|
Der Blick aufs eigene Bankkonto begleitet die Entscheidung für ein Jacket nicht unerheblich. AQUATEC lässt sein ADV - Modell Atlas im
selben Werk in Taiwan fertigen, in dem auch andere, teurere Jackets hergestellt werden. Man kann für einen Aufpreis von gut 220,- Euro ein in kleinen Details
geändertes Produkt unter dem Label eines österreichischen Anzugschneiders kaufen, das von Wet & Dry vertriebene Atlas pendelt sich je nach Anbieter um die 360,-
Euro ein.
Robust, angenehm zu tragen und funktionell sollen Jackets im allgemeinen sein. Und etwas Farbe würde ihnen auch nicht schaden. Die erstgenannten
Kriterien meistert das Atlas durchaus, der Rest bleibt schwarz, bis auf die reflektierende Klettschlaufe, die den Inflator positioniert. Das einschalige
Jacket aus 1000 Denier Cordura, innen mit PU beschichtet, ist wahrlich kein Weichei und steckt den Job auch bei engagierten Tauchern gut weg. Alles wirkt hochwertig
und widerstandsfähig, vielleicht auch etwas puristisch mit Blick auf die Polsterung der Rückentrage. Die Gurtung ist vom Auftriebskörper abgesetzt, das Gewicht des
kompletten Tauchgeräts liegt also gut auf den Schultern, ein Plus, das besonders über Wasser schlicht als komfortabel bezeichnet werden kann. Während eines Tauchgangs
hat das keine weitere Bedeutung, erst bei kräftiger Befüllung der Blase, bis hin zur maximalen Kapazität, wird man vom Auftriebskörper nicht eingezwängt, ein Umstand,
der vom flexiblen Bauchgurt unterstützt wird. Das Gurtsystem kann auch allein, ohne Blase verwendet werden, soll nur eine Tauchflasche getragen werden. Diese Lösung
kommt uns bekannt vor, ein großer japanischer Hersteller ist hier der Vorreiter. Mit Modifikationen sind auch Doppelflaschen zu befestigen. An individuellen
Anpassungsmöglichkeiten bietet das Atlas die übliche Längenverstellung des Bauchgurts inkl. Kummerbund (zweiter Bauchgurt mit Velcroschnalle dehnbar), des Brustgurts
und zusätzlich zur Schnellverstellung der Schultergurte auch noch eine Anpassung der Schulterauflage selbst in drei Stufen. In den Inflator ist als Standard ein
Signalhorn eingesetzt, Vorsicht, hier kann man bei den ersten Tauchgängen schon mal die falsche Taste drücken und es strömt statt Luft in das Jacket ein lautstarkes
Signal in die Umgebung. Unter einer Gummihülle, die den Inflator optisch verbreitert, wird der Mitteldruckschlauch geführt, zunächst eine Designfrage doch durchaus
auch schützend zu bewerten. Im Faltenschlauch ist ein Schnellablass für das linke Schulterventil integriert, ein weiterer Schnellablass findet sich auf der rechten
Schulter und an der rechten unteren Rückseite. Die Schulterventile sind gleichzeitig als Überdruckventile konzipiert. Als Komfortsteigerung gedacht ist die
Verlängerung der Leine, die das hintere Ventil ansteuert. Diese ist in einer Röhre entlang der rechten Unterseite des Atlas nach vorne geführt. Also bräuchte man nicht
nach hinten greifen und im Zweifelsfall „blind“ nach dem Knauf suchen. Jetzt tastet man vorne danach, in gefühlter Konkurrenz zum Kunststoff – D-Ring mit
Schlauchhalter. Die Auslegung der integrierten Bleitaschen sowie der Mechanismus zum Lösen der Gewichtseinschübe erinnern gleichfalls stark an Ideen, die der schon
erwähnte japanische Hersteller geboren hatte. Wohl ohne Zweifel hat sich AQUATEC hier inspirieren lassen und honoriert die Vordenker des Wettbewerbs zumindest mit dem
Aufgreifen der guten Einfälle. Jedenfalls ist das Be- und Entladen der Bleitaschen ein unkomplizierter Akt. Zusätzlich zu den Bleieinschüben sind noch zwei weitere
Trimmbleitaschen an der Rückseite angesetzt, mit Velcroschnallen verschlossen. Insgesamt können 12 kg Tariergewicht zugepackt werden, was das Atlas auch noch zum
Gebrauch mit vielen Trockenanzügen ohne auftriebsstarken Unterzieher zulässig macht. In der XL-Version generiert die Blase einen maximalen Auftrieb von 20 kg. Die
beidseitig eingearbeiteten Taschen sind mit Reißverschlüssen versehen und entlassen Wasser mit Netzeinsätzen im Boden. Bei maximaler Bleibefüllung verlieren die
Taschen etwa 1/3 ihres Volumens. Diverses Zubehör findet jedoch problemlos einen Platz. In die Flaschenhalterung sind 6 mit Noppen besetzte Gummistreifen
eingesetzt, die das Herausrutschen der Flasche wirkungsvoll verhindern. Allerdings muss man die Schlaufe des Flaschengurts etwas weiter öffnen, um das Jacket ohne
Fummeln montieren zu können. Sehr gut gefällt die Stahlschnalle am Flaschengurt, hier spart der Wettbewerb meist auch bei Highend - Angeboten - an der falschen
Stelle. An 4 Edelstahl – D-Ringen lässt sich genügend befestigen, hier dürfte es normalerweise keine Engpässe geben.
Praxis
Die
Anpassung der Gurte allgemein ist kein zeitraubendes Manöver, etwas länger dauert die Längenjustierung der Schulterauflage, so dies nötig ist. Hat man die Schlaufe zur
Befestigung des Tanks etwas größer gewählt, gibt’s auch hier keine Komforteinbußen. Geradlinig ist ferner die Positionierung der Bleitaschen, der Mechanismus
für den Schnellabwurf beugt einer Fehlfunktion vor. Die Reißverschlüsse der Taschen lassen sich gut greifen. Die Reaktion der Ventile und des Inflators ist
einwandfrei. Den Schnellablass für das hintere Ventil greift man nicht immer zielgerecht. Zwei im Lieferumfang enthaltene Schlauchhalter bändigen auch umfangreiche
Atemtechnik. An der Wasseroberfläche findet der Körper eine angenehme Position, die insgesamt etwas tiefer liegend wirkt, als bei anderen
Jackets.
Fazit
Das AQUATEC Atlas kann bei näherer Betrachtung und Marktkenntnis seine Nähe zu hochwertigen Produkten anderer
Hersteller nicht verheimlichen. Etwas mehr Polsterung am Rücken käme gut an, ebenso zu überlegen, ob man den Entlüftungsknauf für das rückwärtige Ventil nicht auch
dort belassen sollte. Insgesamt ein Preistipp.
|