|
Iklelite UW-Gehäuse für EOS 400D
Über Ikelite - Gehäuse wurde schon viel geschrieben, häufig die Unwahrheit, nicht selten viel Blödsinn und manchmal auch
etwas unter der Gürtellinie. Es liegt vermutlich daran, dass die transparenten UW-Gehäuse aus den USA nicht nur die Fantasie beflügeln sondern auch bei
metallorientierten Menschen Aversionen in Gang setzen und Reizschwellen freilegen. Sicherlich hat sich seit den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts einiges getan. Die
kristallklaren Kamerahüllen sind kräftiger und robuster geworden. Von Leichtathletik kann keine Rede mehr sein. Wenn die bleischwere Handschiene mit den
überdimensionalen Handgriffen montiert ist, wuchtet man ein gewichtiges Stück Gegenwart in die Höhe. Zierlich ist etwas anderes. Aber die Masse flößt auch Vertrauen
ein. Und man ist sicher, einen schnellen 60 m Tieftauchgang hält das gute Stück bestimmt aus. Und auch Sonnenlicht macht ihm nicht gleich den Garaus versetzen. Trotz
UV und Ozon. Denn der transparente Kunststoff ist dagegen resistent. Obschon gegenteiliger Aussagen. Ikelite - Gehäuse muss man so akzeptieren, wie sie geliefert
werden. Sonderwünsche, Umbauten und spezielle Übertragungen gibt es nicht. Sind aber auch nicht erforderlich, denn es wurde gelöchert, was das Zeug hält. Viel zu viel,
aber das kennen wir bereits zur Genüge von der Metallfraktion. Erbaulich ist die Übersicht. Von außen kann man buchstäblich der Kamera unters Kleid schauen. Kein
Eingriff bleibt mysteriös, keine Übertragung unbekannt, kein Hebel anonym. Das ist insofern sehr entspannend, weil man die Kontrolle der Fotogerätschaft immer im Griff
hat, auch bei Wellengang und Strömung. Und ebenso, wenn es mal hektisch wird und der Stickstoff sich anschickt, die Herrschaft über Hirn und Logik anzutreten. Der
Auslösehebel lässt sich sehr gefühlvoll als Pistolenabzug bedienen, die Blendenübertragung kann fix eingestellt werden. Mehr ist eigentlich nicht erforderlich. Von den
21 Übertragungen benötigt selbst ein engagierter 400D-Fotograf nur selten mehr als 4 oder 5…einschließlich der Blitzbelichtungskorrektur. Die da wären:
Auslösehebel, Blende, Zeit (manchmal) und ISO (selten). Verschlossen wird das UW-Gehäuse mit drei Schnappverschlüssen, von denen die links und rechts montierten
sehr knapp an den Handgriffen sitzen, so dass bei unkonzentriertem Öffnen die Greifwerkzeuge in einer Fingerfalle enden. Positiv: Die Verschlüsse besitzen eine
Kindersicherung gegen versehentliches Öffnen. Der Rückdeckel hat das Gewicht und die Maße eines Tresorschranks. Von wegen leichtes Kunststoffhäubchen! Die Stabilität
flößt aber auch Vertrauen ein. Als Rückdeckeldichtung verwendet Ikelite einen Viton O-Ring, der mit allen Fetten eingerieben werden kann. Der O-Ring liegt weder in
einer Nut noch ist er besonders gesichert. Man legt ihn einfach auf die glatte Fläche neben der Rückdeckelabstufung…fertig! Gehalten wird er nur von einer
Überlaufkante. Das ist so simpel, dass man anfangs der Sache nachhaltig misstraut. Aber keine Angst, es passiert nichts, zumal man den O-Ring Sitz aufgrund der
