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Genie trifft Wahnsinn
SEACAM Silver Profigehäuse mit Canon EOS 1n und 1n RS
Wie die Kamera, so stellt auch das zugehörige, spezielle UW-Gehäuse eine Klasse für sich dar. Mit diesem Maßanzug hat sich der Hersteller quasi selbst überholt und
ein Limit gezogen, das von den meisten Konkurrenten nicht einmal in einem ruinösen Kraftakt erreicht werden kann. Herbert Frei zeigt, wie sich Kameras vom Stile einer
EOS 1n RS wohl fühlen und wo für UW-Fotografen das Paradies beginnt.
Lange hat es gedauert, bis sich ein Gehäusehersteller an den Bau einer wasserdichten Metallhülle für die Profikamera Canon EOS 1n bzw. 1n RS gemacht hat. Nachteil der
EOS war immer ihr kleiner Pentaprismensucher, der selbst als High-Eyepoint-Sucher gegen die Sportsfinder der konkur- rierenden Nikon-Kameras F4 und F5 immer wie ein
miß- glücktes Linsengericht aussah. Wer wollte schon eine Profi- kamera mit unter Wasser nehmen und die Motive im Sucher mehr ahnen als sehen? An dieser Crux konnte
auch Canons perfekter Autofokus nichts ändern, die Reihe EOS 1n / 1n RS blieb unter Wasser ein verkanntes Mauerblümchen.
Mit diesen Zicken hat SEACAM nun endgültig aufgeräumt. Harald Hordosch eilt ein furchteinflößender Ruf voraus: Glaubt die Konkurrenz doch, er sei mit höheren Mächten im Bunde gewesen, als er seine silbrig schimmernden Gehäuse modellierte und den Sportsucher entwickelte. Sei's drum! Das vorliegende UW-Gehäuse setzt jedenfalls Maßstäbe in jeder Beziehung, ist ein innovativer Meilenstein, der seinesgleichen sucht. Das fängt mit dem Gehäusematerial an, das der Hersteller als Silberguß bezeichnet und nicht mehr geschliffen, grundiert und lackiert werden muß. Das in der Fachwelt als Hydronalium bekannte Metall ist für seine extreme Porendichte und Salzwasserresistenz bekannt. Schneidet man den Silberguß durch, sieht man die silberne Farbe bis ins Zentrum des Gusses. Vorteil: Kratzer und Scharten werden nicht mehr als andersfarbige optische Störungen empfunden. Da UW-Gehäuse ab einer bestimmten Preiskategorie auch mit dem Auge gekauft werden, stößt das SeaCam-Silver in den Markt wie ein Falke in einen Sperlingsschwarm. Innen ist das EOS 1n RS-Gehäuse akkurat mit einem schwarzen, lichtschluckenden Kunststoffüberzug ausgeflockt, der optisch hervorragend mit dem hellen Guß kontrastiert. Qualitativ steht das SeaCam-Silver so weit oben, daß man sich unwillkürlich fragen muß, ob es denn wirklich noch besser geht?
Lichtblick
Das Problem aller Kleinbildkameras, sofern es sich nicht um Wechselsuchermodelle handelt, ist unter Wasser der kleine
Suchereinblick. Auch diverse Hilfssucher und Galileioptiken, wie immer man diese Konstruktionen auch nennen mag, können an diesem Zustand nur wenig ändern. Zwar kann
man dann das Sucherbild voll einsehen, aber häufig wird es, je nach Linsenkonstruktion, erheblich kleiner, was zur Folge hat, daß die manuelle Scharfeinstellung kaum
noch möglich ist und Brillenträger oftmals die Sucherdaten nicht mehr richtig entziffern können. Ein Teufelskreis, wenn dann noch die Maske angelaufen oder mit
Wassertropfen behaftet ist.
