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Dann taucht die Stadt auf. Wir fahren praktisch mitten hinein. Am Kai steht eine Delegation Vietnamesen, ein Poster mit den Worten
„Willkommen in Vietnam“ begrüßt das größte Kreuzfahrtschiff, das seit Ende des Krieges 1975 hier anlegt. In deutscher Sprache! Was Wunder, haben doch viele
Vietnamesen in Deutschland, der ehemaligen DDR, studiert. Das Ausschiffen geht zügig vor sich. Schon mit dem Lotsen sind Passbeamte an Bord gekommen und haben für
alle Landgänger die Passkontrollen vorgenommen. So muss dem Beamten am Ende der Gangway lediglich ein Zettel mit amtlichem Stempel vorgezeigt werden und schon sind wir
in die „Demokratische Volksrepublik Vietnam“ eingereist. Tja, und nun also warten wir im Hauseingang einer Wechselstube, bis sich Evas Kreislauf soweit erholt
hat, dass wir unseren Erkundungsgang durch Saigon fortsetzen können. Wie eingangs schon erwähnt, ist die Luft zum schneiden, gesättigt mit den Abgasen der
unzählbaren Mopeds. Dies und die hohe Luftfeuchtigkeit machen das Atmen schwer. Der Kreislauf des normalen Mitteleuropäers, gewöhnt an ein eher raueres Klima, tut sich
reichlich schwer. Wir haben nur wenige Stunden, das Schiff muss am Nachmittag wieder ablegen, und so bleibt uns nicht die Zeit, Sehenswürdigkeiten wie die
Höhlensysteme aus der Zeit des Vietnamkrieges zu besichtigen. Wir haben uns entschieden, zu Fuß durch die Stadt zu gehen und zu versuchen, ihre Atmosphäre zu erfahren.
Das amerikanische Trauma des verlorenen Krieges, 1975 die panische Flucht der letzten Amerikaner aus Saigon, per Hubschrauber vom Dach der Botschaft, mag manchem
von Ihnen noch in Erinnerung sein. All dies ist auch in Wort und Bild ausführlich thematisiert worden. Nur wenig aber wurde über das Trauma der Vietnamesen berichtet.
Das Leid der Zivilbevölkerung ist nur selten ausführlich dargestellt worden. Sicher, alle haben wir das schreckliche Bild des nackten, vom Napalm verbrannten Körpers
des kleinen Mädchens in Erinnerung, aber sonst? Um so erstaunlicher ist, mit welcher Leichtigkeit im heutigen Ho Chi Minh Stadt mit dieser schrecklichen Vergangenheit
umgegangen wird. Überall in den Läden finden sich Relikte dieser kriegerischen Zeit als Souvenirs. Gasmasken, Zipp-Feuerzeuge mit den Regimentszeichen der
amerikanischen Einheiten, Regimentsfähnchen und vieles andere mehr. T-Shirts mit dem Aufdruck „Good Morning Vietnam“ sind der Verkaufsschlager in allen
Geschäften. In den 5 Stunden die wir uns in der Stadt aufhielten, haben wir nur eine bettelnde Frau gesehen, das Gesicht offenbar durch Napalm verbrannt. Besonders
auffällig ist für den asienerfahrenen Reisenden die Ehrlichkeit der Händler, sei es in den kleinen oder großen Geschäften oder in den Markthallen. So wurde uns
Wechselgeld hinterhergetragen, obwohl wir das betreffende Geschäft bereits verlassen hatten. Und eine unserer Mitreisenden hatte versehentlich statt des gekauften
Artikels dessen Verpackung mitgenommen. Der Inhaber des Ladens verfolgte uns durch die gesamte Länge der Strasse um ihr das günstig erworbene Stück nach zu tragen! Wer
schon in KL, Bangkok oder Hongkong eingekauft hat, wird genauso erstaunt sein wie wir es waren. Von Kriegsschäden ist in der Stadt nichts mehr zu sehen. Zwar ist die
Pracht der großen Hotels wie des „REX“, wo während des Krieges die Journalisten logierten, oder des „Majestic“ auf dem Stand der 60iger und 70iger Jahre
stehen geblieben, wirkt etwas verschlissen und leicht morbide, aber offensichtliche Schäden wie Einschussspuren oder zerborstene Mauern sind nicht zu finden. Die
Atmosphäre in der Stadt ist ausgesprochen progeressiv. Die Stadt lebt und ist im Aufbruch begriffen. Überall zeigen sich kleine, mehr oder weniger feine, Geschäfte mit
Kunsthandwerk und Textilien. In den Markthallen pulsiert das pralle Leben. Lackarbeiten, Seidenkleidung, bemalte Seide, Einlegearbeiten sind die wesentlichsten
Erzeugnisse lokalen Kunsthandwerks. Häufig in beeindruckender Qualität und zu bemerkenswert günstigen Preisen. Lokale Währung ist der Dong (VND),16.000,-VND
entsprechen etwa 1,- €. US $ werden meist ebenfalls akzeptiert.