Gehäusetransparenz bestens kontrollieren kann. Etwas umständlich gestalten sich Speicherkartentausch und Akkuwechsel. Hierzu muss die Kamera entfernt werden, weil sie
am Rückdeckel mit einer Schraube befestigt wird. Diese Positionierung gilt heutzutage zwar als veraltet, aber Ikelite geht in diesem Fall seinen eigenen Weg, den man
akzeptieren muss, weil man das UW-Gehäuse im Regelfall nur einmal am Tag öffnen muss, zum Wechsel von Akku oder Speicherkarte. Der Akku übersteht drei Tauchgänge ohne
nachladen. Der Blitzschuhanschluss ist eine Eigenkonstruktion hoher Präzision. Im Rückdeckel sitzt nicht nur die Kamera, sondern auch der TTL-Konverter und die
Blitzbelichtungskorrektur. Möglicherweise sind das die Ursachen, weshalb Ikelite so hartnäckig an der Lösung festhält, die Kamera ausgerechnet dort zu befestigen. Der
Übertragungspräzision tut das keinen Abbruch. Es gibt nur wenige UW-Gehäuse bei denen die Eingriffe so perfekt und so logisch arbeiten, und das bei gleichzeitiger
Kontrolle der Übertragung. Das hohe Gehäusegewicht hat im Übrigen seine Ursache in der schweren Handgriffschiene. Für Transportzwecke ist die Abnehmbar. Aber
aufpassen, dass Sie die Schrauben mit den Distanzscheiben nicht verlegen! An den Handgriffen werden die Blitzarme in sog. Point-Shooting Bauelementen befestigt. Im
Grunde ist es je ein Loch mit Federsteg, der durch Drücken eines Knopfes den Blitzarm für freies Arbeiten in sekundenschnelle freigibt - sofern man das will. Sinn
macht das ohnehin nur mit dem linken Blitzarm. Und dann muss man das Ikelite - Gehäuse mit der rechten Hand führen und bedienen. Machbar ist es, aber nicht sehr
erstrebenswert. Wenn man hingegen das UW-Gehäuse mit zwei adaptierten Blitzgeräten an zwei Händen hält, ist es eine ausgesprochen handliche und ergonomische
Angelegenheit. Etwas unhandlich an Land und auch schwer, aber easy im Wasser. Ausgestattet ist das Ikelite - Gehäuse mit nur einer Blitzbuchse. Sie sitzt hinten am
Rückdeckel. Kontrollieren Sie von Zeit zu Zeit den Sitz des Kabelsteckers. Dessen Kontermutter könnte locker werden. Nach der Montage des oder der Ikelite - Blitze
sollten Sie einen Probeschuss machen, um zu sehen ob alles funktioniert und wie die Kamera blitzbelichtet.
Frontports
Die Eigenwilligkeit von
Ikelite treibt es hier fast auf die Spitze. Während andere Gehäusehersteller mit viel Aufwand und Brimborium Bajonette fräsen und Gewinde schneiden, werden Ikelite -
Ports nur in die Gehäuseöffnung gesteckt und mit zwei Schnappschiebern verriegelt. Da muss man zweimal schlucken, so einfach ist das. Aber man muss auch aufpassen wie
ein Wachhund, denn wenn die Schieber nicht eingeschnappt sind, kann sich der Port verselbständigen, etwa beim Hochreichen des UW-Gehäuses und wenn der Druck nachlässt.
Deshalb den Portsitz immer zweimal kontrollieren. Eine eigenartige Adaption offeriert der Gehäusehersteller beim Fisheyeport. Dieser kann nur mit einem
Distanzstück verwendet werden, weil er sonst mit seiner Fassung an den Schnappschiebern anstößt. Dieses Distanzstück, auch Gehäusezwischenring genannt, muss am
Fisheyeport angebracht werden und die Einheit wird dann von den Schnappschiebern gehalten, kann aber beim Drehen aus der Gehäuseführung gezogen werden. Also aufpassen.
