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Gewinnspiel f.re.e

Wassermann: Aquatica Mini-Sport

by Herbert Frei 6.01

Mag der Markt von Spiegelreflexkameras stagnieren oder gar rückläufig sein, der von Sucherkameras nimmt jedenfalls mächtig zu. Sea & Sea mischt gerade das untere Segment der Hobby- und Urlaubsknipser mit der bunten Pop-Schachtel MX-5 auf, da stößt auch schon Aquatica mit einer grau melierten Klick-Klack-Kamera in die letzten noch brach liegenden Lücken. Herbert Frei hat sich die kanadische Handgranate genauer angesehen.

Das Rezept ist meist dasselbe. Einfache Sucherkameras in hochwertigen und robusten UW - Gehäusen sollen das zögerliche Tauchervolk endlich zu kauflustigen Einsteiger-Fotografen machen. Ernsthafte und technikverliebte UW - Fotografen werden sich jetzt schaudernd abwenden, aber das macht nichts. Die angepeilte Kundschaft will nämlich nichts von Honeycomb - Mehrfeldmesssungen, variablen AF - Messfeldern und kelvinregulierten Amphibienblitzgeräten wissen. Wer in die Underdog - Hierarchie der wasserdichten Spielzeugkameras einsteigt, möchte chancenlos aber zufrieden bleiben. Motivstress und Wettbewerbsneurosen sind ihm oder ihr fremd, rasiermesserscharfe und klaglos richtig belichtete Aufnahmen ein echter Gräuel. Der wahre Kick entfaltet sich erst, wenn man auf den Bildern raten muss, was für ein Motiv es denn in Wirklichkeit war. Für diese Glücklichen unter den Glücklosen hat man einen eigenen Begriff gewöhlt, die „Lomografie“. Benannt nach der russischen Kamera „Lomo“, mit der so gut wie kein Mensch ein nach klassischen Grundsätzen und Regeln vernünftige Bilder zustande bringt. Aber sind das noch Menschen, die mit so was fotografieren?

Lomografen erkennt man ad hoc an ihrem fröhlichen Wesen und der Unverzagtheit, trotz offensichtlicher Geräteschwächen immer und immer wieder mit den optischen Gesetzen der Fotografie einen ungleichen Wettkampf austragen zu wollen. Doch in die vorstehend beschriebene Gruppe will sich das Aquatica Mini-Sport nicht so ohne weiteres einreihen lassen. Widerstand ist angesagt. Der Westentaschen-Herkules verfügt immerhin über einen Sklavenblitz (im Kaufpreis enthalten) und eine vorschaltbare Nahlinse. Kein Wunder, dass der Importeur von einem Einsteiger - Knaller spricht und jeglichen Primitivismus mit Entrüstung von sich weist. 

Vive la Vivitar

Die im Aquatica Mini-Sport verwendete Kleinkamera heißt Vivitar BV 40. Nichts Aufregendes, aber putzig und zuverlässig. Wie sehr die Technik auch in der Spielzeugfotografie um sich greift, wird einem erst bewusst, wenn man sich die technischen Details dieser Plastikschachtel einmal genauer anschaut.

Das Fixfokus-Objektiv ist zwar nur ein Zweilinser mit 28 mm Brennweite, besitzt aber für die angepeilte Klientel eine zufriedenstellende Abbildungsleistung. Einstellen muss man nichts mehr. Verschlusszeit (1/100 s) und Blende (8) sind fest vorgegeben, der Film wird automatisch gespannt und durch Betätigen des Rewindschalters auch wieder zurückgespult. Eine DX - Ablesung gestattet die Verwendung von ISO 100/21° - und ISO 400/27° - Filmen. Aufgrund dieser Vorgaben sollte man die Vivitar BV 40 nur mit Farbnegativfilmen bestückten. Wegen des großen Belichtungsspielraumes dieser Filmmaterialien können aber im Bedarfsfall auch ISO 200/24° - Filme eingelegt werden. Die Kamera liest diese aber ein, als wären es ISO 100/21° - Filme .

Ein kleiner integrierter Blitz mit geschätzter Leitzahl 8 bis 11 (Herstellerangaben fehlen) dient zur Aufhellung von Bildern bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Blitzfolgezeit ist mit 5 s erfreulich kurz. Nach dem Aktivieren des Blitzes leuchtet neben dem Sucher die grüne Blitzbereitschaftslampe. Dicht darunter sitzt die Unterbelichtungswarnung (rote Diode), sofern Aufnahmen ohne Blitz gemacht werden und möglicherweise zu dunkel geraten können. Ihre Energie bezieht die Vivitar BV 40 aus zwei Mignon-Batterien. NC-Akkus sollten nicht verwendet werden.