Am idealen Hilfssucher wird schon seit Jahrzehnten gefummelt, gebastelt und probiert. Unzählige Konstruktionen und Varianten wurden
entwickelt, befriedigen konnte aber letztendlich keine der vielen Lösungen. Nun scheint SeaCam der ultimative Wurf gelungen zu sein. Der vom Hersteller als
45°-Sportsucher betitelte optische Anbau ist mit weitem Abstand das Beste, was auf diesem Gebiet je entwickelt wurde. Und er darf als die erste echte Innovation im
Kameragehäusebau seit mindestens 15 Jahren bezeichnet werden. Keine Übertreibung, sondern Realität.
Der S45 Sportsucher besitzt eine Sucherfläche, die etwa der
eines echten Sportsuchers entspricht. Allerdings verliert das Bild durch die Vergrößerung etwa eine Blende, was aber vom Auge als gegenstandslos betrachtet wird. Man
könnte nämlich auch sagen: "Nur eine Blende"? Denn es darf als kleines technisches Wunder betrachtet werden, wie hell der Sucher bei dieser Größe ausfällt.
Kein Vergleich zum alten Elswijk-Sucher von Hugyfot, der einmal führend auf diesem Gebiet war. SEACAM-Eigner Harald Hordosch beeilt sich denn auch zu bekunden, daß
möglicherweise eine optische Grenze hinsichtlich Preis und Relation erreicht sein dürfte. Hinsichtlich des Preises sicherlich, denn der S45 Sportsucher kostet aufgrund
der kleinen Stückzahlen nur unwesentlich weniger als der Sportsucher zur F5 von Nikon.
Ist er es wert? Uneingeschränkt ja, denn es handelt sich um den ersten
45°-Schrägsucher seit den seeligen Tagen der Pentax LX. Wer nicht weiß, was das bedeutet, dem sei folgendes gesagt: Mit dem SeaCam-Sucher kann man bequem in
Schwimmlage fotografieren, bodennahe Objekte ablichten, ohne sich in den Grund bohren zu müssen. Wer gerne im Makrobereich fotografiert, aber glaubt, aus
umweltschützerischen Gründen sich nicht mehr hinlegen zu können, wird mit diesem Sucher ein neues Glücksgefühl erleben. Und kommod ist das Ganze ohnehin, weil die
Maske am gummierten Sucherrand aufgelegt werden kann und somit Streulicht abhält. Doch der Sucher wartet noch mit einer Weltneuheit auf. Er ist nämlich unter Wasser
drehbar (360°), kann somit bei hochformatigen Aufnahmen in eine ideale Position geschwenkt werden. Nun ist möglich, was noch nie gut bei sedimentartigem Untergrund
funktioniert hat, das Ablichten von Bodenmotiven im Hochformat ohne große Schlammwolken und Sandverwirbelungen. Weil man das bei einiger Übung sogar freischwebend
hinbekommt.
Von eher untergeordneter Bedeutung ist das plötzliche Abdunkeln des Bildes, wenn man nicht zentral durch den Sucher schaut. Die praktische
Handhabung erfordert deshalb etwas Training, dann passiert einem das nur selten bis gar nicht mehr. Wichtig für Brillenträger: Der SeaCam-Sucher kann auf Plus/Minus
drei Dioptrien eingestellt werden. Zusammen mit der Dioptrieneinstellung am Kameraokular reicht das für die meisten Fehlsichtigen gut aus.
Welche Vorteile ein
großes Sucherbild beim Gestalten der UW-Aufnahmen mit sich bringt, merkt man schon beim ersten Tauchgang damit. Zusammen mit dem feststehenden Spiegel der EOS 1n RS
kann man jede Aufnahme bis in die Ecken betrachten und kann selbst beim Auslösen noch Perspektiven- bzw. Aufbaufehler erkennen und ad hoc berichtigen. Insbesondere
übersieht man die Formatecken und Bildränder, damit einem keine störenden Details hineinragen oder Taucher hineinschwimmen. Daß der drehbare 45°-Sportsucher im
Rückdeckel des Gehäuses fest installiert ist, macht ihn zu einem unproblematischen Accessoire ohne Pflege und technische Voraussetzung für den Anwender. Anders als bei
den im Okular aufschraubbaren Hilfssuchern ist ein störungsfreier und unkomplizierter Filmwechsel bei eingebauter Kamera gewährleistet.