Wir haben viele Tauchgänge damit gemacht, passiert ist nie etwas. Man kann auch davon ausgehen, dass die Art und Weise wie Ikelite diese Dinge angeht, solide und
sicher ist. Auch bei den Ports werden die O-Ringe einfach um die Fassung gelegt. O-Ring Nuten gibt es nicht. Diese Sparsamkeit verbilligt natürlich die
Gerätschaft, weshalb Ikelite-Gehäuse auch für Normalverdiener erschwinglich sind. Zu beachten ist, dass das das 14 mm Superweitwinkel entspricht einem 21 mm
an der 400D – sowohl im Original als auch von Sigma oder Tamron, nicht verwendet werden kann, weil es an der Innenseite des Fisheyedomeglases ansteht. Mit einem
längeren Gehäusezwischenring wäre es aber möglich. Zu etwas Zurückhaltung beim Umgang mit der Gerätschaft zwingt der Umstand, dass die Frontgläser aus Acrylglas
bestehen. Dieser optische Werkstoff ist alles andere als kratzfest. Man sollte sich deshalb insbesondere beim Fisheyeport einer gesitteten UW-Fotografie bemühen. Wild
im Riff hantieren quittiert das stark gewölbte Frontglas trotz des üppigen Stossschutzes mit Kratzern, Schrammen und Macken. Diese kann man zwar zum Teil mit Zahnpasta
und Autopolitur wieder herausschleifen, aber es bleiben sichtbare Spuren zurück. Und das muss nicht sein. Noch ein Wort zum Sucher. Er ist sicherlich nicht das
Gelbe vom Ei, kann sich aber mit vielen Konkurrenzmodellen vom Typ „Galilei-Auge“ am Markt durchaus messen. Wer nicht über eine eklatante Sehschwäche verfügt,
kommt gut damit klar. Positiv ist zu vermerken, dass der Ikelite-Sucher so angelegt ist, dass man den Monitor ungehindert einsehen kann. Bei manchen exorbitant
gebauten Gehäusesuchern geht das zum Beispiel nicht. Gute Sicht ist wichtig, sollte aber nicht den Blick auf das Wesentliche versperren.
Fazit
Da
das Ikelite 400D Gehäuse eine klassische Einheit ist, kommt es für alle Einsteiger in Frage, die komplett mit Blitzgerät abtauchen wollen und sich nicht stückweise an
den Ausbau einer Fotogerätschaft herantasten wollen. Alles aus einer Hand und aus einem Guss, das überzeugt so manchen. Überlegenswert ist das UW-Gehäuse auch deshalb,
weil es sich zumindest näherungsweise am Einkommen der vielen Normalverdiener orientiert. Und das könnte möglicherweise einer der Hauptgründe sein, in die Welt der
transparenten Festkörperschutzhüllen von Ikelite einzusteigen. Die kleinen Einschränkungen wie die Nichtverwendbarkeit von Systemblitzgeräten oder fehlende
Gehäusezwischenringe für die Adaption von Monster-Zooms lassen sich verschmerzen, weil das Übrige, das herstellerseitig vorgesehen ist, auch narrensicher funktioniert.
Mit dem 15 mm Sigma Fisheye ist wegen des Crop-Faktors von 1,6 nur ein Bildwinkel von 106° erreichbar. Oft ausreichend, aber manchmal zuwenig. Echte Fisheyefotografie
mit 180°-Bildwinkel geht nur, wenn das Tokina-Fisheyezoom 10-17 mm installiert wird. Man wird sehen, ob und wie Ikelite diesen Wunsch erfüllen wird. Machbar wäre es,
denn die Zoomübertragung ist serienmäßig. Fehlt nur noch der passende Zahnring. Als perfekter Blitzgerätekompromiss hat sich der Amphibienblitz DS 125 erwiesen.
Empfehlenswert sind zwei davon, weil es der Ausleuchtung gut tut und die Gerätschaft dann sehr stabil im Wasser liegt. Pflege benötigt das Ikelite - Gehäuse nicht mehr
und nicht weniger als die Pendants aus Metall. In lauwarmem Süßwasser tränken reicht völlig aus. Bitte keinen Kunststoffreiniger verwenden und die Gerätschaft nicht
bewusst in die Sonne stellen. Dem Gehäuse macht es weniger aus, aber die Kamera heizt sich auf, weil die Sonnenstrahlen durch die transparente Hülle hineingelangen und
innen ihre Energie abgeben. Dann fotografieren Sie mit einem überhitzten Bildsensor, was farblich zu eigenartige Bildern führen kann. Denn alles vertragen
Bildsensoren, aber keine Hitze.
zurück zum Anfang des Artikels
|