UW-Gehäuse

Erwarten darf man außer der Wasserdichtheit nicht viel. Einziger Eingriff ist der griffige Auslöser mit Transportsicherung. Ansonsten herrscht eine respektabel verarbeitete Schlichtheit vor. Innen schwarz gestrichen, außen eloxiert und pulverdampfbeschichtet. Insgesamt schick und professsionel gemacht. Die Kamera wird einfach in das Gehäuse eingelegt, bekommt dort ihre Fixierung durch eine seitliche Moosgummiflanke. Der Frontdeckel beinhaltet die Auslösemechanik und ein ellipsoides Moosgummi zur Frontalfixierung der Kamera. Zentriert wird der transparente und 12 mm starke Port mit zwei Stahlstiften, die innerhalb der Hauptdichtung liegen. Besagter O-Ring ist relativ weich, sollte deshalb beim Reinigen nicht allzu sehr gedehnt werden, sonst bringt man ihn nur schlecht wieder in die dafür vorgesehene Nut. Er sollte nach Möglichkeit nach einem Salzwassereinsatz und gleichzeitig anstehendem Filmwechsel obligatorisch gereinigt werden. Wie bei Aquavision üblich, sitzt der O-Ring sehr stramm in der Nut, besitzt ergo wenig Spielraum. Um ihn zu schnell und sicher entfernen zu können, sollte man sich ein Zahnarztbesteck zulegen. Vorsicht beim Einsatz eines Messers, die Dichtung könnte beschädigt werden! Verschlossen wird die Kamerabox mit zwei stramm sitzenden Spannverschlüssen, die es ratsam erscheinen lassen, vorher die Fingernägel zu stutzen. Vorteil des transparenten Frontdeckels ist der, dass man die Lage der Dichtung immer sehen kann. Verdrillungen, Verwerfungen und sogar Schmutz können deshalb problemlos von außen erkannt werden. 

Da an der Kamera selbst von außen nichts verändert bez. eingestellt werden kann, muss man sie vor dem Einsetzen einschalten (Schieber an der Frontseite) und sollte auch nicht vergessen, den Blitz zu aktivieren. Das Objektiv ist gegen Streulicht vom integrierten Blitz erstaunlich gut geschützt. Die auf dem transparenten Kunststoff gebrochenen und reflektierten Lichtstrahlen des Blitzgerätes werden weitgehend von der Frontlinse abgelenkt.

Sklaventreiber

Dass jemand fur eine Sucherkamera einen separaten Sklavenblitz zur besseren Ausleuchtung anbietet, läßt auf das fotografische Verständnis des Herstellers schließen. Üblich ist das keineswegs, macht deshalb das Aquatica Mini-Sport zu einem höchst interessanten und erstaunlich fortschrittlichen Einsteigergerät, das in dieser Form vorerst einmalig sein dürfte. Der kabellose Zusatzblitz unterstützt mit seiner Energie den Kameraseitig integrierten Kleinblitz und führt mit seiner Lichtabgabe zu einer sehr ausgewogenen Beleuchtung. Ausgelöst wird er über zwei Messzellen an der Blitzgehäuse - Unterseite, die vom Streulicht des Kleinblitzes aktiviert werden.

Bestückt ist der Kleinsklave mit vier Mignon-Batterien, die gut und gerne für v100 Zündungen stehen. Sein Ausleuchtwinkel liegt bei etwa 60°, die Leitzahl beträgt um 11, die Farbtemperatur 5700 Kelvin und Blitzfolgezeit 7 s.

Für unterschiedliche Blitzentfernungen kann der Aquatica - Sklave in Richtung optischer Achse geneigt werden. An

einem Testschalter kann die Funktionsfähigkeit überprüft werden. Ein Novum in der Abdichtung von Fotogeräten ist die Dichtungskombination aus einer Silicon-Flachdichtung (Soll Sand und Trübstoffe abhalten) und einem radial wirkenden Silicon - O-Ring. Der Importeur empfiehlt, diese Dichtungen möglichst nicht zu fetten, sondern nur lauwarm mit Seife abzuwaschen. Ganz unberechtigt ist dieser Hinweis nicht, weil man zumindest den O-Ring nicht mit gewöhnlichem Siliconfett schmieren sollte. Wenn schon fetten, dann nur mit einem siliconverträglichen Fett.