Montage und Eingriffe
…öffnet man die Schnappverschlüsse an der Seite, springen diese mit dem Plopp einer Panzerschrank-Tür auf. Der Blick fällt in eine Art
Kommandozentrale zur Steuerung eines Rennwagens. Die Präzision hat bei SEACAM einen Höhenflug erreicht, der sich bereits außerhalb irdischer Sphären befindet. Setzt
man die Kamera hinein, fügt sich alles wie von selbst. Wohl noch nie gab es eine so perfekte Anpassung ohne Justieren, Probieren, Fummeln und Tricksen. Sitzt die EOS
1n RS erstmal auf der Kameraplattform, muß sie nur noch mit der gesicherten Stativschraube festgemacht werden. Und dann passen alle Eingriffe auf den Punkt. Nichts
rutscht durch, nichts geht schwer, nichts macht Pro- bleme. Es ist so, als wäre die EOS in diesem Bett geboren worden. Eng, aber heimelig.
Das Gehäuse verfügt
über 11 Eingriffe mit sage und schreibe 17 Übertragungen. Unter- schätzen Sie diese Vielseitigkeit nicht. Wer nicht ständig mit dem Gehäuse arbeitet, sollte deshalb
vor dem Urlaub einige Trockenübungen veranstalten. Die Technik der Doppelbelegung beherrscht SEACAM mit sogenannten Wippschaltern. Am Gehäuse stehen deshalb überall
leicht verständliche Kürzel, die einen zielsicher zur gewünschten Funktion führen. Bei den Übertragungen war nichts zu teuer. Um die beiden elektronischen Schalträder
an der Kamera bedienen zu können, hat SEACAM auf die windigen und zum Durchdrehen neigenden O-Ring-Reibräder verzichtet und als Novum echte Verzahnungen eingebaut.
Diese beiden wichtigsten Eingriffe kann man vorne mit dem Zeige- finger und hinten mit dem Daumen bedienen, während die Hand weiterhin am Griff verbleibt.
Freunde der manuellen Einstellung werden aufmerksam bedient. Links befinden sich die Drehknöpfe für Blende und Entfernung, sofern das bei diesem AF-Wunder überhaupt
noch jemand benötigt. Denn im AF-Modus ONE-SHOT kann man auch über den gehäuseseitigen Auslösehebel die Schärfe sehr feinfühlig durch leichtes Drücken des Auslösers
speichern. Man muß dazu nur den grünen AF-Indikator-Punkt links unten im Sucher beobachten. Bleibt er grün, kann man die Kamera mit der gespeicherten Schärfe beliebig
schwenken, drehen oder kippen. Und das geht Dank des großen Suchers auch mit Tauchmaske sehr gut. Das rote AF-Dreieck in der Bildmitte hat dabei nichts zu sagen. Es
zeigt nur das aktivierte AF-Feld an und erlischt, wenn das Bild scharf ist.
Ein Gag, aber ein durchaus probater, ist der für die linke Hand vorgesehene
Daumenschalter zur Aktivierung des Pilotlichtes. Bei einem aktiviertem Subtronic-oder SeaCam-Blitz kann man damit per Daumendruck das Pilotlicht ein- und ausschalten.
