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Alpines Tauchen findet normalerweise in Seen statt. Eine zutiefst interessante Variation der üblichen Tauchabstiege ist das Tauchen und Scuben in einem Fließgewässer. Als
Initiator auf diesem Gebiet gilt Franz Pramendorfer, der mit seiner Tauchbasis „Atlantis Qualidive“ auf diesem Gebiet Maßstäbe gesetzt hat. UnterWasserWelt ließ sich
treiben und war begeistert.
„Hast du alles dabei“? Blei? Flossen? Handschuhe? Kamera? Franz Pramendorfer ist in seinem Element. Flusstauchen, das ist sein Leben.
Wir sitzen in einem alten Mercedes Sprinter und fahren buchstäblich über Stock und Stein. Die Karre ächzt und stöhnt, quietscht und rumpelt, dass Gott erbarm. Immer enger wird der
wurzelverseuchte Waldweg. Ob man hier überhaupt fahren darf? Ich darf, so Franz, und lacht lauthals. Dabei rötet sich sein verschwitztes Gesicht wie eine Fleischtomate unter
glühender Sonne. Sein blondes Haar ringelt sich derweil unorthodox auf seinem Kopf, als sei es vor kurzem in einen Orkan geraten. Flusstaucher sind Naturburschen, die für normales
Kiegrubentauchen nur noch ein altkluges Grinsen übrig haben. Fließen muss das Wasser und zwar ordentlich, dann ist Action geboten. Dort, wo wir den Transporter abstellen, ist
Stille und Einsamkeit. Fast muss man befürchten, dass uns hier keiner mehr finden wird. Die Gerätschaft wird nochmals 100 m durch den Wald getragen, dann sind wir an der
geheimnisvollen Einsteigstelle. Die Traun ist hier so breit wie ein kleiner See und fließt Gott sei Dank eher träge als wild. Wir haben Glück, denn es hat fast zwei Wochen nicht
geregnet. Schon von außen kann man eine formidable Transparenz erkennen. Ist das Wasser kalt? Eher nicht. Im Sommer bewegt sich die Temperatur zwischen 19° und 23° C, es geht auch
nass. Obwohl man sich als UW-Fotograf im Trockentauchanzug auch nicht unwohl fühlt. Jeder wie er will!
Treibsand
Die Traun ist ein Traum. Schon während der
ersten Meter, die wir dahin gleiten, offenbart sich uns eine formidable Sicht. Panoramaaufnahmen sind durchaus mit besten Ergebnissen machbar. Die Steine an Grund sind grün-braun
mit Algen überzogen und verbreiten eine dumpfe und düstere Atmosphäre, die einen unheimlichen Eindruck hinterlässt. Dreht man die Steine um, huschen Groppen in allen Größen davon.
Einige Flussbarsche begleiten uns und verfolgen gierig die in Deckung flitzenden Groppen. Ab und zu bleibt eine auf der Strecke. In der Ferne schimmert dunkel die Wand des
gegenüberliegenden Ufers. Döbel und Rotaugen ziehen an uns vorbei. Dann schält sich aus dem Dunkelgrün des Wassers ein Schwarm Barben, die flussaufwärts ziehen. Der Anführer
schwimmt etwas voraus, als wolle er den Weg erkunden. Wir gleiten an versunkenem Unterholz und ins Wasser gefallenen Bäumen vorbei. Ein mächtiger Schatten löst sich und steht
als gigantischer Hecht in der Abendsonne. Seine von den Sonnenstrahlen beschienenen Flanken schimmern wie Gelbgold in einer Schatztruhe. Angst kennt er nicht. Wir können uns mit
den Kameras fast auf Tuchfühlung nähern. Und er ist nicht der einzige Kaventsmann, den wir während dieses Tauchgangs sehen. Mindestens noch drei ähnlich große Hechte können wir
entdecken und beobachten. Fett und feist liegen sie in den Wasserpflanzen, voll gefressen mit Weißfischen und Barben. Portaitverliebt lassen sie sich aus nächster Nähe ablichten.
