln für Jochen, ein menschlich immer beeindruckendes taucherisches „Urgestein“, das ohne Schuld in
große Not geraten ist. Die elterliche Immobilie am See hatte Jochen mit großer Schuldenlast vom Vater übernommen und es war für Edith und Jochen unmöglich mit ihren
nicht bedeutenden Einkommen, dieses finanzielle Problem je zu lösen. Um Jochens Betreuung im Pflegeheim auch in den nächsten Jahren im aktuellen Umfang zu sichern,
müssen Geldmittel bereitgestellt werden, denn Jochens Mittel reichen nicht mehr sehr lange. Ein Gruppe von Jochens Freunden hat die Initiative ergriffen. Allen
voran der bekannte Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Gerhard Polt, zusammen mit Ingo Vollmer und dem Magazin UnterWasserWelt. Wir wollen, wir müssen Jochen
helfen, einem Menschen, der stets anderen in seiner unnachahmlichen Weise geholfen hat, der vielen am TV-Bildschirm spannende Eindrücke aus den Tiefen der Meere, Seen
und Flüsse zeigen konnte, einem lebensfrohen, bayerischen Original, den das Schicksal so hart getroffen hat. Und jeder ist dazu eingeladen, hier mit zu helfen.
Im Herbst 2010 startet eine Benefiz – Aktion für Jochen Reitner. Bis dahin müssen noch viele Details zusammengetragen werden. Bleiben Sie verehrte Leserinnen und
Leser unserem Anliegen treu und verfolgen Sie unsere Aktion, die nicht auf Spenden allein angelegt, sondern mit attraktiven Vorteilen verbunden sein wird. Auf alle
Fälle können Sie vormerken, dass eine Original – Mares Tauchmaske, die Gerhard Polt bei der Produktion eines Videos zur Benefizaktion getragen hat und von ihm
handsigniert wurde, zur Versteigerung gelangen wird.
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