Wenn beispielsweise der AF infolge mangelnder Helligkeit zu Fahren beginnt und keinen Schärfepunkt mehr findet, tippt man kurz an und der AF hat wieder genügend Licht,
um seine Ar- beit zu verrichten. Sinnvoll in jedem Fall, da man immer gerne mal schnell wissen möchte, welche Farbe ein Motiv hat. Nützlich aber auch deswegen, weil
man die Hand nicht mehr von der Kamera wegnehmen muß, um das Pilotlicht über den Drehknopf am Blitzgerät einzuschalten. Eingriff auf Mode und die AF-Betriebsart sind
genauso wie die Displaybeleuchtung und die Plus/Minus- Korrektur der Tagesbelichtung Doppelbelegungen und am Mittelteil des Gehäuses angebracht. Der Auslöse- hebel ist
für den rechten Daumen vorgesehen. Man wünscht ihn sich etwas ergonomischer, also der Daumen- form angepaßt, wodurch er mit dicken Handschuhen im Süßwasser, besonders
beim Eistauchen, etwas gefühl- voller bedient werden könnte.
Weitere Eingriffe befinden sich im Rückdeckel, wie die äußerst wichtige Blitzbelicht-
ungs-Korrektur und die für Profis und Wettbewerbsfotografen durchaus notwendige Umschaltung der Belichtungsmeßart (Spot, mittenbetont integral, Mehrfeldmessung).
Ebenso die Speicherung der Belichtungsdaten und die mitunter wichtige Umschaltung der AF-Meßfelder. Um Funktionen dieser Art aber wirklich irrtumsfrei und sinnvoll
unter Wasser bedienen zu können, erfordert dies vom Anwender ein grundlegendes foto- grafisches Wissen und Verständnis über die formalen Zusammenhänge der Belicht-
ungsmessung und der wichtigsten technischen Vorgänge in der Kamera. Hinzu muß eine perfekte Tarierung und Beherrschung der Tauchausrüstung an sich kommen. Auch sollte
man ein Mensch schneller Entscheidungen sein, sonst wird man von der Zahl der Eingriffe mental er- schlagen und kann sie deshalb wohl kaum nutzen. Trotz allem bleibt
ein Fakt: Wer sich eine solche Profi- ausrüstung zulegt, will viel bedienen können, selbst wenn er es nicht versteht oder auch nie benötigt. Unscheinbar, aber von
durchschlagender Perfektion ist der rückwärtige Ein-und Ausschalter. Man schaltet die EOS 1n RS über das UW-Gehäuse schneller und sicherer als an Land, auch ein Novum.
Und man kann sogar in den RS-Modus gelangen, wo dem Anwender acht Bilder pro Sekunde zur Verfügung stehen. Keiner wird es je im Meer benötigen, aber ist es nicht toll,
wenn man sagen kann, daß es geht, sofern man will?
Diverses
Ausgestattet ist das SeaCam-EOS-Gehäuse mit zwei S6-Blitzsteckdosen und zwei int.
T-Stücken. Eine eventuell vorhandene Tandemblitzanlage kann aber auch auf einer Halteschiene am Gehäuseboden befestigt werden, wo sich das Stativgewinde befindet. Hier
hat der Hersteller auch vier Antirutschbeläge angebracht, so daß man selbst auf schwankenden Schiffen oder Booten das Gehäuse beruhigt auf der Unterseite ablegen kann.
Die Handgriffe sind ergonomisch den menschlichen Greifwerkzeugen angepaßt, sitzen auch im richtigen Abstand zur Gehäusewand. Unbehagen bereitet unkundigen Leuten
möglicherweise das …Öffnen der gesicherten Spannverschlüsse, weil man sich an den Handgriffen die Finger einklemmen kann, wenn man unkonzentriert zur Sache geht
und es nicht richtig macht. Diesem auch von anderen UW-Gehäusen bekannten Dilemma könnte SEACAM entgehen, wenn man sich dort entschließen könnte, die Handgriffe
umklappbar, schwenkbar oder lateral teleskopartig verschiebbar zu machen.