Einem wird der Rummel etwas zu viel und er verdünnisiert sich bis in die Flussmitte. Seine glitzernden Schuppen sind bei der enormen Transparenz noch weit zu sehen. Ob wir das
Glück haben, auch einem Huchen zu begegnen? Franz gibt zwar keine Garantie für ein solches Meeting, ist sich aber heute fast sicher, dass wir bei der bombastischen Sicht bestimmt
einen sehen werden. Und tatsächlich. Als wir schon fast an der Ausstiegstelle angelangt sind, bemerke ich dicht am Ufer einen riesigen dunklen Fisch. Nur schemenhaft ist er zu
erkennen, weil die Sonnenstrahlen ihn in seinem Unterstand nicht beleuchten können. Huchen sind normalerweise so scheu, dass Freiwasseraufnahmen eher Raritäten als Normalitäten
sind. Vorsichtig nähern wir und dem riesigen Salmoniden, zu dessen Leibspeise Forellen gehören. Kaum wagen wir zu atmen als er langsam auf uns zu schwimmt. Wie zwei treibende
Baumstämme liegen wir im Wasser, atmen vorsichtig durch den Schnorchel, die Kameras klicken und surren als ob unser Leben davon abhinge. Ganz dicht lässt er uns heran. Jetzt noch
ein oder zwei Bilder mit Blitzlicht, damit Farbe in die Aufnahmen kommt. Aber nun wird ihm das doch zu bunt. Als die Blitzlichter aufflammen, lässt es einen granatenmäßigen Schlag
und der Huchen schnellt wie von der Sehne losgelassen ins Freiwasser hinaus. Haben wir ihn nun endgültig verjagt? Eben nicht: Als er nach einer Minute zurückkehrt, ist sein Bauch
so dick angeschwollen, als ob er gleich zur Entbindung schwimmen wollte. Jetzt wissen wir es. Er ist nicht vor uns geflüchtet, sondern hat vermutlich eine Regenbogenforelle
erbeutet. In der Bucht von Franz Pramendorfer fotografieren wir noch einige kapitale Döbel und eine gar nicht so scheue Schleie. Er war ein klasse Tauchgang. Eigentlich viel
schöner und erlebnisreicher als in einem See. Vor allem aber abenteuerlicher und spannender. In welchem See sieht man schon einen Huchen. Flusstauchen ist etwas anderes als in
einem Baggersee dahin zu dümpeln. Es werden auch andere Voraussetzungen an die Psyche und die Verantwortung gestellt. So lange der Fluss träge dahin zieht, ist es kein Problem.
Man darf aber die Stellen nicht verpassen, an denen man sich spätestens aus dem Wasser begeben muss. Meistens sind hier Seile über den Fluss gespannt. Wer nicht über große
taucherische Erfahrungen verfügt, sollte sich immer in Begleitung eines auf Flusstauchen spezialisierten Tauchlehrers in die Fluten begeben. Kritisch wird es nach starken
Regenfällen. Dann schwindet die sonst passable Sicht und der Fluss wird zum reißenden, braunen Monster. Ein toller, aber nicht unproblematischer Tauchplatz, liegt am
Traunfall. Nicht das Tauchen selbst ist hier die Schwierigkeit, sondern das Hinein-und Herauskommen. Glitschiges Gestein, Sprühnebel vom Wasserfall, steiler Einstieg zum Teil mit
einem Sprung verbunden, bergen nicht unerhebliche Risiken…sofern man Pech hat. Allerdings entschädigen das klare Wasser, riesige Regenbogenforellen, Barben und Döbel den
etwas kribbeligen Zugang. Wenn man von hier flussaufwärts flosselt, gelangt man in wunderschöne Gumpen und Schluchten, in denen sich das späte Licht des Tages gelb-grün am Grund
wieder findet.
Gleitmittel
Scuben ist eine Erfindung von Franz Pramendorfer. Man kann es etwas umständlich mit Flusschnorcheln übersetzen. es trifft aber
nicht ganz den Kern. Beim Scuben lässt man sich von den wilden Wassern flussabwärts tragen, schießt an Gesteinsbrocken vorbei, gleitet über glitschige, von Wasser umtosten Felsen
und jagt durch schmale Rinnen. Das Erlebnis ist einmalig. Was man auf der zum Teil mehrere Kilometer langen Strecke an Fischen entdeckt, sehen manche nicht mal in 10 Jahren
Süßwassertauchen. Ganze Schwärme von Barben, Rotaugen, Rotfedern, Döbel, Hechte, Äschen, Barsche, Huchen, Schleien und Salmoniden aller Art von der Bachforelle bis zum Huchen
kommen in Sichtweite und vielfach noch näher. Einziger Nachteil, eine große Kameraausrüstung sollte man nicht mitnehmen. Eventuell eine Digitale Kompaktkamera im
Polycarbonatgehäuse. Klein, leicht, transparent und immer auf Schnappschussposition eingestellt. Hier kann man sein persönliches Flussabenteuer genießen, auch wenn man nicht
tauchen kann.
Infos www.flusstauchen.at Interview mit Franz Pramendorfer
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