Viel zu früh müssen wir zurück an Bord, beladen mit Einkäufen und Eindrücken. Die Fahrt
auf dem Saigon River im langsam abnehmenden Licht gestaltet sich geradezu romantisch. Und viel zu schnell bricht die Dunkelheit herein, entzieht den Blick auf die
langsam kleiner werdende Silhouette der Stadt, die pittoresken Hütten und Häuser am Ufer. Der nächste Tag ist wieder ein Seetag. Zeit diese neuen Eindrücke zu
verarbeiten. Uneingeschränkt ist Ho Chi Minh City eine Stadt, die es zu entdecken gilt und für die man sich wesentlich mehr Zeit nehmen sollte! Wir werden sicher
wiederkommen!
Donnerstag. Die Woche ist vorbei und wir erreichen den letzten Hafen dieser Reise, Laem Chabang, der Hafen der thailändischen Hauptstadt
Bangkok. Es ist Zeit, die Koffer zu packen und der Crew zum Entladen zu übergeben. In der Ankunftshalle hat „Thomas Cook“ Schalter aufgebaut um den
Checkin der Gäste direkt auf ihre jeweiligen Flüge zu erledigen. Nach Empfang der Bordkarten wird das Gepäck wieder direkt zum Flughafen transportiert und
verladen, der einzelne Gast hat nur noch sein Handgepäck zu versorgen. Natürlich werden auch hier wieder diverse Touren nach Bangkok angeboten. „Bangkok auf eigene
Faust“ oder „Bangkok zum Abschied“. In jedem Falle sollten Sie, wenn Sie die Stadt noch nicht kennen, sich Zeit für den „Tempel des Smaragdbuddha“
und den alten Königspalast nehmen! Ein beeindruckendes architektonisches Kleinod! Eine der Touren zu buchen ist in jedem Falle sinnvoll. Individuell zum Flughafen
zu kommen, gestaltet sich sehr schwierig, ist die Stadt doch gut 2 Busstunden vom Hafen entfernt. Alternativ zu den Touren bleibt lediglich, auf dem Schiff zu bleiben
und den angebotenen Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Dies bedeutet aber auch, dass die Kabine um 12.00 Uhr geräumt sein muss und Sie den restlichen Tag mit Ihrem
Handgepäck belastet sind.
Fazit
Die Südostasien Kreuzfahrt mit der AIDAcara ist natürlich keine der üblichen Tauchreisen. Wenn Sie sich einen
Urlaub hauptsächlich unter Wasser verbracht vorstellen, sind Sie auf einer Reise wie dieser nicht ideal gebucht. Wenn aber neue Länder, fremde Menschen, exotische
Städte Ihr Interesse finden – und dies mit einem höchsten Maß an Bequemlichkeit und der Möglichkeit ein fremdartiges Tauchrevier kennen zu lernen, sind Sie an
Bord der AIDAcara goldrichtig. Wir haben auf dieser Reise an Bord keinen Punkt für gerechtfertigte Kritik gefunden. Das Personal ist freundlich und immer bestrebt
den Wünschen der Passagiere zu entsprechen. Den üblichen Aktivitäten an Bord von Kreuzfahrtschiffen wie Bingo Spiele, Polonaise am Pool was auch immer, kann man sich
bei Bedarf leicht entziehen. Damit kann jeder sich den Aufenthalt an Bord nach seinem Gusto gestalten. Einzig die Preise der Ausflüge erscheinen teilweise recht
deftig. Die Touren werden stets unter der Regie eines örtlichen Veranstalters organisiert, die ihre Leistungen teuer verkaufen. Ohne den gesellschaftlichen Zwang
der üblichen Kreuzfahrer – Kleidung, Trinkgelder usw.- ist eine Reise auf der AIDAcara Urlaub im besten Sinne des Wortes!
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