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In diesem Jahr hatten wir uns zu einem Hai-Workshop im August bei Dr. Erich Ritter auf Walker’s Cay auf den Abacos angemeldet. Unsere Erwartungen waren hoch, wir hatten und haben auch keine Angst vor Haien und wollten einfach einmal mehr erfahren als bei einer zufälligen Begegnung mit einem Hai während eines Tauchurlaubs auf den Malediven, Mauritius oder anderen Tauchplätzen. Eigentlich waren es auch keine Erwartungen, sondern vielmehr Träume, deren Erfüllung wir erhofften – und die bei weitem übertroffen wurden.
Die Durchführung und Buchung der Reise nach Walker´s Cay stellten wir uns mit Hilfe der GREENMARINE Organisation von Dr. Ritter zusammen. Anflug nach Ft.
Lauderdale/Fl. und von dort aus ging es mit einem kleinen Turboprop - Flugzeug nach Walker’s Cay.
Walkers selbst ist die kleinste der Abacos Inseln an der
nördlichen Spitze der Bahamas, ca. 140 Meilen vor der Küste Floridas. Diese kleine Insel ist durch Bäume, Büsche und auch Palmen sehr grün und bietet außer einem
Jachthafen für Hochseeangler nur noch eine bekannte Tauchbasis für die Unterwasserfreunde. Wassertemperatur 28° und Lufttemperatur 34-38° waren die Eckwerte des
täglichen Lebens. Eine dezent in die Landschaft gebaute 2-stöckige Hotelanlage bietet einen normalen Komfort. Die Menschen sind freundliche Bahamenians und immer
hilfsbereit.
Hier trafen wir nun auf die anderen Teilnehmer, weitere sechs Taucher aus Kalifornien, Russland, England, und der Schweiz und auf Dr. Erich
Ritter. In einem kleinen Raum, der Hotel-Lobby angeschlossen, hielt Dr. Ritter sechs Tage lang seinen theoretischen Teil des Workshops ab. 90 Minuten wurden uns anhand
von Dias, Videos und Zeichnungen die Verhaltensmuster der Haie und das tiefere Verständnis für diese Tiere näher gebracht.
Nach der „Lehrstunde“ waren ein
gemeinsames Abendessen und ein erstes/letztes? Taucherbier angesagt.
Das Gehörte und - hoffentlich - Erlernte wurde beim täglichen Tauchen in der Praxis
ausprobiert bzw. umgesetzt. Bei 3 Tauchgängen täglich wurde mindestens 1 Tauchgang den Haien gewidmet. Beim Fütterungstauchgang, ein tiefgefrorener Köder von
Fischabfällen wurde unter der Wasseroberfläche an einem Haken aufgehängt, versammelten sich 50 – 70 Haie der Arten Schwarzspitzen-Riffhai, Ammenhai und
Karibischer Riffhai um 30 - 50 Minuten die 150 l tiefgefrorenen Fischabfälle zu verschlingen. Einen extremen Fressrausch konnten wir nicht ganz nachvollziehen,
alles schien einer bestimmten Ordnung zu unterliegen. Es war auch eine andere Situation als bei zufälligen Haibegegnungen, wir haben sie nicht gesehen, wir waren unter
ihnen. Bei diesen Tauchgängen waren nicht nur die Seminarteilnehmer sondern auch „normale“ Taucher der Tauchbasis dabei. Tauchguides sorgten dafür, dass kein
Taucher im Fotofieber dem „Chumsicle“ ( = Fisch Lollipop) zu nahe kommt. Die Haie waren aufmerksam, neugierig und ständig präsent, ohne dass bei irgendeinem
Taucher Angstgefühle ausgelöst wurden.
An jedem 2. Tag wurde ein Haitauchgang am selben Tauchplatz nur für uns Seminarteilnehmer durchgeführt. Kein
Fütterungstauchgang, dadurch wurden die Haie nicht durch Futter abgelenkt und wir hatten die Möglichkeit, das Verhalten der Haie in aller Ruhe eine Stunde zu studieren
und mit den Haien interaktiv umzugehen. Was heißt interaktiv ?
Die Körpersprache der Haie, die Schwimmhaltung, die Stellung der Flossen wird gelesen und dadurch
die Absicht des Hais offenbar. Nach einiger Übung kamen wir den Haien so nahe, dass wir sie berühren konnten und durch bewusstes eigenes Verhalten im inneren Kreis des
Hais, das Tier dazu bringen konnten den Taucher zu umrunden, den Taucher aktiv mit den Sensoren abzutasten und ein „Verhältnis“ zwischen Mensch und Tier
herzustellen.
Ein spezieller Höhepunkt waren zwei Schnorcheltauchgänge an einem Küstenstreifen von Walkers. Hier erwarteten uns Bullenhaie, Zitronenhaie,
Schwarzspitzen-Riffhaie und Ammenhaie in seichtem Gewässer. Von Land aus wurden Fischreste und Fischblut vor die am Felsen im Wasser liegende Schnorchelgruppe verteilt
und die Tiere kamen auf Armabstand an uns heran. Trotz einer für die Tiere stressgeprägten Situation durch das Flachwasser war auch dieses Zusammentreffen mit den
Haien ein positiver Höhepunkt und keine Angstsituation. Verblüffend dabei die Art der Kontrolle der Schnorcheltruppe, nämlich durch Wahrnehmung von anormalen
Verhaltenssituationen der Tiere. Anhand unruhiger Tiere, schnellerer Schwimmbewegungen, aufgeregteren Schwimmmustern merkte Dr. Ritter sofort, ob sich in der
Menschengruppe jemand unkontrolliert verhielt.
Es ist das Verdienst von Dr. Ritter, dass allen Teilnehmern durch das Seminar und die Nähe zu diesen Tieren NIE
der Respekt vor der Spezies Hai abhanden gekommen ist. Sicherlich fördert der Workshop das Verständnis, räumt mit Vorurteilen auf und fordert zum balancierten Umgang
mit den Tieren auf. Aber alles unter Beachtung gelernter und innerer Wahrung der Hochachtung vor diesem vollkommenen Geschöpf Hai.
Fazit:
Ein
Seminar, das nie als „Work“shop empfunden wird. Diese Lernstunden sind Sternstunden. Das Zusammentreffen mit der großen Anzahl von Haien auf engstem Raum ist nie
bedrückend, sondern veranlasste uns Taucher in ein Stadium des unwirklichen Entrücktseins zu verfallen. Man erlernt, das Verhalten der Tiere zu deuten, um ungute
Situationen von vornherein vermeiden zu können. Man verlernt aber nicht den Respekt vor diesem perfekten Geschöpf. Und man lernt einen Mann kennen, der unser aller
Hochachtung empfing. Er hat uns das Geschöpf Hai näher gebracht, denn er hat uns gezeigt, wie der Hai wirklich ist. Durch ihn haben wir festgestellt, der Mensch muss
etwas FÜR den Hai tun, nicht gegen ihn. Wir werden es versuchen.
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