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Ich habe das Gefühl, dass kaum eine Sportart so viele besserwissend geschwätzige Onlinenutzer produziert, wie das Tauchen. Quer durch die gesamte Bandbreite, von Ausrüstung
über Reise und Fotografie teilen sich in einer Vielzahl von Foren Menschen, oft hinter einem Pseudonym versteckt, anderen mit. Der Wettkampf um die Vorherrschaft, die
päpstliche Meinungsverbreitung als Ziel und Zweck, ist vielfach auszumachen. Einen Bildschirm vor Augen und eine Tastatur unter den Fingern, schon ist man mitten drin im
Gewühl der Anschauungen. Das eine nicht geringe Menge der geposteten Inhalte den Zeitaufwand des Lesens nicht wert ist, scheint beim virtuellen Schattenboxen kaum eine Rolle
zu spielen. Die gefühlte Mehrzahl der in Foren aktiven Teilnehmer verbreitet den Eindruck, dass sie zur Klientel der notorischen Nörgler gehören, Menschen also, denen man in
der Nachbarschaft weiträumig aus dem Weg zu gehen versucht. Der umfassende Blick hinter die Bühne der Tauchsportszene fehlt ihnen natürlich, Hintergründe und Zusammenhänge können
sie nicht kennen. So zimmern sie sich ihre eigene Realität zusammen und beglücken mit ihren Schlussfolgerungen beschwörend den Leserkreis. Und was auch noch schwer wiegt und
psychologisch nachweisbar ist, negative Erlebnisse multiplizieren sich weitaus häufiger als angenehme. Wer negative Erfahrungen machte ist wesentlich engagierter, sich mit dieser
Meldung zu verbreiten, als jene, die tolle, positive Erlebnisse hatten. Die wirtschaftliche Situation des Betroffenen ist ein weiterer Multiplikator für die überzogene
Verstreuung subjektiver Meinungen. Wer sich eine Reise, ein Ausrüstungsteil erst nach langem Ansparen kaufen kann, ist empfindlicher gegenüber im Einzelfall möglicher
Reklamationen. Dazu kommt, dass ein auf den Cent achtendes Klientel seinen finanziellen Einsatz emotional wesentlich höher aufhängt und etwa bei Reisen eine mindestens
120-prozentige Erfüllung ihrer Vorstellungen voraussetzt. Ich stehe seit langer Zeit unter dem Eindruck, dass sich ein nicht geringes Klientel nur wichtig
machen möchte und sich über die persönliche Verantwortung für die online verbreiteten Kommentare nicht bewusst ist. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein wirklich teures
Gut. Man muss sich aber im Klaren sein, was eine freie Meinungsäußerung ist. Beleidigungen, Geschäftsschädigungen und üble Nachreden gehören nicht in den Topf der freien
Meinungsäußerung. Heimtückisch dabei der Umstand, dass die Betroffenen einer verbalen Verunglimpfung in Foren - wenn überhaupt – erst sehr viel später davon erfahren,
die Möglichkeit eine wirkungsvolle Stellungnahme abzugeben, ist dann längst vorbei. Das alles geschieht, ohne einem Gegenüber in die Augen schauen zu müssen.
Früher traf man sich nach dem Hallenbadtraining m Vereinslokal des Tauchclubs, die meisten am Stammtisch blieben aber trocken und besetzten frühzeitig die
Plätze nahe am Präsidium, um ein wenig vom Flair der Führungspersönlichkeiten abzubekommen, als seien die Vorstände Feen gleich, deren Glitzerstaub dem willfährigen Fußvolk ein
wenig Pracht und Anerkennung verleihen könnte. Tat man als Jungspund im Verein über einen Atemregler oder eine Flosse eine abfällige Bemerkung, war eine verbale Abmahnung von
Mann zu Mann schnell erledigt. Was der Vorstand tauchte war abseits jeder Kritik. Und denke ich darüber nach, vieles stimmte. Da stand in den 80er Jahren eine Erfahrung dahinter,
die heute ein Überflieger - Tauchlehrer mit goldener Tanzkarte bei der Inseldisco nicht im wohlwollendsten Traum deckeln könnte.
Und da frage ich mich aktuell: Tauchsport
– quo vadis? (Für die Nicht – Lateiner frei übersetzt: Tauchsport, wo geht’s lang?) Meiner Meinung nach sollten jetzt die Ausrüster und Importeure wieder das
Sagen haben und das Geschwätz einer an allen Produkten nörgelnden Klientel – fast hätte ich mich zu einem psychologischen Fachbegriff hinreißen lassen – völlig
ausblenden. Wir brauchen eine positiv Gestimmte Szene, angenehme und fröhliche Farben im Anzug – und Ausrüstungsbereich, gute Ausbildung und Fachberatung. Unbrauchbares
(Online-) Geschwätz dient nur den Selbstzwecken weniger Gruppierungen.
Es ist wert, darüber nachzudenken.
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