Nahlinsen-Kit:

Damit die UW - Bilder nicht wie Lomografien aussehen, müssen Sie streng darauf achten, dass Sie mit dem Basisobjektiv den Motiven nicht zu nahe rücken. Üben Sie das Schätzen von scheinbaren UW -Entfernungen. Der beste Motivabstand liegt bei 1,2 m. Diese relativ hohe Objektdistanz bedingt sehr klares Wasser, sonst verliert sich auch die Blitzwirkung im Schneegestöber der Trübstoffe vor der Kamera. Für Nahaufnahmen muss das Aquatica Mini - Sport deshalb mit der als Accessoire angebotenen Nahlinse aus optischem Glas ausgerüstet werden. Mit dieser Option kann sich die Ausschussrate der missglückten, unscharfen und vielleicht unterbelichteten Bilder erheblich verringern. Man muss damit allerdings eine gewisse Zeit üben und auch beim Schätzen der Motiventfernung etwas Geschick beweisen. Das Ausleuchten der Nahaufnahmen wird durch einen Diffusor vor dem Kleinblitz erleichtert. Er sitzt als schwenkbares Bauteil an der Nahlinse. Man sollte aber zur Unterstützung gleichmäßig beleuchteter Bilder besser noch den Sklavenblitz mitlaufen lassen. Die Nahlinse wird mit einer Schnur und einem kleinen Karabinerhaken an einer Öse befestigt. Vergessen Sie diesen Handgriff nie, denn er schützt das Close-up-Kit vor dem Verlust. 

Die Schärfenebene beginnt mit dem Vorsetzen der Nahlinse etwa bei 0.5 m, ohne Nahlinse aber erst bei 0,9 m. Die Abbildungsqualitäten von Basisobjektiv und Nahlinse sind erstaunlich gut und reichen für Erinnerungsaufnahmen völlig aus. Dicht ist das im Wasser fast neutral tarierte Gehäuse bis zu sagenhaften 100 m. Legen Sie sowohl beim Tauchen als auch beim Schnorcheln immer einen Trageriemen um, wenn Sie auf den stabilen Handgriff verzichten. Möglichst am Jacket verhakt. Ungeübte könnten die Gerätschaft wegen ihrer sprichwörtlichen Leichtigkeit in einer Strömung bez. während eines Zwischenfalls verlieren, ohne es zu merken. 

Dass das Aquatica Mini - Sport nicht ausschließlich für den Tauch- und Schnorchelsport gedacht ist, belegt die praktische Hüfttasche mit Gürtel, in der man die Vivitar BV 40 auf dem Segelboot, beim Surfen, Radfahren, im Urwald, während einer Strandwanderung und beim Bergwandern mitnehmen kann.

Fazit:

Das Aquatica Mini - Sport - Gehäuse gehört zur Gruppe der Accessoires, die man sich weniger aus Überzeugung, als aus einem Fungefühl heraus zulegt. Viel an fotografischer Herausforderung und Kreativität muss man nicht einbringen, die Kleingerätschaft ist augenscheinlich eher gut fürs Hochhalten und Abdrücken. Doch sollte man das robuste Leichtgewicht nicht unterschätzen. Wer damit umgehen kann, macht recht nette Erinnerungsbilder. Mit seiner tadellosen Ausstattung und Verarbeitung konkurriert der kleine Kanadier durchaus mit der UW - Kamera Motormarine MX-10, hat zudem den Vorteil, dass man die Vivitar BV-40 für Landausflüge und Beachfotos mit wenigen Handgriffe aus der Gehäuseumklammerung befreit hat. 

Absoluter Knüller und sicher nachdenkenswert ist das Angebot des Importeurs: Wer das Aquatica Mini - Sport erwirbt, kann es innerhalb von drei Jahren zum vollen Kaufpreis wieder in Zahlung geben, wenn er ein Kamera- oder Camcordergehäuse von Aquavision kauft. Schon deshalb ist dieses Gerät nicht der Anfang vom Ende, sondern eher das Ende vom Anfang.

Preise:

Aquatica Mini-Sport inclusive Kamera, Sklavenblitz, Arm und Schiene: ca. Euro 460
Nahlinse: ca. Euro 66
Sklavenblitz solo: ca. Euro 255
Kamera und Gehäuse solo: ca Euro 306
Schiene solo: ca. Euro 39

Anfragen:

Marlin Tauchservice, Ingo Vollmer, Fabrikstraße 94, D-76337 Waldbronn-Neurod; Tel. 07243-69016; Fax 0724369017  
Webseite: www.marlin.de  
 

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