Von beeinduckender Stärke ist der Haupt-O-Ring. Seine 3,5 mm beruhigen, geben
Sicherheit und optimale Dichtheit. Auch seine Shore-Härte wurde den praktischen Erfordernissen angepaßt, nicht zu hart und nicht zu weich. Beim Reinigen kann es
deshalb passieren, daß sich der Ring etwas dehnt und nicht mehr gleich in die Nut paßt. Keine Panik! Warten Sie einige Minuten und legen Sie nach dem Fetten dann die
Dichtung sorgfältig in die O-Ring-Nut. Wichtig ist, daß der Ring am unteren Stück, wo sich die schnörkellose Gerade befindet, keine Verwerfungen macht. Streichen Sie
von hier aus den Ring gleichmäßig nach rechts und links außen. Die Pflege des Haupt-O-Rings ist eine Überlebensfrage der Kamera, die mit einem Profiobjektiv bestückt
locker eine fünfstellige Summe (in DM) erreichen kann.
Innseitig sind die Kabel sauber verlegt, der TTL-Schuh ist eine Eigenkonstruktion von SEACAM, die jedoch
gegenüber dem Original keinerlei Nachteile aufweist. Nahezu perfekt in seinen Funktionen ist der Leckwarner. Bei Wassereinbruch warnt er nicht nur akustisch mit einem
eindinglichen, aber rhythmisch unterbrochenen Pfeifton sondern auch optisch über eine rote Diode im Displayfenster. Man könnte den Signalton eventuell unter einer
Eishaube überhören. Auch das Diodenlicht blickt im Einsekundentakt und ist sehr auffällig.
Den Displayeinblick kann man als gut bezeichnen. Das Glas sitzt
direkt über den Anzeigen und hat eine ausreichende Größe, wenngleich man in dämmriger Umgebung manchmal Probleme hat, Kleininfos wie die Plus/Minus-Korrektur oder die
Bildanzahl ohne zugeschaltete Displaybeleuchtung zu entziffern. Kein Mangel des Gehäuses, sondern die leidige Gegebenheit eines Mäusekinos.
Frontports
Eine Weltneuheit stellt auch das sog. Bajonettgewinde dar. Erstmals wurden die Vorzüge beider Frontportbefestigungen vereint. Eingeführt wird der Port mit einem
bajonettartigen Ansatz, beim Weiterdrehen greift dann ein Gewinde und die Abdichtung über den O-Ring erfolgt radial auf einer glatten Zylinderfläche. Ein Anschlag
verhindert das Weiterdrehen über den Punkt der korrekten Sonnenblendenausrichtung bei Domegläsern. Vorteilhaft ist, daß weniger Gewinde- umgänge benötigt werden,
die Gewinde beim Einfädeln nicht mehr verkanten und vernudelt werden können, der Port immer an derselben Stelle am Anschlag sitzt. Zukünftig werden alle Ports bei
SEACAM mit diesem Bajonettgewinde ausgestattet. Für Besitzer älterer SeaCam-Gehäuse bzw. älterer Ports gibt es Adapter. Die Maße sind so ausgelegt, daß damit keine
Ver- chlechterung der Abbildungsleistungen erfolgt. Man muß also nicht komplett neu einsteigen und viel Geld investieren.
Wir haben es am Beispiel des
Superdomes für das Original-14-mm-EOS-Objektiv ausprobiert. Die Abbildungs- leistungen waren hervorragend, der Abstand vom Domeglas zur Objektivfrontlinse genau
richtig. Diese Kombi- nation muß man jedem empfehlen, der sie sich leisten kann. Im Gegensatz zum 14-mm-Sigma gab es hier bei- spielsweise so gut wie keine Reflexe bei
Hochformat-Aufnahmen mit oder gegen die Sonne. Nicht nur für die EOS 1n RS, auch für andere Canon-Spiegelreflexkameras wäre das sündhaft teure 14 mm
Ultraschall-Weitwinkel mit diagonalen 114° hinter dem SeaCam-Superdome eine Alternative zu echten UW-Objektiven. Hier hat SEACAM hinsichtlich der verzeichnungsfreien
Abbildung hinter einem gewölbtem Glas geradezu Erstaunliches geleistet. Eine solch gut angepaßte Kombination muß man erstmal suchen, denn Weitwinkelobjektive mit
derart extremen Bildwinkeln sind in UW-Gehäusen nicht einfach zu beherrschen.
