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Kulinarisches Divestyle - Magazin DIVE & DINE

Glosse: Man spricht Deutsch

Die Bühne ... © UWW

Pünktlich um 15:15 Uhr kann die Show wieder beginnen. Es haben sich nicht viele – zugegeben unfreiwillige – Zuschauer eingefunden, die eigentlich nur einen Snack einnehmen wollen, eine Cola trinken in der Bar des kleinen Maledivenresorts.

 Angenehmer Reggae der Gruppe UB 40 breitet in zurückhaltender Lautstärke einen erfrischen Klangteppich über den weitläufigen Raum mit seinen offenen Wänden und dem hohen, geschwungenen Dach, das aus geflochtenen Palmblättern zusammengefügt ist.
Sein Auftritt verheißt stets wenig Gutes. Bewaffnet mit einem Blueberry – Mobiltelefon, einem Palm – Computer und zwei Schachteln Zigaretten der Marke Freiheit und Abenteuer bestapft der unangenehme Protagonist, ein untersetzter, grauhaariger Mittfünfziger, mit hektischen Schritten von links die Bühne. Rotes Hemd, rote Shorts, dicke Brille mit breiten schwarzen Bügeln, herrischer Blick. Schon ohne etwas zu sagen verbreitet er Unruhe, Unfrieden und Unbehagen. Wären seine Beine länger und die Stühle an der Bar niedriger, er hätte sich gerne demonstrativ und seine Wichtigkeit unterstreichend in den Stuhl fallen lassen, so kann er nur mit dem rechten Teil seines Sitzmuskels auf dem Hocker hängen, allzeit bereit zum Absprung.
Der Ober kennt ihn schon und ohne bestellen zu müssen, stellt er dem Gast eine Tasse Kaffee hin und verschwindet sogleich in der sicheren Deckung am hinteren Ende des Tresens, für maledivische Verhältnisse emsige Betriebsamkeit vortäuschend.
Was wird wohl heute gegeben?
„Ihr seit doch alles nur Pfuscher,“ tönt es durch den Raum, alle anderen Geräusche und den aparten musikalischen Hintergrund überdeckend. „Was für Arschlöcher hast du da – alles nur Pfuscher. Das musst du mir ersetzen. Alles, und wage es nicht – was du widersprichst – das wagst du nicht noch einmal!“ Im dialektischen Tonfall Pforzheims, einer Volksgruppe, die sich durch lautstarke Sätze ohne Punkt und Komma auszeichnet, für deren Länge es auch kein zeitliches Limit gibt, legt der peinliche Deutsche so richtig los.
„Was für Pfeifen lässt du an die Titanstangen, alles verbohrt! Sag ja nichts, das musst du mir alles bezahlen….“ Erstaunlicherweise findet er in seinem Redeschwall noch die Zeit eine Zigarette mit der nächsten anzuzünden und verpafft übelgelaunte Rauchwolken im bis vor kurzer Zeit noch als Idyll ausgewiesenem Raum. Keine Chance sich dem Spektakel zu entziehen, dessen Ursache dem Rest des Publikums den Rücken zeigt. Auch wenn man sich bemüht nicht auf die Quelle der Peinlichkeitenshow zu starren, akustisch kann man sie nicht ausblenden.
„Nein, du hältst jetzt das Maul, ich rede jetzt – zieh die Pfuscher sofort zurück und bring das in Ordnung…., nein, du bezahlst das alles“
Die ersten 15 Minuten der Vorstellung sind vorbei, die dem touristischen Sahnestückchen einen Kaffee, zwei Zigaretten und € 30,- Telefongebühren gekostet haben. Die Pause im telekommunikativen Krieg des mittelständischen Unternehmers mit Selbstdarstellungsneurose nutzt der Barmann, um die nächste Tasse Kaffe zu servieren, die anderen Ober trauen sich mit verdrehten Augen auch wieder für einen Moment aus der Defensive und liefern die vor Programmbeginn georderten Getränke und Snacks aus.
Ohne Gong geht es in die zweite Runde, jetzt ist wohl das Pfuschopfer an der Reihe. Mit künstlich beruhigter Stimme, fast flötend und mit einem Schuss souveräner Jovialität gewürzt, wird dem Opfer seines Unternehmens die geringe Tragweite der falsch ausgeführten Arbeiten zu vermitteln versucht. Allerdings immer noch in einer Lautstärke, als müsse die Distanz Nordmale-Atoll - Pforzheim akustisch ohne technische Hilfsmittel überwunden werden.
„…. Ja, jaaaaa, ------ ja, da kann man dann etwas verlängern, das macht gar nichts, überhaupt kein Problem, ja, ja, meine Leute sind dran, die können das, ja, ja, …..“
Auch dieser Teil des Dramas, das sich zweifellos im eigenen Bungalow, ohne Zwangsbeteiligung diverser Zuhörer hätte abspielen können, dauert weitere 10 Minuten um dann ein vorläufiges Finale Furioso anzusteuern, bei dem die Sekretärin ihr Fett abbekommt.
Jeder zweite Satz beinhaltete so viele Gründe als Angesprochene sofort fristlos zu kündigen und eine sechsstellige Abfindung einzuklagen, dass man sich nur wundern kann, was sich Menschen, selbst auf eine Distanz von 10.000 Kilometern, so alles gefallen lassen.
„Und dann buchen sie für Freitag einen Flug – ja natürlich mit Emirates! Und Donnerstag wieder zurück! Haben sie das endlich? Geben sie sofort Bescheid!“ Grußlos wird das Gespräch beendet.
Emirates ist gut. Die haben von Male aus einen etwa einstündigen Zwischenstopp in Dubai, bis es nach Deutschland weiter geht, gerne am letzten Gate ankommend und dann quer durch den riesigen Flughafen zum Abflugschalter gehastet – das ist sicher nach dem Geschmack des Proficholerikers, da kann er Dampf ablassen, in der Eile aber keine Zigarette dabei rauchen, dann das mag wohl der Grund für die Wahl der Emirates Airline sein, die haben einen Zwischenstopp und nur da kann der nikotinsüchtige Klabautermann schnell ein Päckchen durchziehen. Und zurück gibt es dann einen vierstündigen Aufenthalt in Dubai, so von 1:00 Uhr bis etwa 5:00 Uhr, da hat er dann ausgiebig Zeit im bombastischen Duty Free einen Sack brennbarer Freiheit und Abenteuer zu bunkern. Vielleicht gibt es ja auch passende Titanstäbe im Angebot, gleich mit Bohrer dazu.
Aber bevor es Freitag wird, will man noch nicht glauben, dass der Insel ein wenig Erholung gegönnt sein wird. Am Vorabend sieht man ihn in ungewöhnlicher und wohl gerade erst eingeflogener Begleitung, einer blonden Wallküre mittleren Alters, die ihr Gastgeschenk, eine Stange – nein, nicht aus Titan - Tabakröllchen unter Arm hat…
Und war das alles nur eine Fata Morgana? Ausprobiert am nächsten Tag, auch um 16:00 Uhr ist der Stuhl unbesetzt, gut für die Insel, schlecht für die Mitarbeiter der Firma, deren kurze Verschnaufpause vor hautnahen Konfrontationen ihr Ende zu finden scheint.
Wenn er zurückkommt, dann ist Ramadan, alles geht dann auf der Insel etwa langsamer, leiser. Da passt er dann wieder in die Szenerie wie die Faust aufs Auge…

PS:: UnterWasserWelt entschuldigt sich für die wahrheitsgemäße Wiedergabe fäkalsprachlicher Entgleisungen...

by Michael Goldschmidt 9.08

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