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Der Kreidesee Hemmoor ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und bietet immer wieder Schlagzeilen, im positiven wie auch negativen Sinn. Selbst für das Fernsehen ist das
Treiben im und am See Gegenstand so mancher Beobachtung mit der Kamera gewesen. Die Taucher, echte Hardliner, die mit Zelt und Fassbier anreisen, haben zeitweise das Bild vor Ort
geprägt und "Normalos", die auf diesen schrägen Trubel keine Lust haben, eher abgehalten nach Hemmoor zu kommen. Das Bild hat sich aber geändert, die Sicherheitsstandars
sind gestiegen und Tauchtiefen werden von der betreuenden Basis überwacht. Roland Glorius hat sich für UnterWasserWelt den See angesehen, der bei seiner Recherche vor Ort eher
knappe Sichtweizen bot - doch dafür schien die Sonne.
Viele Jahre ist der Kreidesee in Hemmoor schon eine Attraktion für Taucher. Von nah und fern reisen sie,
teilweise sogar aus West- oder Süddeutschland an. Hemmoor ist ein kleines Dorf, das sich im Kehdinger Land befindet, zwischen Stade und Cuxhaven. Man erreicht es über die
Bundesstrasse aus Richtung Cuxhaven oder Stade und über die Autobahn aus den Richtungen Bremen, Hamburg oder Hannover, über die man auf die erwähnte Bundesstrasse trifft.
Nachdem der Kreideabbau eingestellt worden war, wurde der See geflutet. Die Tiefe von 60 m hatte sofort einige mutige Taucher angelockt. Am Anfang kursierten
Schauergeschichten über den See. Tief sollte er sein, kalt und gefährlich. Hinzu kam, dass der See schon einigen Tauchern das Leben gekostet hat. Es war aber stets durch
taucherische Fehler zu den gefährlichen Situationen gekommen. Nach und nach wurde der See für die Taucher ausgebaut und auch sicherer gemacht. Es gibt 5 offizielle Einstiege am
See und an jedem befindet sich eine Notrufsäule. Der See kann Sichtweiten zwischen 10 und 30 m aufweisen. Es ist Tatsache, dass der See auch im Sommer in der Tiefe kalt ist.
Im Winter ist ein Trocki Pflicht, im Sommer genügt ein Halbtrockener oder bei Tauchgängen, die bis 20 m gehen, ein Nasstauchanzug. Eine Tauchbasis mit einem kleinen Laden hat
die Aufsicht über den See. Hier muss jeder Taucher Eintritt bezahlen und es wird das Brevet kontrolliert. Es gibt eine Tiefenbeschränkung für Taucher, die sich nach der
Ausbildungsstufe des Tauchers richtet. Wird nach einem Tauchgang der Tiefenmesser kontrolliert, und der Taucher war zu tief, kann er mit Tauchverbot rechnen. Apnoetaucher haben
den See auch schon für sich entdeckt. Für sie gibt es eine extra Plattform. Jede Sehenswürdigkeit im See ist mit einer Boje gekennzeichnet. Taucher können am See campen oder
eine Ferienhütte mieten. Zur Zeit kostet eine Tageskarte 9,- €.
Übersicht, was den Taucher an den 5 Einstiegen erwartet:
E 1 Hier führt eine
ehemalige Straße ins Wasser. Nach gut 50 m erreicht man einen alten VW-Polo. Anfänger können zurücktauchen oder man taucht weiter zum E 2 oder gar E 3. Dabei geht es an einem
steilen Ufer entlang und durch einen Wald.
E 2 Hier steigt der Taucher über einen Steg ins Wasser ein. In der Nähe soll es einen großen Zander geben. Hier ist man
direkt beim Wald und es geht schnell steil bergab.
E 3 Das ist der spektakulärste Einstieg. Äußerlich ähnelt er E 2, aber wegen der Tiefe unter dem Steg, ist
dieser Einstieg für Anfänger nicht geeignet. In einiger Tiefe unterhalb des Steges führt ein Leitseil zum Geländer des Rüttlers. Dieses ist ein spektakuläres Bauwerk aus dem
Kreideabbau. Am Fuße des Rüttlers ist man 32 m tief und hier liegt das Fahrwerk eines alten PKWs (geschätzt R4). Wer möchte, kann noch über eine Holztreppe auf die Tiefe von 55
m tauchen.
E 4 Dieser Einstieg liegt ziemlich am Ende des Sees. Der Nachteil ist hier ein anstrengender Anmarschweg mit dem Gerödel, da hier nicht direkt geparkt
werden kann. Über Terrassen geht es abwärts bis in eine Tiefe von 40 m. Hier liegen zwei Wohnwagen und ein Bootswrack auf dem Seegrund.
E 5 Hier ist mein
Lieblingseinstieg. Vorbei geht der Weg am Fischzuchtgebiet zu einem Steg. Auch hier kann der Taucher mühelos ins Wasser gelangen. Wie fast überall fällt der Grund rasch steil ab.
Geradeaus vom Einstieg liegt auch ein Bootswrack auf dem Grund. Wer sich rechts hält, kommt an einigen Bäumen vorbei, an eine richtige Steilwand. Diese ist mit
Muschelkolonien besetzt und weiße Schwämme zieren die Wand. Oft stehen große Forellen regungslos im Wasser, oder es ziehen Saiblinge vorbei. Am Grund der Steilwand ist es 55 m
tief.
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