Neben dem Superdome, der auch für Halb-Halb-Aufnahmen mit dem 14er oder dem
15-mm-Fisheye sowie großen Weitwinkelzooms (21 bis 35 mm) geeignet ist, offeriert SEACAM auch einen echten Fisheyedome mit Halbkugel, einen 20-mm-Dome, hinter dem man
aber auch das 18er bzw. das neue 17er von Sigma montieren kann und diverse Planports für Makroobjektive von 50 mm über 100 mm bis 180 mm und mittlere Zoomobjektive.
Hervorzuheben ist hier insbesondere das 180-mm-Ultraschall-Makro für extrem scheue Fische. Alle Portgläser bestehen aus Mineralglas und werden auf Wunsch und Aufpreis
vergütet geliefert. Gegen Transportschäden sind sie serienmäßig mit einem spannbaren Neoprenschutz versehen.
Blitzgeräte für die EOS 1nRS
Da es
sich nicht um eine preiswerte Einsteigerkamera handelt, sollte man vernünftigerweise auch nicht am Blitz sparen. Wenn schon der Systemblitz 540 EZ vorhanden ist,
schadet es natürlich nicht, für diesen ein System- blitzgehäuse zu kaufen. Entweder in Form eines Blitzrohres oder als gegossene Metallhülle. Im Makrobereich für das
50er oder 100er Makro keine schlechte Lösung. Der überzeugte SeaCam-EOS 1n RS-Fotograf wird die Systemblitzlösung aber nur als Notbehelf oder Ersatzgerät betrachten.
Ihn treibt es wohl eher zu amphibischen Lösungen vom Typ Aquasun 350 oder 500, Hartenberger 500 oder Subtronik Gamma bzw. Mega.SeaCam-Fans und Schöngeiste, die für ihr
Geld auch eine Desingkrönung wollen, bleiben aber vermutlich im Haus. Formschön, elegant, funktionell, abtriebsneutral und bärenstark mit faszinierenden
Ausstattungsdetails versehen, kommt für diese Klientel nur der große Sea-Flash mit der Megaelektronik von Subtronik in Frage. Da bekommt man muskulöse 350 WS, die
wichtigsten TTL-Steuerungen (Canon, Minolta, Nikon, Pentax) serienmäßig mit automatischer Systemerkennung, Manuelle Stufen von 1/1 bis 1/64, dimmbare Pilotlampe,
umschaltbare Farbtemperatur, SOS-Schaltung, Kapazitätsanzeige, Skalvenblitz, automatische Ladekontrolle, S6-Buchsen, Laserausrichtung und einen Blitzarm der
Superlative mit Bremsscheiben. Alles verpackt in einem wunderschönen Blitzgehäuse aus Silberguß.
SEACAM EOS 1n RS in der Praxis
Selbst mit dem
schweren Superdome läßt sich das Gehäuse bequem und ohne Anstrengung handeln. Die beiden Handgriffe sind kräftig und auch mit Handschuhen können die wichtigsten
Eingriffe ohne Umstände erreicht werden. Hat man sich eingearbeitet, bedient man das vordere und das hintere Einstellrad ohne die rechte Hand vom Griff zu
nehmen. Gewöhnungsbedürftig ist anfangs der riesige Sucher. In kaum eine Fototasche paßt das Ungetüm hinein, wenn das Gehäuse fertig montiert dasteht, weil es wie
das Horn eines Rhinos absteht. Aber im Wasser entfaltet es seine ganze Pracht. So groß war noch nie ein Hilfssucherbild. Man gewöhnt sich im übrigen schnell an den
ausladenden Sucherhals, lernt nach einigen Tauchgängen die Maske auf Anhieb so auf das Okular zu legen, daß das Sucherbild nicht kippt und schwarz wird. Als phänomenal
empfindet man den drehbaren Sportsucher bei Hochformataufnahmen. Funktionell ist dieses Handling kaum noch zu überbieten.
Daß auch Superkameras im Wasser ihre
speziellen Eigenheiten und Nachteile, merkt man auch hier sehr bald. Die Displaybeleuchtung könnte etwas stärker sein, insbesondere bei hellem Umgebungslicht, wenn das
Display im Schatten liegt. Im Kamerasucher wünscht man sich die Anzeige der Plus/Minuskorrekturen von Blitz und Tagesbelichtung und nicht nur ein Hinweis, daß
korrigiert wird. Gleiches gilt für die Anzahl der Bilder. Gut gelöst ist hingegen die Anzeige des Mischlichtes als senkrechter Balken plus Hinweispfeil auf der rechten
Seite.
Ungewohnt mag für den einen oder anderen auch sein, daß das Sucherbild etwas abgedunkelt ist, was aber keinen Einfluß auf die tatsächliche Belichtung
ausübt. Ursache ist in erster Linie das etwas dunklere Sucherbild der EOS 1n RS gegenüber der normalen EOS 1n. Hinzu kommt ein leichter Lichtverlust durch den großen
SeaCam-Sportsucher. Alles zusammen addiert sich insgesamt auf etwa 1,5 bis zwei Blenden. Störend ist das aber nur in wenigen Fällen, dem Autofokus macht es nichts aus.
Wer ein helleres Bild bevorzugt, sollte sich die normale EOS 1n einbauen lassen, wenn möglich mit Booster, dann zieht der AF etwas schneller. Sie paßt ohne
Umbaumaßnahmen in das SeaCam-Gehäuse, ist der 1n RS bis auf den feststehenden Spiegel identisch.
Zu den wohl angenehmsten Arbeiten mit der EOS 1n RS gehören
Blitzaufnahmen. Die ungestörte Beobachtung des aufflammenden Kunstlichtes mit sogar weitgehender Beurteilung des Bildaufbaus und der Ausleuchtharakteristik ist in
dieser Form zumindest unter Wasser einmalig. So kommt es z. B. so gut wie nie mehr vor, daß man fotografiert, ohne zu merken, daß der Blitz nicht eingeschaltet ist.
Zusammen mit dem großen Sea-Flash bildet das SeaCam-EOS-Silver eine unglaublich faszinierende Einheit.
Fazit
Die EOS 1n RS bildet mit dem
SeaCam-Silver-Gehäuse eine technische und harmonische Einheit, wie man sie kaum irgendwo findet. Canon-Freaks steht jetzt der Weg in die UW-Fotografie mit einer der
faszinierendsten SLR der Welt offen. Vorbei ist endlich das Mauerblümchen - Dasein der EOS 1n-Modelle, eine der besten und zukunftsweisendsten automatischen Scharfein-
stellungen kann nun voll genutzt werden. Das Bild des SeaCam-Sportsuchers steht für den innovativen Höhenflug eines Besessenen, der Sinnvolles zum Zeitlosen macht. Auf
dem SeaCam-Gehäuse könnte deshalb durchaus der sinnige Spruch stehen: Non mihi sed posteris - nicht für mich, sondern für die Nachkommen! Die EOS 1n RS steht
sicherlich für eine Art Weltanschauung, vermag aber auch bei nüchterner Betrachtungsweise ungemein zu faszinieren. Im Prinzip ist diese Kamera das Abbild der
selbsterfüllten Prophezeiung. Um sich den Traum dieser Gerätschaft erfüllen zu können, bedarf es leider eines reichen Onkels, einer üppigen Erbschaft oder eines gut
bezahlten Jobs.
Aktuelle Preise direkt abzufragen bei Seacam
Seacam Postfach 91 A-8570 Voitsberg Tel.: +43/3142/228850 Fax: +43/3142/228854 Web: www.seacam.com
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